TASPO GartenMarkt

Handel in der Kritik: Eisendünger als Moosentferner empfohlen

Der Handel steht im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eisendüngern als Moosentferner in der Kritik. Eisendünger würden zur Moosentfernung empfohlen, obwohl auf den Verpackungen Moosentfernung gar nicht als Einsatzgebiet beschrieben sei, bemängelte die ARD-Sendung PlusMinus am 23. Mai. 

Moosentfernen im Rasen: Dazu gibt es neben zugelassenen Pflanzenschutzmitteln auch den klassisch mechanischen Weg. Foto: Fotolia

„Eisendünger werden nicht verkauft, um den Rasen mit Nährstoffen zu versorgen, sondern um damit Moos abzutöten“, folgert der Sender und wirft den Baumärkten vor, damit das Pflanzenschutzgesetz zu umgehen. Jens Utermann vom Umweltbundesamt bringt es in PlusMinus auf den Punkt: „Wenn Eisen-II-Sulfat als Unkrautbekämpfungsmittel gegen Moos eingesetzt wird, dürfte es nicht als Düngemittel verkauft werden.“

Zuvor hatte das NDR-Verbraucher- und Wirtschaftsmagazin „Markt“ in seiner Sendung am 7. Mai 2012 kritisiert, dass Baumärkte Eisendünger zur Entfernung von Moos im Rasen empfehlen, ohne auf die Gefährlichkeit hinzuweisen. Eisendünger enthielten den Wirkstoff Eisen-II-Sulfat und seien als giftiges Pflanzenschutzmittel einzustufen, so der Vorwurf. Nach Einschätzung von Utermann dürften die toten Moospflanzenteile sogar weder auf den Kompost noch in die Biotonne. Sie seien Sondermüll und bei den Schwermetallen zu entsorgen.

Keiner der Mitarbeiter in den Baumärkten habe den „Markt“-Reportern einen Hinweis auf Schutzkleidung gegeben. Ulrike Opravil vom Berufsverband Deutscher Arbeitsmediziner rät auf Anfrage von „Markt“, die Sicherheitshinweise dringend zu beachten. Vor allem die Augen seien bei Kontakt mit dem Wirkstoff gefährdet, denn das Eisen-II-Sulfat im Dünger könne ätzende Schwefelsäure freisetzen, wenn es mit der feuchten Bindehaut der Augen in Berührung kommt, so die Arbeitsmedizinerin.

Max Bahr und Hornbach hätten gegenüber „Markt“ eingeräumt, die Mitarbeiter künftig besser zu schulen. Bauhaus wolle Eisendünger aus dem Sortiment nehmen, hieß es. Obi habe keine Stellungnahme abgegeben.

Der Industrieverband Garten pocht hingegen auf die klare Rechtslage bei den gesetzlichen Bestimmungen. Diese lässt eine Einstufung von Eisen-II-Sulfat sowohl als Dünger als auch Pflanzenschutzmittel zu, je nach Zweckbestimmung. Compo ergänzt, Eisendünger sei sogar im ökologischen Landbau zur Erzeugung von Bio-Lebensmitteln einsetzbar. Man dürfe ihn aber nur bei tatsächlichem Bedarf verwenden und die angemessene Dosisrate nicht überschreiten.

Der Gesetzgeber verweist darauf, dass als Düngemittel zweckbestimmte Produkte seitens des Handels durch falsche Beratung nicht zum Pflanzenschutzmittel „umgewidmet“ werden dürften. Steht der Handel zu Recht am Pranger?

Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf den Seiten 3 und 4 in der aktuellen TASPO Ausgabe 24/2012. (rve)