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Neue Sorten: Meconopsis

Der Ruf nach Gartenpflanzen mit blauen Blüten – und zwar möglichst einem leuchtenden Himmelblau – wurde in den letzten Jahren vernehmbarer. Der „blaue Scheinmohn“ – Meconopsis – könnte daher verstärkt ins Blickfeld rücken. Es ist aber eine schwierige Staude für spezielle Standorte.

Von Mai bis Juli lassen die Blüten von ‘China Blue’ manches Gärtnerherz höher schlagen. Die Sorte zählt zu den Meconopsis baileyi. Foto: Jelitto

Wie sehr sich in Großbritannien und hierbei speziell in Schottland sowohl Botaniker als auch die Königliche Gartenbaugesellschaft mit dieser Pflanzengattung auseinandersetzen, wurde bei einem der Vorträge auf der „Vierten Internationalen Staudenkonferenz“ der Internationalen Staudenunion (ISU) in Grünberg deutlich.

Dr. Evelyn Stevens aus Sheriffmuir in Schottland zählte zu den Gründungsmitgliedern der Meconopsis-Gruppe. 1998 war diese Gruppe entstanden. Die Gruppe leistet seither wesentliche Beiträge, um Meconopsis populär zu machen und Konfusionen rund um diese Staudengattung zu beheben.

In ihrem Grünberger Vortrag ging Evelyn Stevens vor allem auf die Sortenvielfalt in dieser Gattung sowie auf die Probleme rund um die Namensgebung ein, aber auch auf einige Aspekte der Verwendung.

 

Unkontrollierte Hybridisierung

Die Gattung Meconopsis zählt mit ihren etwa 60 Arten zu den Mohngewächsen (Papaveraceae). Die Blüten ähneln denen des Mohns (Papaver). Manche der Arten und Sorten von Meconopsis gelten aber durch die reinblaue Farbe ihrer Blüten als Besonderheiten.

Nicht alle Arten und Sorten dieser Gattung sind aber durch blaue Blüten gekennzeichnet. Es gibt auch solche mit gelben, roten, weißen und weiteren Farben.

Beheimatet sind die Meconopsis überwiegend im südöstlichen Asien (Himalaya, westliches China, Tibet). Entsprechend dem Klima in diesen Regionen wachsen die Meconopsis am besten in solchen Gebieten, wo es im Sommer vergleichsweise kühl und feucht ist.

Innerhalb Großbritanniens haben sich Pflanzen dieser Gattung, nachdem sie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eingeführt worden war, daher vor allem in Schottland und Nordengland etabliert.

Während des 20. Jahrhunderts, so schilderte Evelyn Stevens, hybridisierten diese Pflanzen in der Enge der Gärten miteinander und mit anderen Arten. Dies erfolgte oft außer Kontrolle durch Gärtner und Züchter. Die meisten dieser Hybriden waren steril. Doch kam es auch zu fertilen Hybriden.

Ein Beispiel hierfür ist die heute weit verbreitete Sorte ‘Lindholm’, die vor etwa 40 Jahren entstand und sich durch große blaue Blüten auszeichnet. Sie wurde später unter verschiedenen Namen geführt.

Jedenfalls entstand große Verwirrung, und dies war nach Angabe der Referentin einer der Gründe, 1998 die Meconopsis-Gruppe zu gründen. Sie hat heute 150 Mitglieder, überwiegend aus Großbritannien. Unter den Mitgliedern sind aber auch Personen aus anderen europäischen Ländern sowie aus Kanada, Japan und Australien.

 

Der Award of Golden Merit

In Zusammenarbeit mit dem Royal Botanic Garden Edinburgh erfolgte eine Gliederung auf Basis phänotypischer Eigenschaften der betreffenden Pflanzen. Die einflussreiche Königliche Gartenbaugesellschaft (Royal Horticultural Society/RHS) hat die Nomenklatur-Vorschläge akzeptiert und in die maßgebliche Literatur eingeführt.

Außerdem führte und führt die RHS auf Initiative der Meconopsis-Gruppe diverse Prüfungen durch. So läuft von 2010 bis 2013 ein Untersuchungsprogramm mit großblumigen blauen Meconopsis-Varietäten als Basis dafür, erfolgreichen Sorten den hoch anerkannten „Award of Garden Merit“ (AGM) verleihen zu können.

 


Auf das Klima kommt es an

Wer sich mit dieser Staudengattung beschäftigen möchte, findet im Internet in englischer Sprache eine umfang- und inhaltsreiche Website der Meconopsis-Gruppe (www.meconopsis.org). Sie enthält auch ausführliche Hinweise zur Vermehrung und zum Anbau dieses „Scheinmohns“. In ihrem Grünberger Vortrag erwähnte Evelyn Stevens ebenfalls einige kulturtechnische Aspekte.

Die Vermehrung erfolgt vegetativ (beispielsweise Teilung im zeitigen Frühjahr oder im Spätsommer/Frühherbst) oder durch Aussaat, am besten im Zeitraum von Dezember bis März.

Ob sich Meconopsis in einem Garten gut etabliere und langlebig sind, hängt vorrangig vom Klima ab. In Schottland und Nordeuropa gedeiht diese Pflanze besser als im Süden Englands oder in Süddeutschland. Als „schlimmster Feind“ von Meconopsis gilt sengende Hitze.

Vollsonnige Lage ist weniger günstig als ein Standort im lichten Schatten von Laubgehölzen. Doch kommt es zugleich darauf an, nicht zu dicht an die Gehölze zu pflanzen. „Sie mögen den Himmel sehen“, so ein Hinweis der Referentin. Der Boden soll nährstoffreich, krümelig und wasserdurchlässig sein.

 

Jelitto registriert rege Nachfrage

Im Sortiment 2011 von Jelitto Staudensamen (Schwarmstedt) sind 16 Arten/Sorten von Meconopsis. „Die großen blauen Meconopsis“, so schrieb uns Jelitto-Geschäftsführer Georg Uebelhart auf Anfrage, „gehören zu den Pflanzen, die das Gärtnerherz höher schlagen lässt!” Saatgut für Meconopsis werde rege nachgefragt, und die Anzucht bereite keine besonderen Schwierigkeiten.

Doch sei es in Deutschland nicht einfach, solche Standorte zu finden, wo die Meconopsis wirklich langlebig sind. In Norddeutschland kämen jedoch durchaus Plätze im Garten mit einem Mikroklima vor, wo Meconopsis gut gedeihen. Uebelharts Beispiel: „Im Garten auf der Nordseite meines Hauses, mit nur etwas Nachmittagssonne!“

Eine der Sorten mit himmelblauen Blüten ist die von der RHS mit dem „Award of Garden Merit“ prämierte Meconopsis baileyi ‘China Blue’. Sie ist noch als Meconopsis betonicifolia im Handel, doch gilt seit 2009 für diese Art wieder der schon früher verwendete Namen Meconopsis baileyi.

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Die Pflanzen dieser Sorte werden etwa 60 Zentimeter hoch und wünschen feuchte, saure, humusreiche Böden (pH 5,2 bis 6,2) sowie halbschattige Lage. Zu den Kennzeichen zählen auch die kleinen Borsten an den ovalen, mittelgrünen Blättern.

In einer Kulturbeschreibung zu Meconopsis ‘China Blue’ beziffert die Firma Jelitto den Saatgutbedarf auf zwei Gramm pro 1.000 Pflanzen. Sechs bis sieben Saatkörner kommen pro Zelle von 128er-Platten. Die Keimlinge erscheinen nach zwei bis vier Wochen. Nach etwa acht Wochen kann getopft werden, zum Beispiel in 11/12er-Container.

Was die Namensgebung in dieser Staudengattung angeht, so rechnet Uebelhart mit weiteren Veränderungen. Möglicherweise werde nur Meconopsis cambrica ihren seit langem bekannten Namen behalten.