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Neonicotinoide: viele Pflanzenschutzmitteln ruhen ab 1.Oktober

Zum Schutz von Bienen hat die EU-Kommission mit einer Durchführungsverordnung die Verwendungszwecke der drei neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln eingeschränkt. Spätestens bis zum 30. September 2013 müssen die Mitgliedstaaten die entsprechenden Zulassungen ändern oder außer Kraft setzen. 

Einschränkung für neonicotinoide Wirkstoffe soll Bienen schützen. Foto: Johannes Ritter

Zur Umsetzung dieser Vorschriften hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für bestimmte Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen das Ruhen der Zulassung ab dem 1. Oktober 2013 angeordnet, und zwar für Mittel, die zur Saatgutbehandlung von Raps vorgesehen sind, sowie für Mittel des Haus- und Kleingartenbereiches.

Für vier Mittel, die für die gewerbliche Spritzanwendung in verschiedenen Kulturen zugelassen sind, werden zusätzliche Anwendungsbestimmungen festgesetzt. Unverändert bleiben die Zulassungen für Mittel zur Saatgutbehandlung von Futterrüben, Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüsesaaten.

Für die folgenden Pflanzenschutzmittel ist mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2013 für unbestimmte Zeit das Ruhen angeordnet (Wirkstoffe in Klammern):

  • Compo Axoris Insekten-frei Spritz- und Gießmittel (Thiamethoxam)
  • Compo Axoris Insekten-frei Konzentrat (Thiamethoxam)
  • Compo Axoris Insekten-frei AF (Abamectin + Thiamethoxam)
  • Compo Axoris Zierpflanzen-Spray (Abamectin + Thiamethoxam)
  • Compo Axoris Insekten-frei für Orchideen (Abamectin + Thiamethoxam)
  • Bayer Garten 3 in 1 Schädlingsfrei (Imidacloprid)
  • Bayer Garten 3 in 1 Schädlingsfrei Lizetan (Imidacloprid)
  • Lizetan-Combistäbchen (Imidacloprid)
  • Bayer Garten Combistäbchen ( Imidacloprid)
  • Bayer Garten Combistäbchen Lizetan neu ( Imidacloprid)
  • Lizetan Plus Zierpflanzenspray (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Provado Gartenspray (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Spinnmilbenspray (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Zierpflanzenspray (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Gartenspray (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Rosen Schädlingsspray (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Zierpflanzenspray Lizetan (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Rosen-Schädlingsspray Provado ( Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Gartenspray Provado (Imidacloprid + Methiocarb)
  • Bayer Garten Combigranulat Lizetan (Imidacloprid)
  • Bayer Garten Combigranulat (Imidacloprid)
  • Cruiser OSR (Fludioxonil + Metala-xyl-M + Thiamethoxam)
  • Compo Axoris Insekten-frei Quick-Granulat (Thiamethoxam)
  • Compo Axoris Insekten-frei Quick-Sticks (Thiamethoxam)

Bei Cruiser OSR handelt es sich um ein Mittel zur Saatgutbehandlung von Raps. Alle anderen Mittel sind zur Anwendung an Zierpflanzen im Haus- und Kleingartenbereich bestimmt.

Ruhen bedeutet, dass diese Pflanzenschutzmittel ab dem 1. Oktober 2013 nicht mehr in Verkehr gebracht und nicht mehr angewendet werden dürfen. Abverkaufs- und Aufbrauchfristen sieht das Pflanzenschutzgesetz nach der Anordnung des Ruhens nicht vor. Das Ruhen gilt mit den selben Folgen auch für Parallelhandelsmittel.

Für einige Pflanzenschutzmittel werden zusätzliche Anwendungsbestimmungen festgesetzt. Diese Mittel sind als bienengefährlich eingestuft und dürfen auch bisher schon nicht auf blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen ausgebracht werden.

Durch zusätzliche Anwendungsbestimmungen sollen alle denkbaren Expositionspfade für Bienen ausgeschlossen werden. Das BVL wird entsprechende Anwendungsbestimmungen in Kürze festsetzen; sie gelten dann auch für Mittel, die sich schon beim Anwender befinden.

Die Zulassungen einiger Pflanzenschutzmittel mit neonicotinoiden Wirkstoffen, die unter die Beschränkung der EU fallen, sind kürzlich ausgelaufen. Bei Zeitablauf einer Zulassung sieht das deutsche Pflanzenschutzrecht automatisch eine Abverkaufsfrist von sechs Monaten und eine Aufbrauchfrist von 18 Monaten ab Zulassungsende vor.

Diese Fristen gehen teilweise über die von der EU vorgegebenen Termine hinaus. Deshalb wird das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Wege einer Verordnung die Abverkaufs- und Aufbrauchfristen auf den 30. November 2013 verkürzen, soweit sie nicht schon früher enden. 

Die Durchführungsverordnung der EU verbietet ab dem 1. Dezember 2013 auch die Verwendung und das Inverkehrbringen einer Reihe von Saatgutarten, die mit Clothianidin, Imidacloprid oder Thiamethoxam behandelt wurden, es sei denn, das Saatgut wird in Gewächshäusern verwendet. Die betreffenden Saaten sind in Anhang II der Verordnung aufgeführt. Das Verbot gilt unmittelbar in den Mitgliedstaaten; eine Entscheidung des BVL oder eine gesetzliche Umsetzung ist hierfür nicht nötig.

Hintergrund zur Durchführungsverordnung (EU) Nr. 485/2013: Die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sind in der EU als Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln genehmigt. Nach Bekanntwerden neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über subletale Auswirkungen auf Bienen beauftragte die EU-Kommission die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer aktuellen wissenschaftlichen Bewertung des Risikos für Bienen.

Auf der Grundlage des Berichtes der EFSA schränkte die EU-Kommission mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 485/2013 vom 24. Mai 2013 die zulässigen Verwendungen für diese drei Wirkstoffe ein. Gemäß dieser Verordnung dürfen Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen nur noch für gewerbliche Anwendungen zugelassen werden (siehe TASPO 19/13, 22/13, 23/13).

Weiterhin sind in bestimmten Kulturen Saatgut- und Bodenbehandlungen gar nicht mehr zulässig und Blattbehandlungen nur nach der Blüte. Die als besonders kritisch angesehene Saatgutbehandlung von Mais mit Neonicotinoiden ist in Deutschland bereits seit 2008 nicht mehr zulässig.

Die EU-Kommission kündigt an, sie werde innerhalb von zwei Jahren eine Überprüfung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse anstrengen, die ihr bis dahin zugegangen sind.

Weiterführende Informationen lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 29/2013. (ts)