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Hintergrundinfos zur Richtlinie zu Energieeffizienz

Am 24. Februar ist die Neufassung der Richtlinie für ein Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz im Gartenbau und in der Landwirtschaft in Kraft getreten (siehe auch hier). Sie ist befristet bis 31. Dezember 2012. Lesen Sie hier genaueres zu dem Bundesprogramm.

Ein Beispiel für umgesetzte Energieeffizienz: Innenansicht des Referenzgewächshauses der Zukunftsinitiative Niedrig-Energie-Gewächshaus in Berlin-Dahlem. Foto: Ingo Schuch

Profitieren von der Richtlinie können Betriebe des Gartenbaus und der Landwirtschaft. Die Investitionssumme muss dabei mindestens 10.000 Euro und darf bis maximal zwei Millionen Euro betragen. Der Zuschuss beträgt 20 oder 30 Prozent dessen, was förderfähig ist. Die Förderung kann dabei maximal 400.000 Euro betragen.

Förderfähig sind etwa: Gewächshauskonstruktion mit Eindeckung, Kulturflächenaufbau, Tische, Heizungssysteme ohne Wärmeerzeugung, Klimacomputer, geschlossene Bewässerung, Energieschirme, Kühlräume.

Nicht förderfähig sind: Arbeits- und Sozialräume, Maschinen für die Arbeitserledigung oder Investitionen in Kaltgewächshäuser unter zwölf Grad Celsius. Bei einem Gewächshaus ist nur die Produktionsfläche förderfähig.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat unter www.ble.de/energieeffizienz Kalkulationsdaten veröffentlicht, mit denen die geplanten Gewächshausmodernisierungs- und -neubaumaßnahmen hinsichtlich der erwarteten Energieeinsparung mit der zugrunde gelegten Referenz verglichen werden können.

Die Parameter für die Referenz sind wie folgt definiert worden: einschalige Hülle, Energieschirm in Traufenhöhe, gemischtes Heizungssystem, Klimacomputer, Flächennutzung von 80 Prozent. Wer durch Modernisierungsmaßnahmen diesen Standard um 30 Prozent unterschreitet, kann etwa mit einem Zuschuss von 20 Prozent gefördert werden.

 

35 Prozent Energieeinsparung

Neben der bisher möglichen Flächenausweitung in Form von Niedrigenergiegewächshäusern fördert die neue Richtlinie jetzt auch Neubauten, die eine Energieeinsparung von mindestens 35 Prozent gegenüber der Referenz umsetzen. Zusätzlich muss ein Neubau im Durchschnitt zu mindestens 80 Prozent mit erneuerbaren Energien, Abwärme oder Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung beheizt werden. Bisher waren nur 70 Prozent erforderlich.

Dazu ein Beispiel: Eine Gärtnerei hat eine Gewächshausfläche von insgesamt 10.000 Quadratmetern. Der Unternehmer möchte nun die Fläche um 1.000 Quadratmeter erweitern. Für die 1.000 zusätzlichen Quadratmeter würde er rund 20.000 Liter Heizöl pro Jahr einsetzen, das entspräche etwa 200.000 kWh pro Jahr. Die Richtlinie schreibt nun vor, dass 80 Prozent der Heizenergie aus erneuerbaren Energien stammen sollen.

Der Beispiel-Betrieb müsste rund 160.000 kWh (dies entspricht 80 Prozent von 200.000 kWh) seiner Wärmeleistung aus nachhaltigen Quellen beziehen. Zudem ist ein Wärmemengenzähler vorgeschrieben. Die nachzuweisenden 80 Prozent beziehen sich auf den Heizenergieverbrauch der neuen Betriebsanlage (1.000 Quadratmeter) und nicht auf die Gesamtbetriebsfläche (11.000 Quadratmeter).


ZVG: Ausschreibung bleibt Hürde

„Der Zentralverband Gartenbau sieht in im Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz ein wichtiges Anpassungsinstrument für die Unterglasbetriebe“, sagt der Generalsekretär des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), Dr. Siegfried Scholz. „Eine große Hürde bleibt aber weiterhin die Vorgabe der öffentlichen Ausschreibung (VOB) ab einer Fördersumme von 100.000 Euro. Für die Gärtner bedeutet dies zusätzlichen finanziellen und bürokratischen Aufwand.“

Die Referenzwerte und Anforderungen seien erschwert worden. 80 Prozent erneuerbare Energie einzusetzen, sei für eine Reihe von Betrieben vor allem unter dem Aspekt der Spitzenlasten nicht umsetzbar. Die bisherige Richtlinie hat 70 Prozent Energie aus nachhaltigen Quellen gefordert. Auch die Ersthürde der Energieeinsparung ist von ehemals 30 auf jetzt 35 Prozent erhöht worden.

„Der ZVG wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Branche die versprochenen 28 Millionen Euro Fördergelder als Anpassungshilfe zur Verfügung stehen“, so Dr. Scholz. Daher werde sowohl eine Verlängerung der Laufzeit, als auch eine Anpassung des Internet-Projektes „Energieeffizienz“ gefordert. 

 

Teures Öl fördert Energieeffizienz

Thomas Hölscher, zuständiger Referent bei BLE, zufolge betreffen rund 60 Prozent der Anträge Modernisierungsmaßnahmen und 40 Prozent Neubauten. Zur Modernisierung würden vor allem doppelte Energieschirme und Umluftventilatoren zur Vermeidung von Temperaturprofilen im Gewächshaus nachgerüstet.

Das Niveau der Referenz zur Beurteilung der Energieeinsparung sei angemessen und mit den zuständigen Ministerien im Einvernehmen verabschiedet worden. Eine Überprüfung der geförderten Neubauten habe ergeben, dass in allen Fällen die Beheizung auch zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien hätte nachgewiesen werden können.

Eine Antragsflut erwartet Hölscher grundsätzlich nicht. Die Nachfrage sei spürbar vorhanden. Angesichts der derzeitigen Verschärfung auf dem Ölmarkt könnten viele Gärtner über Investitionen in effizientere Energie nachdenken.

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