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Großhändler erzürnt: FloraHolland steigt in Einzelhandel ein

Die niederländische Blumenversteigerung FloraHolland hat sich beim Internet-Blumenversand Frederique’s Choice Europe eingekauft. Nach eigenen Angaben hält sie einen Minderheitsanteil an der vom ehemaligen Topmodel Frederique van der Wal gegründeten Verbrauchermarke für Schnittblumen, Topfpflanzen, Vasen, Töpfe und Accessoires. FloraHolland setzt nach eigenen Angaben für die Zukunft im Einzelhandel sowohl auf solche Markenartikel als auch auf den Verkauf via Internet und Online-Shop. 

Frederique’s Choice stützt sich hauptsächlich auf den Online-Verkauf in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. FloraHolland verspricht sich durch die Zusammenarbeit einen besseren Einblick in diesen Verkaufskanal und möchte die Entwicklungen möglichst nah dran verfolgen. Ziel ist, dadurch Erkenntnisse sowohl für die eigenen Gärtner zu gewinnen als auch für die Groß- und Einzelhändler. Zuständig ist die eigene Abteilung Retail Services.

Frederique’s Choice als relativ junges Unternehmen hat Ambitionen zu einem tonangebenden Spieler auf dem europäischen Markt zu werden. Auf längere Sicht sogar weltweit zu agieren. Zusammen mit FloraHolland lassen sich diese Ziele schneller erreichen. Die Versteigerung habe einen Schatz an Erfahrung, Fachkenntnissen und Zugang zu den Quellen in den Niederlanden und weltweit. Damit sollen Qualität und Frische der Schnittblumen und Topfpflanzen noch besser zu gewährleisten sein.

Erstaunen und Irritationen löste die FloraHolland mit ihrer Aktion bei den Großhändlern und Exporteuren aus. Sie stelle sich mit der Beteiligung an einen Blumenversender in direkter Konkurrenz zu ihren eigenen Kunden. Die Versteigerung habe den Großhändlern etwas zu erklären, äußert sich Henk Salome, Manager Einzelhandel der Dutch Flower Group in der niederländischen Fachzeitschrift Bloemenkrant. Es sei doch seltsam, dass sie wieder einen Schritt weiter in der Absatzkette mache in Richtung Endverbraucher.

Die Fachorganisation Großhändler in Blumen und Pflanzen (Vereniging van Groothandelaren in Bloemkwekerijprodukten, VGB) reagiert eher zornig. So äußert sich der VGB-Vorsitzende Herman de Boon auf ihrer Internet-Seite über die Provokation. Es sei die zigste Provokation in Richtung ihrer eigenen Kunden, beschwert er sich.

Durch die Beteiligung bei Frederique’s Choice und ihr Engagement am anderen Ende der Absatzkette versuche sie, ihre eigenen Kunden zu überholen und sich direkt an die Konsumenten zu richten. FloraHolland nähre damit den Verdacht, ihre wahren Ambitionen und Absichten nicht offen zu legen, so de Boon weiter. Sie treibe durch ihr Verhalten die Handelsbetriebe dazu, wieder direkte Beziehungen mit den Produzenten anzuknüpfen, prognostiziert er. Die Funktion der Versteigerungsuhr und damit verbunden auch die Erträge der FloraHolland würden dadurch unterminiert.

Der VGB habe den Eindruck, dass die Versteigerung vorschnell nach vorne prischt, möglicherweise werde das aber ihre letzte Lebensphase, so de Boon weiter. Natürlich sei dieser Minderheitsanteil an einem Handelsbetrieb nur von begrenztem Wert, aber es gehe schließlich um das Prinzip. Anscheinend habe FloraHolland nichts gelernt aus dem, was in der Obst- und Gemüsebranche passiert ist. Er zielt damit auf den Untergang der Gemüseversteigerungen, die unter dem Namen The Greenery eine eigene Handelsfirma gründeten. Es schmerze die Großhändler auch, das in den regelmäßigen Gesprächen zwischen ihrer Organisation und der FloraHolland der geplante Einstieg bei einem Einzelhändler mit keinem Wort erwähnt wurde. (fri)