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Megatrend City Gardening: Was braucht und will der Markt?

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Zentral wohnen und trotzdem Grün um sich haben – das ist kein Widerspruch, sondern ein Megatrend, der sich in den Schlagworten City Gardening oder Urban Gardening verdichtet. Wie kann die Grüne Branche von dieser gesellschaftlichen Entwicklung profitieren? Und was passiert mit dem Hausgarten, wenn fast 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten und Ballungsgebieten lebt? Diesen Fragen stellten sich die Teilnehmer des diesjährigen CEO-Talks auf der spoga+gafa.

TASPO Chefredakteurin Iris Jachertz hatte dazu am IVG Powerplace City Gardening vier branchenbekannte CEOs zur Talkrunde nach Köln eingeladen – Anna Hackstein, Geschäftsführerin Industrieverband Garten (IVG), Tobias M. Koerner, Vice President Global Sales bei Gardena, Ulrich Frank, Geschäftsführer von Scheurich sowie Markus Kress, Geschäftsführer Gloria Haus und Garten.

„Grow any space“ – den Hashtag hat Gardena ins Leben gerufen. Ist der Name Programm, Herr Koerner?

Tobias M. Koerner: Ja. Wir sind angetreten, die Gartenträume der Endverbraucher zu erfüllen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass City Gardening anders funktioniert als der Hausgarten. Denn der Raum ist limitiert. Das hat unter anderem Einfluss auf die Gartengeräte, sowohl im Hinblick auf ihre Größe als auch auf ihre Aufbewahrung. Der beschränkte Platz hat auch Einfluss auf vertikales statt horizontales Arbeiten. Es geht tendenziell in die Höhe – mit Pflanzen und anderen Produkten. Ganz wichtig für Gardena – viele Balkone und Terrassen besitzen keine Steckdose und keinen Wasseranschluss. Dafür haben wir spezifische Lösungen entwickelt.

Frau Hackstein, sind Pflanzen denn immer gewünscht? Der Schottergarten ist gerade eine Gegenbewegung.

Anna Hackstein: Ja in der Tat. Aus Sicht unseres Verbands steht unser Konsument aktuell sozusagen zwischen Schottergarten und Bienenweide. Auf der einen Seite begrünen immer mehr Menschen ihre Balkone und wollen Bienen unterstützen und der Umwelt etwas Gutes tun, auf der anderen Seite dominieren in 15 Prozent der deutschen Vorgärten Schotter und Kies. Dagegen müssen wir als Branche gemeinsam ankämpfen. Einerseits, indem die Industrie Möglichkeiten schafft, Gartenarbeit leichter und smarter zu machen. Auf der anderen Seite müssen wir aber auch kommunizieren, wie positiv ein begrünter Vorgarten die Umwelt beeinflusst. Dafür müssen wir Bewusstsein schaffen, um dem Trend zum Schottergarten, der leider immer noch da ist, entgegenzuwirken.

Markus Kress: Die Schottergärten sind oft ein Ausdruck der Verzweiflung. Menschen investieren ein Heidengeld in ein neues Haus oder mieten zu horrenden Preisen, am Vorgarten stoppt es dann, weil sie nicht wissen, wie sie dieses schöne Stückchen Erde behandeln sollen. Das können sogar gleichzeitig „Öko-Grüne“ sein. Sie kaufen Bio und geben viel Geld für gesunde Ernährung aus, sind aber nicht in der Lage, einen Tomatenstock zu pflanzen. Diesen Kunden muss unsere Branche einfache Lösungen bieten.

City Gardening ist ein Megatrend, der auch von anderen Megatrends beeinflusst und überlagert wird. Nehmen wir zum Beispiel die Bewegung Fridays for Future. Wie natur- und pflanzenaffin ist die jüngere Generation tatsächlich?

Tobias M. Koerner: Nachhaltigkeit wird heute ganz anders diskutiert als noch vor zwei Jahren, daran hat die Jugendbewegung einen großen Anteil. Natürlich hat das auch Einfluss auf City Gardening, weil die jungen Menschen in Ballungsgebieten ihre Balkone begrünen und Gemüse oder Kräuter anbauen wollen. Die Bewegung passt ganz genau zu dem, was unser Unternehmen erreichen will, deshalb bin ich sehr glücklich über die Bewegung.

Anna Hackstein: Dieses neue Bewusstsein hat auch dazu geführt, dass junge Menschen viel offener für grüne Themen sind und auch früher mit ihnen in Kontakt kommen. Wenn man seinen eigenen Balkon bepflanzt, hat man das Gefühl, dass man einen eigenen kleinen Beitrag zu einer guten, lebendigen Umwelt leisten kann. Und das kann unserer Branche nur in die Karten spielen.

Ulrich Frank: Das kann ich nur unterstreichen! Man kann jetzt werten, skeptisch sein, sagen, das ist nur ein kurzfristiger Trend. Aber alles zahlt ein auf einen Grundtrend in der Bevölkerung, sich mehr um Natur zu kümmern. Wir müssen auf der einen Seite lauter werden, auf der anderen Seite unsere grünen Themen „verdaubarer“ für die jüngeren Menschen machen. Wir bei Scheurich hängen das übrigens nicht am Alter auf. Wir denken in Lebenswelten. Das gilt für Balkon oder Terrasse und Wohnung. Für Scheurich bedeutet das: Kleine Geschichten erzählen über das Produkt und damit im Kopf der Verbraucher landen.

Den kompletten CEO-Talk „City Gardening, Urban Gardening … was braucht und will der Markt?“ lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von TASPO GartenMarkt, die Sie in unserem Online-Shop abrufen können.