TASPO GartenMarkt

IPM-Besonderheiten: Von der Kirschaprikose bis zum Gemüsebaum

Wildobst, das sich auch naschen lässt, und nach wie vor kleinbleibende Obstgehölze sind für den Privatgarten angesagt. Dieser wird naturnäher – robust sollen die Sorten deshalb schon sein. Aber auch Ausgefallenes wie Kreuzungen zwischen Kirsche und Aprikose oder Pistazien für nördliche Gefilde waren auf der diesjährigen Internationalen Pflanzenmesse (IPM) in Essen im Bereich Obst zu entdecken. 

„Kinder im Garten“ heißt ein neues Konzept von BKN-Strobel (Holm). Für den „Garten mit Familiensinn“ enthält das Konzept „neun Pflanzen für den Kinder-Gartenspaß“ – bis auf Flieder alles Obst- oder Wildobstarten: Holunder, Hagebutte, Haselnuss, Felsenbirne, Himbeere, Rote Johannisbeere, Brombeere und Blutpflaume. BKN geht es darum, Kinder ernst zu nehmen, Natur im kleinen Garten auch für Kinder erlebbar zu machen und Eltern oder Großeltern mit einzubeziehen. Zum Konzept gehören neben den entsprechenden Pflanzen im Container Topper für CC-Wagen auch an den Seiten, ein Informationsheftchen, in dem Eigenschaften und Spielwert, aber auch Rezepte oder Bauanleitungen beschrieben sind.

„1a-plant“ stellte die Baumschule Krämer (Detmold) als eigenes Label für qualitativ hochwertige Sorten als hochwertig kultivierte Pflanzen vor. Es umfasst derzeit die drei eigenen Säulenäpfel ‘Peke’, ‘Jarle’, ‘Finn’ und die Kirschpflaume Prunus cerasifera ‘Milanka’. „1a-plant“ gibt es als einjährige Ware im C5- und als zweijährige Ware im C10-Container, jeweils mit großem Etikett und QR-Code. Die drei Säulenäpfel haben alle ‘Arbat’ als einen Elternteil, seien sehr robust und geschmacklich besser als ‘Arbat’, ‘Jarle’ sei sogar mit sehr gut zu bewerten. ‘Finn’ habe für einen Säulenapfel ungewöhnlich große Früchte. Die Kirschpflaume ‘Milanka’ bleibt als Baum relativ klein, hat sehr stark duftende Blüten, blühe überreich und sei sehr robust. Die Früchte sind gelb-rot, später rot, haben gelbes Fruchtfleisch und schmeckten besonders gut.

Als eine Spezialität, für die es auch für Deutschland ausreichend frostharte Sorten gibt, bezeichnete Krämer Feigen. In strengen Wintern frieren die Pflanzen zwar bis zur Erde herunter, doch treiben sie dann wieder zuverlässig aus, hieß es am Stand. Außerdem ließen sie sich zweimal beernten: einmal im Frühsommer und einmal im Herbst. Als Sorten nannte Krämer beispielsweise ‘Noire de Bellon’ oder ‘Goutte d’Or’.

Jäger’s Baumschule (Ladenburg) stellte verschiedene Neuheiten beim Steinobst vor. Darunter die „erste Säulennektarine“ ‘AliceCol’. Sie entwickelt Ende Juli/Anfang August gelbfleischige, steinlösende Früchte in üblicher Nektarinengröße, sei kräuselkrankheitstolerant und wird bei einer Wuchshöhe bis drei Meter nur etwa 70 Zentimeter breit. Ein Schnitt sei nicht erforderlich.
Ebenfalls neu ist bei Jäger’s ‘Aprisali’, eine Kreuzung zwischen Pflaume und Aprikose. Die kurzstieligen Früchte tendierten geschmacklich eher zur Pflaume und seien weniger fest als diese. Sie lösten gut vom nur kleinen Stein. Der Habitus sei pflaumenartig, die Blätter breit und dunkel.

Eine weitere Artkreuzung ist ‘Aprikyra’, eine Hybride aus Kirsche und Aprikose. Ihre Früchte sind etwas kleiner als bei der Aprikose, dabei saftig und weich eher wie bei der Kirsche. Geschmack: Aprikose mit Kirschanteil, so die Auskunft am Stand. Sowohl ‘Aprisali’ als auch ‘Aprikyra’ seien relativ schwachwachsende Sorten mit Wuchshöhen bis 2,5 Meter.
Weitere Neuheiten waren bei Jäger’s die gelbe Pflaume ‘Rheingold’ mit tennisballgroßen, steinlösenden und sehr gut schmeckenden Früchten und die nach ihrer Fruchtzeichnung benannte ‘Melonenbirne’ mit relativ süßen, festen Birnen, die bis Weihnachten lagerfähig sind.

Häberli Fruchtpflanzen (CH-Neukirch-Egnach) präsentierte wieder diverse Besonderheiten im Obstbereich. Darunter die laut Angabe am Stand erste stachellose rote Herbsthimbeere ‘Rubyfall’. Die Sorte stammt aus Italien und trägt von Mitte August bis zum ersten Frost große, feste und aromatische Früchte. ‘Raina’ ist eine neue, robuste rote Stachelbeere, die bislang noch keine Blattflecken entwickelte. Ebenfalls neu ist die Maibeere ‘Maitop’, die als Ersatz von ‘Maistar’ gelten könne und sehr aromatische, große Früchte entwickelt und kräftig wächst.

Daneben lenkte Häberli auch den Blick auf Echte Pistazien (Pistacia vera) der neuen Sorte ‘Napoletana’, die bis zu minus zehn bis minus 15 Grad Celsius winterhart sein soll und somit in günstigen Kleinklimaten in Deutschland gepflanzt werden könnte. Ein Winterschutz werde in jungen Jahren benötigt. Zu den veredelten Sorten benötige man für eine Ernte auch männliche Pflanzen (Sorte ‘Vesuv’), um Pistazien etwa drei bis vier Jahre nach der Pflanzung zu ernten.

Mit Lonicera kamtschatica ‘Balalaika‘ stellte Kordes Jungpflanzen (Bilsen) ebenfalls eine neue Maibeersorte vor. Diese reichfruchtende Ertragsselektion entwickele süße, sehr schmackhafte, rund drei Zentimeter lange und 1,5 Zentimeter breite Früchte etwa 14 Tage vor den Erdbeeren. Eine weitere Neuheit im Obstbereich ist bei Kordes ‘Black Tower’ – der laut Anbieter erste Sambucus nigra in Fastigiata-Form. Die rotlaubige Sorte, die in England auf der National Plant Exhibition 2010 als bester Zierstrauch gekürt wurde, sei sehr robust sowie gesund und gut geeignet für Pflanzgefäße, kleine Gärten, als „Säulenobst“ und exklusive Hecke. Die glänzend schwarz-roten Blätter harmonieren mit den pink-weißen, nach Zitronen duftenden Blütendolden.

Eine frühe Goji-Beere namens ‘Natascha’, die nur noch ganz wenig Bitterstoffe in sich hat und somit süßer und geschmacklich deutlich besser abschneidet als andere Sorten, stellte die Baumschule Plattner (Aldersbach) unter anderem vor. Sie bringe einen enormen Ertrag in der Zeit von August bis September hervor und sei zudem unempfindlicher gegen Pilzkrankheiten. Erst im Oktober reift dagegen die späte Goji-Sorte ‘Synthia’, der die Bitterstoffe laut Plattner fast ganz weggezüchtet wurden. Ihre sehr süßen Früchte mit fast kirschähnlichem Geschmack werden nach den Angaben am Stand dreimal so groß wie die üblicher Sorten. Die Blätter sind groß und gesund und erwiesen sich nach bisherigen Erfahrungen als komplett frei von Pilzkrankheiten.

Bei Stachelbeeren wies Plattner auf die mehltaufeste, spätreifende Stachelbeere ‘Relina’ hin, die sich durch hervorragenden Geschmack auszeichne. In Sortenvergleichen werde sie „am besten abgenascht“. Die starkwachsende Sorte entwickelt bis ein Meter lange Jahrestriebe nach dem Rückschnitt und lässt sich als Stamm oder Spalier heranziehen. Sie hat rote, unbehaarte Beeren. (hlw)

Den kompletten Artikel, in dem u.a. neue Beerenobstsorten für den Naschgarten, Premiumsorten Erdbeeren und der „Gemüsebaum“ vorgestellt werden, lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 11/2012.