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Neue Sorten: Poinsettiensorten in Holland verglichen

Beim Weihnachtsstern-Sortenvergleich der niederländischen Organisation LTO Groeiservice erwies sich eine Südtirolerin als beste Neuheit. Gemeint ist die Sorte ‘Superba’ aus der Züchtungsarbeit von Lazzeri. Viele Gärtner lernten diese Varietät im vergangenen Jahr unter der Testnummer Lazz 1066 kennen.

Auf Basis des Versuchs von 23 Sorten aus sechs Züchtungshäusern wurde ‘Superba’ als „beste Poinsettienneuheit“ prämiert. Die Preisverleihung fand Ende Januar bei FloraHolland in Naaldwijk statt.

Wie die Firma Lazzeri mitteilte, zeichnete sich ‘Superba’ (= Lazz 1066) sowohl hinsichtlich der Wuchseigenschaften als auch durch gute Präsentation beim Verkauf sowie durch „beste Performance im Haltbarkeitstest“ aus.

 

Was die ‘Superba’ auszeichnet

Das Unternehmen aus Meran nennt in einer Presseinformation folgende Eigenschaften dieser Sorte:

  • große Brakteen in intensiv roter Farbe;
  • viele Cyathien;
  • robuster und aufrechter Wuchs (mittelstark bis stark);
  • kräftige Triebe, direkt vom Ansatz her;
  • hohe Uniformität im Bestand;
  • wenige Blätter im Innern der Pflanze und daher weniger anfällig für Botrytis;
  • lange Haltbarkeit nach dem Verkauf.

 

Laut Firmenangabe eignet sich ‘Superba’ auch für den Anbau in großen Töpfen, also für Poinsettien-Büsche. Dies deshalb, weil ‘Superba’ dicke stabile Triebe bildet. Die Reaktionszeit wurde auf 8,5 Wochen beziffert. Es ist damit keine besonders schnelle Poinsettie. Der Hemmstoffbedarf ist mittel bis gering.

Mit Hinweis auf eine sehr gute regelmäßige Verzweigung stellte Lazzeri heraus, dass sich ‘Superba’ einfach kultivieren lässt. Dies gelte auch für Regionen mit heißem Klima.


Versuchsdaten

Einzelheiten zu dem niederländischen Poinsettien-Versuchsprogramm finden sich auf der Internet-Website von LTO Groeiservice (www.groeiservice.nl). ‘Suberba’ (Lazz 1066) wurde dort als „Sieger des Sortimentsvergleichs“ und damit als „meistversprechende neue Poinsettiensorte“ bezeichnet. Ihr Zierwert sei „gut bis sehr gut“.

Bei diesem auf das Verhalten der Pflanzen nach der Produktion ausgerichteten holländischen Test im Haltbarkeitsraum von FloraHolland wurde unterschieden nach Versuchsbeginn im November und im Dezember. Daher waren es 46 Partien, jeweils zweimal sechs Pflanzen pro Sorte.

Es galt, die in 13er-Töpfen stehenden Pflanzen zunächst einer 48-stündigen Transportsimulation bei 15 Grad zu unterziehen. Hierbei blieben sie in der praxisüblichen Folienverpackung.

Dicht beieinander standen sechs bis acht Pflanzen je Karton, dies variierte etwas je nach Größe der Pflanzen. Relative Luftfeuchte: 70 bis 80 Prozent. Die in Dunkelheit (null Lux) stehenden Pflanzen wurden an diesen zwei Tagen nicht bewässert.

Dann folgte eine Verkaufssimulation, wobei die betreffenden Poinsettien fünf Tage lang bei 20 Grad, einer relativen Luftfeuchte von 60 bis 70 Prozent und einer Beleuchtungsstärke von 500 Lux (zwölf Stunden pro Tag) standen.

Die Folie blieb in dieser Phase an den Pflanzen. Doch standen sie nun soweit auseinander, dass sie sich nicht mehr berührten. Außerdem wurde bei Bedarf mit Leitungswasser gegossen.

Eine fünfwöchige Phase unter „Konsumentenbedingungen“ schloss sich an: 20 Grad (plus/minus zwei Grad), 60 bis 70 Prozent relative Luftfeuchte, Lichtstärke = 500 Lux (an zwölf Stunden pro Tag; Belichtung erfolgte mit Philips TL 84). Die Zuständigen für diesen Versuch gehen davon aus, dass die 500 Lux in etwa der Situation an Wohnzimmerfenstern während der Wintermonate entspricht.

Die Folienverpackung hat man zu Beginn der Konsumentenphase natürlich von den Weihnachtssternen entfernt. Gegossen wurde mit Leitungswasser nach Bedarf. Insgesamt sechs Wochen nach Versuchsbeginn erfolgte die Auswertung. Hierbei wurde der Zierwert nach einer Skala von Null als schlechtestem bis Fünf als bestem Wert dargestellt.

Außerdem hielten die Versuchsansteller zu diesem Zeitpunkt fest, ob und wie viele Pflanzen pro Sorte ausgefallen waren. Von jeder Sorte eine repräsentative Pflanze zu fotografieren erfolgte ebenfalls an diesem Tag (Anmerkung: Die Fotos sind in dem Versuchsbericht auf der oben genannten Internet-Website zu sehen).

Je nach Sorte hatten die Pflanzen eine Wuchshöhe von 35 bis 50 Zentimetern. Bei den ‘Superba’ (Lazz 1066) waren es 40 Zentimeter.


Welche Sorten überzeugten

‘Superba’ (Lazz 1066) erreichte im Mittel der zwei Partien einen Zierwert von 4,5. Dies entspricht „sehr gut bis gut”, gegliedert nach Note 4,7 bei den Pflanzen mit Testbeginn am 10. November und Note 4,3 bei denen mit Testbeginn am 2. Dezember.

Eine gleich gute Bewertung erreichte die ebenfalls von Lazzeri stammende, mittlerweile allgemein bekannte Sorte ‘Allegra’. Sie hatte den Neuheitenpreis von LTO Groeiservice vor zwei Jahren erhalten.

Zu den Spitzenreitern mit guten Noten zählten bei diesem Test außerdem folgende Sorten:

  • ‘Viking Red’ (4,7/4,0);
  • ‘Titan Red’ (4,3/4,3);
  • 'Christmas Feelings’ (4,7/3,6);
  • Lazz 1064 (4,5/3,7);
  • ‘Saturnus Twist’ (4,3/3,2).

 

Ausfälle wurden bei diesem Test nur vereinzelt festgestellt. Allerdings bildete die Sorte ‘Oakstar’ eine Ausnahme. Hier warfen alle zwölf Pflanzen nach dem Test ihre Blätter ab, ein typisches Beispiel für Note 1 beim Zierwert (= sehr schlecht). Von dieser Sorte wurde daher generell abgeraten.


Qualitätswettbewerb

Bei dem ebenfalls von LTO Groeiservice durchgeführten Qualitätswettbewerb ging der Preis diesmal an die Firma Rigaplant BV mit der Poinsettiensorte ‘Christmas Feeling’ in großen 17er-Töpfen. ‘Christmas Feeling’ ist eine Züchtung von Selecta Klemm (Stuttgart).

Basis dieses Qualitätswettbewerbs war ebenfalls ein Test im FloraHolland-Haltbarkeitszentrum, und zwar mit ähnlichen Versuchsdaten wie beim oben beschriebenen Sortenvergleich. Hierbei wurden 26 Partien getestet und sie kamen von zehn Einsendern.

Über diese Resonanz äußerte sich LTO Groeiservice enttäuscht, da es bei einem ähnlichen Wettbewerb mit Tulpen etwa 170 Teilnehmer gibt und die Teilnehmerzahlen am Qualitätswettbewerb Poinsettien während der letzten Jahre rückläufig waren. Die niedrige Beteiligung bereite Sorgen.

Bei 15 der 26 Einsendungen für den Qualitätswettbewerb handelte es sich um die Sorte ‘Christmas Feeling’. Dementsprechend waren neben dem Sieger auch die beiden nächstplatzierten Einsendungen mit ‘Christmas Feelings’ vertreten. Die bestbewerteten Pflanzen (‘Christmas Feelings von Rigaplant in 17er-Topf) schafften die Wertziffer 4,7.


Qualitätsverbesserung registriert

Als Fazit des Qualitätswettbewerbs ebenso wie des Sortentests sieht LTO Groeiservice eine sich verbessernde Qualität der Poinsettien. Diese Aussage war möglich, weil die beiden Wettbewerbe jährlich seit 1994 durchgeführt werden.

So war die Zahl der Pflanzen, die am Ende des Versuchs weitgehend unansehnlich und daher als Ausfall zu werten waren, nur im Jahr 2006 noch niedriger als 2010 (zwei Prozent gegenüber zweieinhalb Prozent). Dies heißt, dass bei diesem Qualitätswettbewerb nur vier von 156 Pflanzen am Ende Konsumentenphase unansehnlich waren.

Im Jahr mit dem schlechtesten Ergebnis – 1998 – hatte man 34 Prozent Ausfall registriert.

Beim Qualitätswettbewerb ergab sich 2010/11 eine gemittelte Wertziffer von 3,8. Dieser Wert wurde nur im Jahr 2006 übertroffen (3,9) und im Jahr 2000 hatte es ebenfalls die Wertziffer 3,8 gegeben. In allen anderen Jahren waren es schlechtere Noten und mehr Ausfall. Die Durchschnittsnote der Jahre 1994 bis 2010 betrug 3,1.

Konstante verlässliche Produktqualität ist nach Angabe von LTO Groeiservice die Basis für einen geregelten Absatz. Immer noch würden manche Händler die Weihnachtssterne als „Risikoprodukt“ sehen.

Von einer guten Poinsettiensorte müsse verlangt werden, dass sie auch unter unterschiedlichen Produktionsbedingungen gute Qualitäten bringt. Hierbei komme es nicht zuletzt auf die Robustheit und Haltbarkeit der Pflanzen an.