TASPO GartenMarkt

Megatrends aus Sicht des Zukunftsforschers Matthias Horx

Zugegeben, Trends sind inflationär. Aber wenn der Zukunftsforscher Matthias Horx den Begriff der Weisheit ins Spiel bringt, das lässt doch aufhorchen! Weisheit im Alter, erklärte er auf dem IVG-Medientag, sei das erstrebenswerte Ziel in diesem Jahrhundert.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie neigt dazu, sich zu reimen. Mit diesen Worten von Mark Twain leitete Matthias Horx vom Zukunftsinstitut Kelkheim und Wien seinen Vortrag auf dem sechsten IVG-Medientag Garten am 20. März 2007 in Köln ein. Das erklärt vielleicht den Trend zur Weisheit. Zeichen für Megatrends sieht Horx darin, dass sie eine Halbwertszeit von mindestens 30 Jahren haben, Signale in allen Lebensbereichen bilden und einen globalen Charakter haben. Derzeit treten drei Megatrends in Erscheinung:

1. Megatrend Asia: Asiatische Kochkunst, Weltanschauungen, Einrichtungsstile, dringen bis zur breiten Mittelschicht durch.

2. Megatrend Frauen: Frauen haben durch die Umverteilung der Bildung (in Norwegen sind bereits zwei von drei hochgebildeten Menschen Frauen) ihren eigenen Lebensentwurf und können auch selber für sich sorgen. Die Tendenz ist eindeutig und ist auch global: Der Einfluss der Frauen nimmt zu, betonte Horx. 2050 werde es eine Parität der Einkommen geben. Bei seiner Frage in die Runde, ob das Gärtnern eher männlich oder weiblich ist, fiel die Abstimmung klar aus: eher weiblich. Worauf Horx mit Blick auf die von der Industrie gezeigten Geräte fragte: Passen sie dazu? Er sieht noch Bedarf, dass an diesem Thema weitergearbeitet wird.

3. Megatrend Downaging (Verjüngung): Die Lebenserwartung wird auf über 90 Jahre steigen. Das bedeute aber nicht, dass dies mit ausgeprägten Handicaps einhergehen müsse. Die biologische Uhr lasse sich bis zu einem gewissen Grad zurückdrehen. 40-Jährige sehen heute anders aus als noch vor 50 Jahren. Downaging ist die Frage, wie wir beim Älterwerden immer jünger bleiben. Horx nannte einige Einflussfaktoren, die dies ermöglichen oder eher behindern. "Das Gärtnern wäre fünf bis sechs Jahre wert", die es zur Verjüngung beitragen könne, schätzt Horx. Er regte an, der IVG solle eine Studie dazu erstellen, die den Wert des Gärtners zum Downaging belegen könne.

Alles wird zum "Healthstyle": Ist das gesund? Hält es mich länger am Leben? Diese Fragen bewegten die Menschen heute. Auch hier sieht Horx noch Nachholbedarf: Die Gartenbranche habe sehr viel mit Gesundheit zu tun, nütze es in weiten Strecken aber noch nicht aus. Wie sehen die neuen Märkte aus? Die Mitte verschwindet (weder besonders gut, weder besonders billig). Der Preis ist das entscheidende Argument, entweder hochpreisig in Nischen und für spezielle Bedarfsgruppen oder im Niedrigpreis. Hohe Dienstleistung, Erlebniskultur, Convenience (schnell und einfach, auch Gourmet-Fastfood) seien Kennzeichen. Auch der Discount verändere sich. Er bildet sich zur neuen Mitte aus. Beim Übergang von der Industrie zur Wissensgesellschaft spielt der Garten eine herausragende Rolle. Er bietet Kompensationsmöglichkeiten und ist der neue Ort der Freiheit. Bei den Megatrends Individualisierung, Feminisierung, Gesundheit und dem Slowtrend sei ein Bezug zum Garten angebracht, weil er dazu Lösungen biete, wie kein anderer. Vorschlag von Horx: Das Gourmet-Gardening mehr herausstellen. Die Produkte aus dem eigenen Garten aufwerten. Denn "wir sind in einer gewaltigen Kochwelle". Weitere Potenziale sieht Horx in den Themen: Kidsgarten, Fun Seeds. Ist das Gärtnern eine Kinderangelegenheit?, fragte Horx: "Bis heute nicht." Entscheidend werde auch sein, das Thema Garten mit Dienstleistung zu verbinden. Die Gärten kommen in die Wohnzimmer hinein - auch dieser Trend erfordere neue Antworten. Horx nannte ferner das Urban-Gardening, eine das neue Stadtkultur hervorrufen werde. Greenwork, die Arbeit im Grünen, auch hierin sieht Horx Potenzial (Beispiel: Zentrale von Infenion in München). Grüne Arbeitsplätze als Gestaltungsaufgabe, das stehe erst ganz am Anfang. In der Diskussion tauchte noch die Frage auf, ob man nicht die Beziehung zur Pflanze deutlicher machen müsse. Die Antwort von Horx unterstützte das: "Wenn Sie sich manche Gartencenter ansehen, gewinnt man den Eindruck, das Gärtnern auch etwas Industrielles hat. Da ist man vielleicht ein bisschen noch unter den Möglichkeiten!" Der Trend zu kleinen Gärten widerstrebe den oben getroffenen Aussagen nicht. Im Gegenteil, das Home-Gardening eröffne "unglaublich kreative" Möglichkeiten mit kleinen Flächen umzugehen. "Die mobilen Welten, in denen wir leben, erfordern auch andere Welten des Gartens - in Kästen, Balkonen, wo auch immer!", so Horx. Das gelte auch in Parks, wo künftig auch andere Formen der Bürgerbeteiligung stattfinden würden. Sein Fazit: In den nächsten Jahren könne die Gartenbranche weitere Zuwächse feiern - wenn sie sich mit den Trends auseinandersetzt, die sie umgeben.