TASPO GartenMarkt

Grow Award für zwei junge Wissenschaftler

Zwei Gewinner gibt es beim Grow Award, der in diesem Jahr erstmals von der TASPO Stiftung und der Landgard Stiftung gemeinsam getragen wird. Über jeweils 5.000 Euro können sich die beiden jungen Wissenschaftler Tsu-Wie Chen und Mona Quambusch, beide Doktoranden an der Leibniz Uni Hannover, für ihre beim Grow Award eingereichten Projekte freuen.

Die Grow Award-Jury, vertieft in die eingereichten Projektskizzen. Foto: mindstroem

Die Auszeichnung ist damit in der grünen Branche einer der höchstdotierten Preise. Ihren Scheck erhalten die beiden auf der Gala der TASPO Awards, zu der sie – samt Übernachtung im Grand Hyatt – eingeladen sind.

Unterstützung erhielten die Juroren bei ihrer Auswahl auf der Jurysitzung am 8. August in Wolfsburg durch die Deutsche Gartenbauwissenschaftliche Gesellschaft, die zu jedem der eingereichten Projekte zuvor ein Gutachten erstellt hatte.

Über die Projekte berieten im Einzelnen: Prof. Matthias Diezemann (Jury Vorsitzender und Präsident der TASPO Stiftung), Prof. Dr. Bernd Böhmer (Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen), Kaasten Reh (Redakteur beim Magazin Fruchthandel), Uwe Schütt (Publishing Director Haymarket Media), Prof. Dr. Dr. Christian Ullrichs (Präsident der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft), Willi Andree (Kuratoriumsvorsitzender der Landgard Stiftung und Aufsichtsratder Landgard eG) und Armin Rehberg (Vorstand der Landgard eG, Vorstandsvorsitzender der Landgard Stiftung).

Mit dem Grow Award wollen die beiden Stiftungen den Nachwuchs fördern. Junge Wissenschaftler können sich mit ihren zukunftsorientierten Projekten bewerben. Also, schon mal vormerken, denn im nächsten Jahr gibt es die Fördermöglichkeiten erneut. 2014 können aus den Stiftungsgeldern sogar bis zu vier Auszeichnungen vergeben werden. Den genauen Einreichungsschluss geben wir in der TASPO bekannt, und Sie finden ihn unter www.taspo.de oder unter www.grow-award.de.

Und wofür erhalten die jungen Wissenschaftler nun genau das Geld?

Das Ziel von Tsu-Wie Chen ist es, pflanzlich optimale Anbaubedingungen und -strategien für die intensive Gemüseproduktion in Gewächshäusern zu finden. Dazu bedient er sich echtzeitiger Messdaten (Klimamessdaten und Messdaten von Pflanzenmonitoren wie zum Beispiel dem Stengeldurchmesser, dem Saftstrom und der Blatttemperatur) und will sie mit bestehenden Pflanzenmodellen kombinieren, um so Voraussagen treffen zu können.

Die Photosynthese ist die Quelle der Trockenmasseproduktion der Pflanzen. Allerdings ist die Photosynthese-Rate durch viele biologische und umweltbedingte Faktoren beschränkt: Licht- und Temperaturbedingungen, CO2-Verfügbarkeit in Chloroplasten, Wasserhaushalt, Pflanzenernährung sowie Stresseffekte. Leidet eine Pflanze unter Stress, so beeinflusst das die Photosynthese negativ.

Nach den neusten Erkenntnissen von Pflanzenmodellen, so sagt Chen, sei der optimale Wert eines Umweltfaktors abhängig von anderen Umweltfaktoren. Wird zum Beispiel der CO2-Gehalt im Gewächshaus erhöht, steigt nicht automatisch die Photosynthese-Rate der Gurkenpflanze, wenn die Lichtintensität unter 800 mol m-2s-1 oder die Blatttemperatur unter 20 Grad Celsius fällt.

Diese Abhängigkeiten werden oft in der Anbaustrategie vernachlässigt, so Chen. Weil aber Stresssymptome erst Tage nach dem Stressbeginn sichtbar werden können, ist die Früherkennung von Stress eines der wichtigsten Themen in gartenbaulichen Betrieben.

Neuerdings ist es möglich, so Chen, die Daten von Pflanzenmonitoren (echtzeitige Messungen der Stängeldurchmesser und des Saftflusses an der Pflanze) mit einem mechanistischen Pflanzenmodell (Modell für Wasser- und Zuckertransport) zu kombinieren, um den möglichen Stresseffekt drei Tage vor dem erkennbaren Welken der Blätter zu detektieren und entsprechend gegenzusteuern. Auf diesen Erkenntnissen sattelt Chen auf und will sie weiter verfeinern, ausdehnen und für die Praxis voraussehbar und einsetzbar machen.

Mona Quambusch untersucht, ob die bei der In-vitro-Vermehrung von Gehölzen immer wieder Probleme bereitenden endophytischen Bakterien nicht auch positive Effekte erzielen können. Dann müssten sie nämlich nicht mehr mit Antibiotika abgetötet werden.

Endophyten sind Mikroorganismen, die innerhalb der Pflanze leben und sich gegenüber der Wirtspflanze neutral, negativ oder sogar positiv verhalten. Durch den gezielten Einsatz von bestimmten Arten und Gattungen an endophytischen Bakterien ließen sich möglicherweise die zwischen 50 und 90 Prozent liegenden Verluste bei der Bewurzelungsrate der Mikrostecklinge und während der Akklimatisierung deutlich verbessern, ist die junge Frau überzeugt.

Dazu hat sie Prunus avium-Genotypen selektiert, die sich besonders gut in-vitro vermehren ließen. In diesen Pflanzen stellte sie die Bakterien-Gattungen Rhodopseudomonas und Microbacterium fest und will nun die schlecht vermehrbaren Genotypen mit diesen Bakterien impfen, um so ihre In-vitro-Vermehrbarkeit zu erhöhen.

Im Rahmen der Grow Award-Förderung möchte sie außerdem diesen Erkenntnisgewinn auf weitere, gartenbaulich bedeutsame Produkte übertragen. Entsprechend will sie die Wirkung dieser potenziell wachstumsfördernden Endophytenisolate auf Obstunterlagen der verwandten Gattung Malus testen. (ia)