TASPO GartenMarkt

Klimaneutrales Gartencenter: „Es braucht sehr viel Planung“

, erstellt von

Im Handel zählt Nachhaltigkeit mittlerweile zu den wichtigsten Themen. Im Fokus stehen eine Ökobilanz der Produkte, weniger Verpackung, erneuerbare Energien. Neben den gesetzlichen Auflagen drängt auch der Verbraucher zum Handeln. Was da in Gartencentern bei Gebäudehülle, Heizung und natürlichen Energiequellen noch geht, haben wir bei Karl Bärlin, Geschäftsführer Rabensteiner, nachgefragt.

Herr Bärlin, das Image einer Einkaufsstätte steigt, wenn es klimafreundlich aufgestellt ist. Wo stehen Gartencenter an dieser Stelle?

Tatsächlich denken Gartencenter-Betreiber wegen der vergleichsweise geringen Energiekosten noch nicht intensiv über Alternativen nach, es sei denn, sie wollen dies zum Firmenimage machen. Es wird hier sicherlich Vorreiter geben, die dann auch im Kundenvisier sein werden. Sehr schnell wird dann die Branche jedoch nachziehen müssen.

Erste Schritte sind Photovoltaik-Anlagen auf den fest eingedeckten Dächern, denn darunter wird dann ja auch tagsüber beleuchtet (zum Beispiel Boutique-Bereiche). Es versteht sich von selber, dass Abteile, die beheizt werden, heute auch besser gedämmt sein sollten, und zum Beispiel im Warmabteil dann eben auch Festeindeckung auf zwei Dritteln der Fläche möglich ist (dort wo kein Licht für Pflanzen gebraucht wird).

Welche Maßnahmen sehen Sie für bestehende Standorte, beispielsweise BHKW, Regenwasser-Management, Wärmepumpen mit Solarstrom kombiniert?

Die angesprochenen Punkte sind sicherlich wichtig und möglich, jedoch sind alte Standorte oft dermaßen Energie-ineffizient, dass nur ein Neubau nachhaltige Verbesserung bringt. Oftmals kann zum Beispiel durch eine neue Steuer- und Regeltechnik auch schon 20 Prozent der Energie eingespart werden. Solche Maßnahmen sind aber immer im Gesamtkontext der Lebenszeit des Gebäudes zu sehen.

Welches Umwelt-Potenzial haben (neue) nachhaltige Baustoffe bei einem Gartencenter-Bau?

Man wird bei der Tragkonstruktion eventuell auch wieder mehr über Holz nachdenken. Ansonsten ist der größte Teil der beim Bau verwendeten Baustoffe auch recyclingfähig.

Wo sehen Sie die Zukunft für ein klimaneutrales Gartencenter-Gebäude aus technischer Sicht?

Ich denke, dass es machbar ist. Es braucht nur sehr viel Planung, teilweise neue Technologien, und sicherlich eine höhere Investition. Ich gehe konservativ von zusätzlichen 30 bis 50 Prozent aus.

Gibt es schon Best Practice Beispiele?

Ja, zum Beispiel beim britischen Barton Grange Gartencenter. Das Gartencenter nutzt schon seit vielen Jahren geothermische Energie sowie Solarenergie und verfügt über ein vorbildliches Regenwasser-Management mit zwei unterirdischen Tanks, die zum einen der Pflanzenbewässerung im Gartencenter und zum anderen der Toilettenspülung dienen, und das überschüssige Wasser in den nahegelegenen Fluss leiten.

Weitere Maßnahmen sind Wärmerückgewinnung und Wasserkraftnutzung. Im Gebäude gibt es eine Fußbodenheizung, die mit Erdwärmepumpe und Gasbrennwertkessel betrieben wird. Die gesamte Hüllfläche des Gartencenters ist gedämmt und für eine natürliche Lüftung ist gesorgt. Ferner setzt Barton Grange eine natürliche und energieeffiziente Beleuchtung ein.

Das komplette Interview mit Karl Bärlin und wie ein ideales Gebäude für ein Gartencenter in Zukunft aussehen kann, lesen Sie in der Februar-Ausgabe von TASPO GartenMarkt, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.

Cookie-Popup anzeigen