TASPO GartenMarkt

Grüne Branche ist optimistisch

, erstellt von

Die Zeichen stehen tatsächlich auf Grün. Für viele Deutsche liegt der Garten als Rückzugsort weiterhin im Fokus. Dementsprechend profitiert auch der Grüne Markt vom allgemeinen Trend zu grünen Themen.

Die Grafik zeigt den Anteil der Befragten, die an folgenden Orten Pflanzen und Gartenbedarf einkaufen. Quelle: Statista/VuMA

Schwierige gesellschaftspolitische Themen und auch die terroristische Bedrohung verstärken den Wunsch des Verbrauchers, sich in der eigenen Grünfläche einen Ort der Ruhe zu schaffen, berichtete der Industrieverband Garten (IVG) e. V. auf der Europäische Fachpressekonferenz zur spoga+gafa 2017 in Rom.

Hinzu kommen globale Megatrends wie Neo-Ökologie oder Nachhaltigkeit, die bereits seit einigen Jahren dafür sorgen, dass die Bedeutung des Gartens in der Gesellschaft stark gewonnen hat. Diese Faktoren sorgen in Kombination mit der aktuell positiven Konsumstimmung für Optimismus innerhalb der Grünen Branche.

Blumengeschäfte im Aufwind

„Grundsätzlich spüren wir eine durchaus positive Stimmung – der frühe Frühling im März hat die Saison schnell starten lassen. Einen Einbruch gab es sicherlich im April durch den einsetzenden Frost. Nun hoffen wir auf eine konstante Witterung im weiteren Saisonverlauf“, erklärt Anna Hackstein, Leitung Marketing und Kommunikation beim IVG.

Zudem gibt es leichte Anzeichen für eine Wiederkehr der traditionellen Blumenfachgeschäfte und eine Konsolidierung im Bereich der in den vergangenen Jahren in Bedrängnis geratenen Einzelhandelsgärtnereien. So stieg 2016 laut der Markt-Media-Studie „VuMA Touchpoints 2017“ auf die Frage „Wo haben Sie persönlich in den letzten 12 Monaten Blumen und Pflanzen gekauft?“ beispielsweise die Zahl der Kaufkunden im Blumenfachgeschäft auf 19,8 Prozent (Vergleich 2014: 17,2 Prozent, 2015: 18,4 Prozent) und in der Gärtnerei auf 14,7 Prozent (Vergleich 2014: 14,1 Prozent, 2015: 14,5 Prozent).

Diese Entwicklung bestätigen auch die einschlägigen Branchenverbände. „Sicherlich ist die Situation für die Floristik-Branche auf Grund des Konkurrenzdrucks schwierig, jedoch erleben wir in der Tat eine Konsolidierung der Blumenfachgeschäfte – jedoch weniger des sehr traditionellen Blumenfachhandels, sondern von Blumengeschäften, die aufgeschlossen, innovativ, kundenorientiert und mit der Zeit gehend am Markt operieren“, erläutert Nicola Fink, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Fachverband Deutscher Floristen e. V. (FDF).

Facheinzelhandel muss attraktiver werden

Auch Stefan Gentzen, Geschäftsführer Bundesverband Einzelhandelsgärtner (BVE), bestätigt die Entwicklung: „Bei der Marktentwicklung für Blumen und Zierpflanzen in Deutschland beim privaten und institutionellen Verbrauch zu Einzelhandelspreisen ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 2,5 Prozent zu verzeichnen (2015: 8,5 Mrd. zu 2016: 8,7 Mrd.). Die Pro Kopf-Ausgaben sind gerundet auf 106 Euro. Wobei hier die regionalen Unterschiede berücksichtigt werden müssen.“

Nach wie vor würden die größten Ausgaben im gärtnerischen Fachhandel getätigt. Wobei die überwiegenden Mengen über den Systemhandel abgesetzt wurden. Es werde also eine größere Wertschöpfung im gärtnerische Fachhandel erzielt. Diese konnte im Rückblick seit dem Jahr 2010 sogar gesteigert werden.

„Der gärtnerische Fachhandel ist aber überwiegend von kleinen und mittleren Strukturen geprägt, die durch die zunehmende Bürokratisierung und Regulierungsflut von Bund, Ländern und der EU in ihrer unternehmerischen Freiheit beeinträchtigt werden“, ergänzt Gentzen. „Dies und der Wettbewerb mit branchenfremden Anbietern von Blumen und  Pflanzen, wie dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH), stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen.“

Der stationäre gärtnerische Facheinzelhandel müsse auch weiterhin an Attraktivität gewinnen. Erlebniswelten, Einkaufserlebnis und Sortimentsbreite seien dafür nur einige Schlagwörter zum Erfolg. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt sei die Förderung der Beratung und des Services in den Verkaufsstellen. „Dies ist nur mit gut ausgebildetem und geschultem Personal möglich“, weiß der BVE-Geschäftsführer. „Der steigende Bedarf an individuell zugeschnittenen Dienstleistungen muss entsprechend bedient werden können. Um am Markt wahrgenommen zu werden, müssen die Fragen der  Marktsegmentierung und des zielgruppenorientierten Marketings berücksichtigt werden.“

Rückblick: Gartenjahr 2016

Als wichtiges Ergebnis der jährlich unter den IVG-Mitgliedern durchgeführten Umfrage zum Verlauf des zurückliegenden Gartenjahres ist festzuhalten: Mehr als 70 Prozent der im Verband vertretenen Unternehmen bewerten das abgeschlossene Jahr mit „sehr gut“ oder „gut“.
Die deutsche Gartenindustrie hat 2016 laut Hochrechnungen einen Gesamtumsatz von 18,3 Mrd. Euro erzielt – ein Wachstum von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, resümierte Branchenexperte und Unternehmensberater Klaus Peter Teipel. Damit bleibt das Jahr zwar hinter den Erwartungen der Industrie zurück, kann aber aufgrund der schwierigen und regional stark abweichenden Witterungsbedingungen dennoch als „zufriedenstellend“ bewertet werden. Das Lebende Grün bleibt weiterhin mit mehr als 54 Prozent Marktanteil das bestimmende Merkmal der Branche. Die Wachstumstreiber des Marktes kommen allerdings aus dem Hartwarenbereich, so verzeichnete der Bereich Gartengeräte/-maschinen und Zubehör mit +2,1 Prozent den stärksten Zuwachs, gefolgt von Grillen im Garten (+1,5 Prozent) sowie Grün Outdoor und Düngemitteln, Erden, Pflanzenschutz (jeweils +0,9 Prozent).

Positiv zu bewerten ist in jedem Fall, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland Produkte rund um das Thema Garten kauft. Doch die Einkaufsorte variieren heute stärker denn je: Das Konsumentenverhalten verändert sich – eine Entwicklung, von der insbesondere branchenfremde Akteure und der Online-Handel profitieren. Die zentrale Frage nach den Auswirkungen der veränderten Einkaufsgewohnheiten auf die künftige Vertriebswegestruktur des Marktes kann derzeit noch nicht abschließend geklärt werden. Eines ist jedoch sicher: Die heterogene Distributionsstruktur des Marktes wird sich weiter verstärken und der Online-Handel auch künftig am stationären Handelsgeschäft knabbern.