TASPO GartenMarkt

Grüne Branche: Macht die Euroschwäche Preiserhöhungen unausweichlich?

Nun kommen die Ausläufer des sinkenden Eurokurses auch in der grünen Branche an: Ein großer Versandhändler hat bereits angekündigt, die Preise anzuheben, auch der Industrieverband Garten (IVG) sieht Preiserhöhungen für Gartenprodukte am Horizont. Für den Import und das Geschäft an der Uhr schließt die Veiling Rhein-Maas längerfristige Konsequenzen nicht aus. 

Der sinkende Eurokurs macht sich für bestimmte Bereiche der Grünen Branche in Preiserhöhungen bemerkbar. Grafik: BZE

Euro verliert gegenüber Dollar deutlich an Boden

Mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hat der Euro gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Wochen verloren. (Aktueller Kurs) Der Versandhändler fleur ami, der vor allem Floristen, Raumbegrüner und inhabergeführte Gartencenter mit Highend-Produkten versorgt, kündigte in der Folge an, die Preise für bestimmte Waren erhöhen zu wollen.

„Von der Preiserhöhung sind Produkte betroffen, die wir aus Ländern importieren, in denen die Einkäufe mit US-Dollar gezahlt werden (meist Fern-Ost-Region). Das sind größtenteils in aufwändiger Handarbeit produzierte Artikel“, erklärt Christian Turra, Prokurist und Marketingbeauftragter der fleur ami, gegenüber TASPO-Online. Die Preissteigerung beziehe sich lediglich auf Produkte, die mit US-Dollar eingekauft würden. Für einen weiteren Absturz des Eurokurses will fleur ami nicht durch einen zusätzlichen Preispuffer vorbauen, sondern die Preisschwankungen soweit möglich selbst tragen.  

Längerfristige Auswirkungen auf das Importgeschäft und die Uhr nicht ausgeschlossen

Import ist auch das große Stichwort für die Veiling Rhein-Maas und die FleuraMetz. Wie eine Sprecherin der Veiling Rhein-Maas auf Anfrage von TASPO-Online mitteilte, hätten die Kursschwankungen keine kurzfristigen Auswirkungen auf das Geschäft. Dennoch ist das kein Freibrief für gleichbleibende Preise.

„Wenn diese Situation länger anhält, können Schwankungen zwischen dem Euro- und dem Dollarkurs sich insbesondere im Bereich Zimmerpflanzen auswirken, da die Erzeuger ihre Rohware in Südamerika einkaufen. Darüber hinaus könnten die Preise für interkontinentalen Transport durch einen anhaltenden Kursverfall steigen. Dies hätte Auswirkungen für unsere Anlieferer von Importware und würde somit das Angebot an der Versteigerungsuhr beeinflussen“, führt die Sprecherin der Veiling Rhein-Maas weiter aus.

 

FleuraMetz verlagert Einkauf in afrikanische und europäische Länder

Die FleuraMetz hat bereits auf die gestiegenen Preise beim Import bestimmter Schnittblumen reagiert. „Wir weichen nun bei Rosen und Nelken auf andere Produktions-Länder aus, die ihre Ware nicht in US-Dollar verkaufen“, so Danny van Bergen Henegouwen, Einkaufsleiter der FleuraMetz. Nelken aus Kolumbien würden nun durch Pflanzen aus Italien und Äthiopien ersetzt. Rosen kommen nun nicht mehr aus Ecuador, sondern aus Kenia. Zudem gingen Salal und Palmlilien im Verkauf aufgrund der gestiegenen Preise zurück.

 

IVG: Preiserhöhungen in der grünen Branche unausweichlich

Aus Sicht des IVG ist die Preiserhöhung bei bestimmten Produkten unausweichlich. „Die Schwächung des Euro in dieser Größenordnung war so nicht vorhersehbar“, so IVG-Geschäftsführer Johannes Welsch. Daher sei es für die Unternehmen kaum möglich gewesen, sich vorab gegen diese Entwicklung abzusichern. „Wir rechnen damit, dass die betroffenen Hersteller und Anbieter in Kürze mit dem Handel über die gestiegenen Kosten und künftige Konditionen verhandeln werden“, sagt Welsch.

Die einseitige Belastung sei langfristig nicht hinnehmbar und ein Ende der Entwicklung noch nicht absehbar. Während exportorientierte Branchenzweige von der gestiegenen Kaufkraft des Dollars profitieren, rechnen importierende Unternehmen bei der Beschaffung ihrer Produkte aus den USA und Fernost mit wachsenden Kosten.

Gartenbranche bei bestimmten Produkten betroffen

Die Gartenbranche sei insbesondere bei Produkten, Vor- oder Teilprodukten aus den Bereichen Garten- und Rasenpflegegeräte, Gartenmöbel und -dekoration sowie Grillen von den erhöhten Belastungen betroffen, wie der IVG in einer Presseinfo mitteilte. (cm)