TASPO GartenMarkt

„Nachhaltigkeit und die Beziehung zur Natur fördern“

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Auf der diesjährigen spoga+gafa wurde erstmals der Gardena Garden Award verliehen für innovative Ideen in der Grünen Branche. Am Ende durfte sich FYTA für den Pflanzensensor FYTA Beam über den Preis freuen. TASPO Online sprach mit Claudia Nassif und Sylvie Basler vom Berliner Start-Up. 

Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Gardena Garden Awards bei der spoga+gafa. Wie stolz seid Ihr darauf und wie groß war Eure Freude?

Riesengroß! Wir haben ein hartes Jahr Entwicklungsarbeit mit einem 20-köpfigen Team aus Ingenieuren, Programmieren, Designern und Content Producern hinter uns, und sind wahnsinnig stolz so viel positives Feedback aus der Branche zu bekommen! Das motiviert uns alle.

Erzählt doch mal, wie die Idee zu einem Pflanzensensor entstanden ist?

Wir sind beide leidenschaftliche Indoor Gärtnerinnen, die regelmäßig an der Pflanzenpflege gescheitert sind! Übergossene Peperomias, ausgetrocknete Calatheen, überdüngte Fici und Monsteras mit braunen Blättern gehörten zu unserem traurigen Alltag. Aus unserem persönlichen Umfeld konnte uns niemand helfen, und in Büchern und – vor allem – im Internet sind wir sehr oft auf widersprüchliche Informationen gestoßen. Dann haben wir nach Messgeräten Ausschau gehalten. Und hier war das Angebot besonders ernüchternd. Unzuverlässig, kompliziert oder einfach visuell nicht sehr ansprechend. Digitale Produkte gab es nur sehr wenige, sie waren meistens sehr teuer und nicht sehr userfreundlich.

Und so ist der FYTA Beam entstanden. Wir wollten die bestehenden, digitalen Pflanzensensoren in ihrer Funktion und Userexperience verbessern, die Ästhetik und den Preis optimieren und zusätzlich unsere FYTA Philosophie einbringen: Nachhaltigkeit, und die Beziehung zur Natur fördern.

Wie kann man sich die Funktionsweise des Sensors vorstellen?

Der Sensor wird in den Topf gesteckt, misst dort den Feuchtigkeits- und Düngebedarf der Erde, sowie Licht und Temperatur. Die Messwerte werden an die App gesendet, die dort mit den Richtwerten für die jeweilige Spezie der Pflanze abgeglichen werden. Falls diese unter- oder überschritten werden, erhält der Nutzer Benachrichtigungen mit unkomplizierten Anweisungen zur Pflanzenpflege: Friert die Pflanze, oder bekommt sie nicht genug Licht, heißt es: Bitte suche mir einen wärmeren, helleren Standort. Fehlt es der Pflanze an Wasser oder Dünger, bekommt der Pfleger auch hier Anweisungen: Gieße und dünge mich.
Das Besondere ist, dass die App noch mehr kann: Sie bietet Tutorials zur Pflanzenpflege, DIY Ideen, Beiträge zum botanischen Leben, und in Zukunft: einen Shop für relevante Produkte und die Möglichkeit des Austausches über eine Community.

Die FYTA App macht aus der Pflanzenpflege mehr als eine repetitive Tätigkeit: sie inspiriert eine tiefere Auseinandersetzung und Beschäftigung mit unseren grünen Mitbewohnern auf unterhaltsame Weise und bringt Menschen zusammen.

Gehören vertrocknete Pflanzen damit der Vergangenheit an?

Sie werden definitiv unwahrscheinlicher, ja! Aber nicht nur weil der Sensor die Bedürfnisse erkennt, sondern weil die FYTA App über die regelmäßige Auseinandersetzung, die Beschäftigung mit der Pflanze einen Lernprozess einleitet. Wir möchten, dass Menschen über die Zeit eine Beziehung zu ihren Pflanzen aufbauen, und ihre Bedürfnisse auch ohne Hilfe des Sensors erkennen können. Daher soll die aktive Beschäftigung mit der Pflanze, wie zum Beispiel, das Gießen der Pflanze immer noch zur Alltagsroutine gehören.

Was wollt ihr mit eurer Idee in der Grünen Branche bewegen?

Wir gärtnern nicht nur gerne, sondern sind auch sehr tech- und designaffin. Für Menschen wie uns – also grundsätzlich jüngere oder trendbewusste Städter – gibt es kein adäquates Angebot: Zuverlässiges Gärtnerwissen muss auf verschiedenen Internetseiten mühsam zusammen gesucht werden, Produkte sind ebenfalls in vielen unterschiedlichen Webshops verteilt, das Design ist nicht zeitgemäß oder schlicht nicht funktional. Grundsätzlich gibt es aber auch viel zu wenig Produkte, die das Gärtnern zuhause ermöglichen.

Mit unserem ersten Produkt dem FYTA Beam möchten wir demonstrieren, dass es auch anders geht, dass man hohe Funktionalität, gutes Design und einen nachhaltigen Ansatz mit einer wirklich zeitgemäßen Ansprache kombinieren und günstig anbieten kann. Der FYTA Beam ist ein kompaktes Tool, dass nicht nur eines, sondern gleichzeitig mehrere Bedürfnisse des Indoorgärtnerns abdeckt.

Ist die Grüne Branche bereit für die Digitalisierung?

Im Innenraumbereich gab es bereits erste digitale Ansätze für die Pflanzenpflege, die sich aber am Markt nicht durchsetzen konnten. Dies lag teilweise an funktionalen Limitierungen, und teilweise am Preis oder am Design. Wir glauben jedoch, dass es vor Allem zu früh war. „Smart home“ war nur in wenigen Haushalten ein Thema und viele sahen einen Gegensatz zwischen Digitalisierung und der Tätigkeit des Gärtnerns. Inzwischen setzten sich im Außenbereich digitale und technisch-komplexe Produkte durch. Insbesondere junge Gärtner bedienen sich digitaler Tools: Apps, die bei der Pflanzenerkennung oder beim Gärtnern helfen, oder Angebote wie Blogs, Facebookgruppen und Instagram Hashtags werden zum Austausch und zum Communitybuilding genutzt. Diese stehen für Millennials nicht im Gegensatz zur Natur, sondern im Gegenteil. Sie helfen Ihnen, dieser näher zu kommen.

FYTA möchte diesen Trend nutzen und in den Produkten und der customer experience einfließen lassen.

Was sind die kommenden Projekte, an denen Ihr arbeitet?

Über eine Kickstarterkampagne - und aktuell auf Indiegogo Indemand – haben wir eine Gruppe von knapp 700 early Adoptern aufgebaut. Wir stehen kurz vor der Produktion und freuen uns im Januar auf erstes Feedback dieser User. Dann wird optimiert, so dass wir den FYTA Beam ab dem Frühjahr 2020 in den Markt einführen können.

Parallel dazu bauen wir unsere digitale Plattform aus. Wir möchten Novizen, aber auch fortgeschrittene Indoor-Gärtner bei Ihrem Hobby unterstützen und für alle Facetten Beratung, Inspiration und Produkte anbieten.