TASPO GartenMarkt

Interview: „Ausbildungsgang E-Commerce bringt auch uns Betriebe nach vorn“

, erstellt von

Dropshipping zählt zu den aktuell vielversprechendsten Modellen im E-Commerce. Karl Peter Oltmanns ist Administrator des Helmers Baumschulen B2B-Onlineshops und betreut seit vergangenem Jahr eine Auszubildende als angehende E-Commerce-Kauffrau. Im Gespräch mit der TASPO zieht er eine erste Bilanz zum neuen Ausbildungsgang.

Karl Peter Oltmanns betreut Azubine Julia Fittje erstmals im neuen Ausbildungsgang zur E-Commerce-Kauffrau. Foto: privat

Herr Oltmanns, Julia Fittje, Ihre auszubildende Kauffrau für E-Commerce, ist mittlerweile ein halbes Jahr bei Ihnen in der Baumschule. Welche Unternehmensbereiche und Tätigkeiten hat sie bisher kennen gelernt?

Wir arbeiten uns Schritt für Schritt vor. Gestartet sind wir mit dem Kennenlernen unserer Produktionsbetriebe, dem Kennenlernen des B2B-Shops, Fotografie von Pflanzen für den Helmers-Online-Shop und aktuell bei der Betreuung unseres neuen Dropshipping-Bereichs.

Womit sind Sie bzw. Julia aktuell beschäftigt?

Wir sind 2018 mit Dropshipping für eine Gartencenter-Gruppe gestartet. Hier wickelt Julia inzwischen den kompletten Lauf ab. Wir starten dabei mit dem Empfang der Aufträge via Classic-EDI. Anschließend wird der Paketdienst beauftragt. Als nächste Schritte erfolgen das Anfertigen der Versandpapiere, die Koordination und Unterstützung beim Einpacken der Pflanzen und dann die Übergabe der Pakete an den Paketdienst.

Nach der Abholung der Pakete erfolgt dann die Übergabe der Versandpapiere an unsere Rechnungsabteilung. Neben der Auftragsbearbeitung bestellt Julia laufend Material zum Einpacken nach. Ein weiteres Element ist die Kommunikation mit dem Paketdienst und den Kunden insbesondere bei der Abwicklung von Retouren und Nichtzustellungen.
In unserem B2B-Bereich hat Julia uns schon bei der laufenden Sortimentspflege unterstützt, Artikelfotos erstellt und eingehende Aufträge aus unserem B2B-Onlineshop auf dem traditionellen Lieferweg bearbeitet.

In der Baumschule wird ja im Augenblick Hochsaison herrschen und viel Arbeit sein. Ist Julia schon eine im Arbeitsalltag spürbare Hilfe?

Ja, insbesondere dadurch, dass sie das Dropshipping inzwischen komplett alleine abwickelt. Insbesondere die Kommunikation bei Retouren und Zustellproblemen ist doch sehr zeitaufwendig – hier ist es sehr gut, eine eigene Kraft für diesen Bereich zu haben. Wir denken zudem, dass wir in 2019 deutlich mehr Paketsendungen übers Dropshipping auf den Weg bringen werden und somit Julia uns super unterstützen kann.

Der Ausbildungsgang ist ja nagelneu und Julia Ihre erste angehende E-Commerce-Kauffrau. Gibt es Momente oder Themen, bei denen für Sie als Azubi-Betreuer Unsicherheiten auftauchen?

Wir Ausbilder haben als Vorgabe den betrieblichen Ausbildungsplan der IHK. Den gilt es nun bei Helmers für Julia umzusetzen. Wir bilden neben Julia auch eine Kauffrau im Groß- und Außenhandel aus. Da der B2B-Shop auch ein wichtiges Element in unserem Pflanzen-Großhandel ist, lernen beide Auszubildende auch die jeweiligen Bereiche der anderen Berufsgruppe mit.

Beim Beruf Kauffrau im E-Commerce unterstützen uns die IHK und die Berufsschule Haarentor in Oldenburg. Es gab bisher mehrere Ausbildertreffen, auf denen wir gemeinsam mit den Ausbildern der anderen Betriebe, den Lehrern und der IHK über die Umsetzung der Vorgaben diskutiert haben. Hier gibt es weiterhin viel Kommunikationsbedarf, insbesondere von den Betrieben.

Eine große Herausforderung ist das sehr weite Spektrum der ausbildenden Betriebe. Sowohl von der Zielgruppe, der Art der online verkauften Güter und Dienstleistungen und der eingesetzten Software oder alternativ der externen Shop-Dienstleister sind die Unternehmen sehr breit gestreut. Ein Beispiel: Für Helmers ist Suchmaschinenwerbung aktuell überhaupt kein Thema, da wir nur im Großhandel unterwegs sind und überhaupt nicht als Treffer in Suchmaschinen und Preisportalen auftauchen wollen. In Betrieben mit Schwerpunkt B2C sind Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenwerbung sehr wichtige Elemente - die Sichtbarkeit der Produkte bei Google und Amazon spielt dort die Hauptrolle für den geschäftlichen Erfolg.

Bei Betrieben, die Dienstleistungen übers Web verkaufen (zum Beispiel die Vermittlung von Urlaubsreisen) entfällt dagegen der komplette Bereich der Lagerhaltung, des Verpackens und Versendens von Produkten, Retouren-Abwicklung und so weiter. Zudem sind auch Spezial-Großhändler bei den ausbildenden Betrieben vertreten, die beispielsweise chemische Produkte oder Stahl übers Web an ihre Kunden vermarkten. Dort findet die Geschäftsabwicklung inzwischen auch über Web-Plattformen statt – der Versand der Produkte erfolgt aber auf klassischem Wege über Speditionen.

Ziel bei der Ausbildung muss sein, dass am Ende der Ausbildung Julia einen E-Commerce-Bereich in einem Unternehmen selbständig leiten und betreuen kann. Egal ob im Großhandel, im B2C-Bereich oder bei einem reinen Online-Vermittler wie zum Beispiel einem Reiseportal. Hier werden wir in der zweiten Hälfte der Ausbildung viele Inhalte in die Ausbildung einbauen, die bei uns selbst im Unternehmen nicht vorkommen und die wir dann in unserer innerbetrieblichen Schulung abarbeiten werden. Das ist dann schon eine große Herausforderung, bei der wir uns sicher Hilfe holen werden. Julia wird im Herbst 2019 zwei Wochen im Rahmen eines Praktikums in einem B2C-Betrieb arbeiten, um diesen Bereich besser kennenzulernen.

Können Sie jetzt schon sagen, ob die Entscheidung, diesen Beruf auszubilden, eine richtige Entscheidung war?

Für uns war die Entscheidung richtig, sofort im ersten Jahr den Beruf Kaufleute im E-Commerce auszubilden. Wir Betriebe haben uns den Bereich E-Commerce bisher mit viel Herzblut und Eigeninitiative selbst erarbeitet. Für die Zukunft ist es aber wichtig, dass wir ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung haben. Nur wenn wir diese Menschen selber ausbilden, kommen wir hier voran.

Durch den neuen Ausbildungsgang lernen wir als Betriebe viel Neues dazu. Während der Ausbilder-Treffen bekommen wir Einblicke in den E-Commerce-Handel in vielen verschiedenen Wirtschaftsbereichen, zu denen wir sonst keinerlei Zugang hätten. Hier gilt: Dieser Erfahrungsaustausch bringt die Unternehmen insgesamt große Schritte nach vorne.

Wir müssen als Betriebe vorangehen, unserer Meinung nach liegt der zukünftige geschäftliche Erfolg im Multi-Channel-Vertrieb, das heißt der Verkauf muss über alle verfügbaren Absatzwege erfolgen. Und dabei wird der Online-Vertrieb von Jahr zu Jahr ein immer wichtigerer Baustein.