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Interview: „Zur Stagnation verdammt“

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Das Joint Venture von Landgard und der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ) im Profi-Gartenbau ist geplatzt – nicht zuletzt, weil das Bundeskartellamt angekündigt hatte, das Vorhaben untersagen zu wollen. Die beiden Unternehmen nennen „eine umfassende Neubewertung der Marktgegebenheiten“ als Grund für den Rückzieher. Im Interview mit top agrar spricht der RWZ-Vorstandsvorsitzende Christoph Kempkes über die Hintergründe.

Christoph Kempkes, Vorstandsvorsitzender der RWZ, bedauert die Entscheidung des Bundeskartellamts. Foto: RWZ

Warum ist die Zusammenarbeit mit Landgard für die RWZ überhaupt so wichtig?

Eine möglichst ganzheitliche Versorgung unserer Kunden im Profi-Gartenbau mit Produkten und Konzepten gehört zu den Kernkompetenzen der RWZ. Hier sind wir im Wettbewerb leistungsstark. Insofern ist die Weiterentwicklung dieses Bereiches ein wichtiger Baustein im Rahmen unserer Neuausrichtung als Gesamtunternehmen – Motto: Stärken stärken und da investieren, wo es auch etwas bringt. Denn, mit den Restrukturierungsmaßnahmen in der RWZ sind wir ja im Wesentlichen fertig – jetzt muss auch was nach vorne gehen.

Worin liegt der strategische Vorteil für beide Unternehmen?

Insgesamt reden wir hier über eine verhältnismäßig kleine Unternehmung, die im zusammengelegten Zustand rund 45 Millionen Euro umgesetzt hätte. Um steigenden Anforderungen in sich konsolidierenden Märkten gerecht zu werden, müssen wir modernisieren und investieren. Dazu brauchen wir eine „kritische Masse“ in Bezug auf die Unternehmensgröße, sonst rechnet und amortisiert sich das kaum. Wenn das Ziel die Sicherung der Zukunftsfähigkeit eines starken Anbieters im genossenschaftlichen Verbund ist, ist ein Joint Venture die adäquateste Strategie.

Wie bewerten Sie die angekündigte Entscheidung des Bundeskartellamts?

Ich bedaure die Entscheidung, wiewohl ich deren Methodik und Urteil selbstverständlich respektiere. Trotzdem hat mich die Entscheidung negativ überrascht – ich habe ehrlich gesagt mit problemloser Zustimmung gerechnet, auch in Anbetracht der geringen Größe des Vorhabens im Vergleich mit zahlreichen anderen im Markt diskutierten Übernahmen, die offensichtlich genehmigungsfähig sind.

Das Kartellamt sieht insbesondere auf dem regionalen Markt für Töpfe und Verpackungen einen Marktanteil von 45 bis 50 Prozent und auf dem regionalen Sortimentsmarkt für Gartenbau-Bedarf von über 50 Prozent eingenommen – mit weitem Abstand vor dem nächstfolgenden Wettbewerber. Sehen Sie diese dominierende Wettbewerbsposition auch?

Ich sehe und „fühle“ die uns zugeschriebene dominierende Position nicht. Im Kern haben das Bundeskartellamt und wir eine völlig unterschiedliche Einschätzung über die Größe des relevanten Marktes. Wir haben diese von AMI, einem unabhängigen Markforschungsinstitut, erheben lassen; das Bundeskartellamt hat eine eigene Erhebung gemacht. Letztlich kam AMI auf ein deutlich höheres Marktvolumen, welches unsere gemeinsamen Marktanteile in einem völlig anderen Licht hätten erscheinen lassen, nämlich wesentlich geringer als die vom Amt ermittelten Zahlen.

Faktisch spüren wir einen sehr harten Wettbewerb – und wenn wir nicht preiswürdig liefern, potenziell auch aus dem Ausland und durch das Internet als „Prüfinstanz“ für marktgerechte Preise. Das ist auch an unseren kleinen Margen ablesbar. Blumentöpfe ist ein Pfenniggeschäft.

Warum ist es Ihnen nicht gelungen, die Bedenken der Ordnungshüter auszuräumen?

Wir haben alles versucht – mit hohem Aufwand und Kosten. Letztlich habe ich gelernt, dass es bei Fusionskontrollthemen nur „schwarz“ oder „weiß“, sprich kein Ermessen gibt. Aus Sicht des Bundeskartellamts ist der relevante Markt klein, wir im Joint Venture aber verhältnismäßig groß, weshalb das Vorhaben aus Sicht des Amtes nicht genehmigungsfähig ist, Punkt. Unser Ansinnen, einen leistungsstarken und zukunftsfesten nationalen Anbieter zur bestmöglichen Versorgung unserer landwirtschaftlichen Klientel zur formieren, musste da hinten anstehen.

Was verbirgt sich hinter Ihrer Ankündigung „Man habe die Marktgegebenheiten neu evaluiert“?

Ergebnis dieser Evaluation war, den Antrag zum Joint Venture auf Basis der vorher eingelangten „Abmahnung“ des Bundeskartellamts zurückzuziehen und uns somit einen endgültig abschlägigen Bescheid zu ersparen; das bringt gewisse Vorteile mit sich.

Wie geht es jetzt weiter? In welcher Form können die RWZ und Landgard ihre Zusammenarbeit unterhalb eines Gemeinschaftsunternehmens intensivieren?

Es gibt hier aus meiner Sicht keine kartellrechtlich zulässigen anderen Spielarten einer Zusammenarbeit mit Landgard. Auch eine denkbare Übernahme anderer Unternehmen wäre wohl kaum genehmigungsfähig. Im Fazit sind wir, was Akquisitionen im Bereich Gartenbau-Bedarf betrifft, praktisch „zur Stagnation verdammt“ und müssen jetzt im Modus der Eigenständigkeit das Beste daraus machen.

Wir werden aber unsere geplanten Modernisierungsinvestitionen in unsere eigenen Standorte nicht auf Eis legen und machen jetzt in Straelen-Holt einen Anfang, sodass wir notwendiges Wachstum durch Top-Leistung eben organisch erwirtschaften werden. Wir werden unser Beratungs- und Serviceangebot schärfen und ausbauen. Auch deshalb haben wir bereits vor knapp einem Jahr die gesamte Kompetenz der RWZ sowie sämtliche Gartenbau-Standorte am Niederrhein in unserem neu formierten Unternehmen Raiffeisen Gartenbau gebündelt.

Was haben eigentlich Ihre Mitglieder beziehungsweise die Landwirte von dieser Kooperation?

Unsere Mitglieder haben sich überwiegend auf das Zusammengehen zweier Partner aus dem genossenschaftlichen Verbund gefreut und zugestimmt. Denn alle wissen: Es bedarf einer gewissen Größe, um optimale Leistungsfähigkeit auf Dauer darstellen zu können – und das ist im ureigenen Interesse unserer Mitglieder und Kunden, die ja jeweils optimal bei uns kaufen und auch an uns verkaufen möchten.

Nun herrscht allenthalben Verwunderung: Denn jeder liest ja in der Zeitung, welcher Riese da momentan wen schluckt – aber „die Blumentöpfe zusammenlegen“ soll nicht gehen? Das stößt auf Unverständnis.