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Neue Maut-Regelung: Transporte werden auch für den Gartenbau teurer

Am 1. August dieses Jahres trat die erweiterte Maut-Regelung für Lkw ab einem zulässigen Gesamtgewicht von zwölf Tonnen in Kraft. Die zum 1. Januar 2005 in Deutschland eingeführte Straßennutzungsgebühr galt seither nur auf Bundesautobahnen und einigen stark frequentierten Bundesstraßen. Nun dehnt sich die Gebührenpflicht auf weitere Teilabschnitte aus und verteuert den Transport auch für Gartenbauunternehmen mit eigenem Fuhrpark. 

Die Maut gilt ab einem zulässigen Gesamtgewicht von zwölf Tonnen. Foto: Toll Collect

1.135 Kilometer des insgesamt rund 40.000 Kilometer umfassenden Bundesstraßennetzes in Deutschland sind betroffen, wobei in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen vergleichsweise viele kostenpflichtige Strecken liegen.

Im Durchschnitt fallen 17 Cent pro gefahrenem Kilometer an. Wie Transport en Logistiek Nederland (TLN), einer der größten Logistikverbände des Nachbarlandes, aktuell einschätzt, kommen rund eine Million Euro Mehrkosten auf die niederländische Branche zu. Der Verband verweist weiterhin darauf, dass die Nutzung von Bundesstraßen vor allem der Belieferung deutscher Kunden diene.

Dass es auf dieser Basis zu Preissteigerungen, nicht nur für Ware aus Holland, kommen wird, bestätigten die zum Thema befragten deutschen Großhändler und Spediteure gegenüber der TASPO. Doch seien nicht nur Speditionen, sondern auch Gartenbauunternehmen mit eigenem Fuhrpark von den neuen Gebühren betroffen. Für sie könne das Inkrafttreten der neuen Maut-Regelung in der Mitte des Jahres unter Umständen ein gewisses Problem darstellen, da die Jahresverträge für 2013 mit den Kunden bereits im Vorfeld abgeschlossen wurden. Hier nachträglich Preisänderungen durchzusetzen, sei schwierig.

Nach Einschätzung von Björn Grein, Geschäftsführer der Grein GmbH – Topfpflanzengroßhandel in Hildesheim, bewegt sich der zusätzliche Kostenaufwand in Abhängigkeit von der gefahrenen Strecke und der Anzahl geladener CC-Container (zumeist 20 oder 40) beginnend bei 0,5 und einem Cent pro Container, könne jedoch auch höher ausfallen. Werte, die für die Einzelrechnung kaum ins Gewicht fallen, sich aber im Gesamtergebnis dennoch summierten. In der Kalkulation rechnet Grein die Mehrkosten voll in den Einstandspreis ein.

Einige Speditionen weisen die Maut in der Rechnung noch separat aus, um die Kostentransparenz zu wahren. Schlechter stelle sich die Situation für Spediteure dar, die mit festen Container-, Fracht- oder Freihauspreisen arbeiten, so Grein.

Angesichts steigender Kraftstoffpreise, die von vielen Speditionen derzeit mit einem Dieselaufschlag von neun Prozent auf die Kunden umgelegt werden, ist die Maut-Gebühr eine zusätzliche Belastung, meint Norbert Engler, Inhaber der EPS GmbH, Euregionales Pflanzen Servicecenter, in Kevelaer. Der sich durch die Maut erhöhende Frachtpreis sei im Markt nicht umzusetzen und lasse sich nur durch Effizienzsteigerungen im eigenen Betrieb auffangen.

Mit seinem Unternehmen liegt Engler 35 Kilometer von der nächsten Autobahn in Ost-West-Richtung entfernt und 15 Kilometer von der Nord-Süd-Verbindung. Da kommt aus seiner Sicht schon einiges zusammen. Der größte EPS-Kunde – die Firma Dehner – liege mit ihrem Stammsitz in Rain am Lech gar 72 Kilometer von der nächsten Autobahn entfernt. Bei derzeit täglich drei Anlieferungen schlage die Maut auf Teilstrecken auch hier zu Buche.

Deutlich wird die Zusatzbelastung für das Unternehmen im Gesamtüberblick. So hat EPS nach Information von Engler im vergangenen Jahr rund 67.000 CC-Container transportiert. Das entspricht in etwa 1.500 Lkw-Ladungen, die im Rahmen der Streckenführung nunmehr auf durchschnittlich 65 Kilometern zusätzlich Maut-belastet sind. Innerhalb eines Jahres kommt so eine Summe von 14.625 Euro zustande. Da EPS seine Marktaktivitäten weiter ausbaut, werden sich steigende Umschlagzahlen und wachsende Mautbelastung künftig proportional zueinander entwickeln.

Eine bessere politische Lösung der Maut-Frage besteht aus Sicht von Norbert Engler in der stärkeren Inanspruchnahme ausländischer Speditionen. „Deutschland ist ein Transitland und in den Niederlanden sind Kraftstoff und Kfz-Steuern günstiger als hierzulande. Diese Wettbewerbsverzerrung über die Maut wenigstens teilweise abzumildern, könnte wirkungsvoll dazu beitragen, die Basis deutscher Unternehmen zu stärken.“

Engler knüpft mit diesem Gedanken an die aktuelle, noch nicht erloschene Diskussion zur Maut-Einführung für Pkw an. Hier setzt sich insbesondere die CDU dafür ein, deutsche Autofahrer zu entlasten und die mögliche Einführung einer Vignette durch die Verrechnung mit der Kfz-Steuer zu kompensieren.

Letztlich hat aber die Bundesregierung mit der Straßennutzungsgebühr eine Geldquelle aufgetan, von der sie so schnell nicht lassen wird. 2011 brachte die Maut dem Bund immerhin 4,5 Milliarden Euro ein. Die Ausweitung auf vierspurige Bundesstraßen soll jährlich nochmals für 110 Millionen Euro Zuwachs sorgen. Und dass ein Ende damit noch längst nicht erreicht ist, belegt eine aktuelle Meldung der Deutschen Logistik-Zeitung, derzufolge die neue Mauthöhenverordnung noch vor der Bundestagswahl 2013 zu erwarten ist. (ks)

Eine Karte mit allen Maut-pflichtigen Bundesstraßen können Sie hier als PDF downloaden.