TASPO GartenMarkt

Neuer VDG-Geschäftsführer: „Agenda mit zahlreichen Punkten im Gepäck“

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Nach seiner langjährigen Tätigkeit legt der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Garten-Center (VDG), Peter Botz, zum Ende des Monats sein Amt nieder. Ab Oktober übernimmt der 48-jährige Thomas Buchenau die VDG-Geschäftsführung. TASPO GartenMarkt sprach mit ihm exklusiv über die Zukunft des Verbands und die Bedeutung der Gartencenter in Deutschland.

„Wir müssen in Zukunft viel mehr miteinander sprechen, uns beraten, uns gegenseitig informieren“, sagt der neue VDG-Geschäftsführer Thomas Buchenau. Foto: privat

Was sind Ihre erklärten Ziele für die Zukunft des VDG?

Thomas Buchenau: Zusammen mit dem Vorstand und unserer Präsidentin wollen wir den VDG weiter zu einer zentralen „Netzwerkstelle“ der Grünen Branche ausbauen. Wir bringen die Menschen zusammen und lassen sie ihre Erfahrung miteinander teilen. Wir planen, das Serviceangebot weiter auszubauen. Wir werden eine Kampagne starten, die sich der Nachwuchsförderung verschreibt. Wir werben für eine Karriere in einem Gartencenter und wir möchten unsere Jungunternehmer begleiten auf dem Weg in ihre unternehmerische Existenz.

Wichtig für die Zukunft wird sein, dass wir das Profil des Verbands weiter schärfen. Die Basis einer erfolgreichen Verbandsführung ist, dass die Mitglieder ihre Vorteile erkennen. Wir sind eine Interessengemeinschaft, wobei jeder Partner wichtige Teile seiner eigenen Interessen realisiert sehen möchte. Daran werden wir weiterarbeiten. Unter dieser Voraussetzung sind wir sehr optimistisch, die Zahl unserer Mitgliedsbetriebe in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen. Wir sind offen für die vielen Unternehmen, die in der Grünen Branche tätig sind und denen Qualität und Kundenzufriedenheit wichtig sind. Unsere wachsende Bedeutung wollen wir auch gegenüber der Politik zum Ausdruck bringen. Unser Ziel ist es, näher dran zu sein, um die Interessen unserer Gruppe mit Kraft zu vertreten.

Wie möchten Sie diese Ziele erreichen?

Thomas Buchenau: Ich habe eine Agenda mit zahlreichen Punkten im Gepäck, die ich gerne für den VDG und mit ihm zusammen in die Tat umsetzen möchte. Ich habe mich mit einem Konzept für die Position des Geschäftsführers beworben, und ich bin ausgewählt worden. Das Spannende daran ist, dass viele Punkte meiner Agenda, unabhängig voneinander, auch im Strategiepapier des VDG zu finden sind. Ich hoffe daher auf die tatkräftige Unterstützung meiner/unserer Ideen. Die Aufgabe, die gemeinsamen Ziele zu erreichen, bewältigt man mit Sicherheit nicht im Alleingang. Ich lade daher alle ein, am „neuen“ VDG mitzubauen. Nur gemeinsam sind wir in der Lage, die großen Aufgaben zu bestehen, die vor uns liegen.

Wir müssen in Zukunft viel mehr miteinander sprechen, uns beraten, uns gegenseitig informieren. Ich nenne hier als Beispiel die Digitalisierung. Traditionell ist unsere Branche eher zurückhaltend, wenn es um die Nutzung von Technik in den Arbeitsprozessen geht. Es gilt für die Zukunft, nicht den Anschluss zu verlieren gegenüber den zahlreichen Wettbewerbern und auch dem Kundenwunsch. Das bedeutet, effizienter zu arbeiten, Kosten zu sparen, leistungsfähiger zu werden. Wir müssen unsere Kunden besser kennenlernen, sie an uns binden, ihnen den Service bieten, den sie erwarten. Wir müssen besser verstehen, welche Ware, in welcher Menge, zu welcher Zeit gebraucht wird. Unter anderem dazu brauchen wir die Digitalisierung, und ich möchte die Menschen gemeinsam an den Tisch bringen, die Vordenker in unserer Branche, beziehungsweise die, die dazu werden wollen.

Welche Vorhaben planen Sie als erstes in Angriff zu nehmen?

Thomas Buchenau: Ich habe dem Vorstand des VDG meine Prioritätenliste vorgestellt und Zustimmung erfahren. Danach ist es von besonderem Belang, die Kommunikation untereinander und mit der Branche zu verbessern. Technisch planen wir, das auf eine neue Plattform, eine VDG-App aufzusetzen. Darüber möchten wir in Zukunft unsere Newsletter verschicken, Anmeldungen und Bestellungen entgegennehmen und einfach „netzwerken“. Früh werden wir die Mitgliederbetreuung und die Expansion in den Fokus stellen; Aktivitäten zur Digitalisierung werden folgen. Darüber hinaus plane ich eine Grüne Initiative unserer Branche, mit der wir dem Endverbraucher und der Politik Lösungen aufzeigen möchten, zum Beispiel dem zunehmenden Artensterben zu begegnen, der Erwärmung unserer Innenstädte oder den Starkregen-Ereignissen unserer Zeit. Grün ist dabei Trumpf! Schließlich werden wir mit der Nachwuchsförderung beginnen.

Was ist, Ihrer Meinung nach, die größte Herausforderung, der sich der VDG derzeit stellen muss?

Thomas Buchenau: Die größte Herausforderung sehe ich darin, die Menschen zu motivieren, mitzumachen, sich zu öffnen und zu teilen. Ich erkenne die Tendenz, in einer immer anspruchsvoller werdenden Geschäftswelt, dass man sich ausschließlich auf sich selbst und auf den eigenen Betrieb konzentriert. Das ist sicher in Teilen auch richtig so, die alleinige Lösung ist es nicht. Die besten Ideen entwickelt eine Gemeinschaft, das größte Netzwerk bauen viele und die größte Leistungsfähigkeit erlangt man nur im Team. Da sind uns die Unternehmer in anderen Ländern vielleicht noch einen Schritt voraus. Ich habe bei meiner Arbeit für einen niederländischen Franchise-Verband erleben dürfen, wie Unternehmer miteinander teilen können und welches enorme Potenzial daraus entsteht. Da dürfen wir uns in Deutschland gerne noch weiterentwickeln.

Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung des VDG?

Thomas Buchenau: Ich wünsche mir, dass der VDG seine Bedeutung und seine Leistungsfähigkeit unter meiner Geschäftsführung weiter ausbauen wird. Wir suchen das Miteinander in der Branche, den Schulterschluss unter anderem zu unseren Einkaufsverbänden. Dieser überparteiliche Anspruch war es übrigens, der mich dazu bewogen hat, mich zukünftig für den VDG engagieren zu wollen – denn es geht mir um die Sache an sich, die Förderung der Grünen Branche. Und als Geschäftsführer des Verbands sehe ich für mich die größten Möglichkeiten, die Branche zu stärken. Ich möchte den VDG zu einem Aktions- und Innovationsmotor entwickeln. Wir wollen kreativ sein und Lösungen präsentieren – so kreativ, wie unsere Branche und unsere Betriebe in der täglichen Arbeit auch sind.

Wohin entwickelt sich, Ihrer Meinung nach, die Rolle des Gartens und der Gartencenter in Deutschland?

Thomas Buchenau: Wir sind mit den Gartencentern in der glücklichen Position, ein „Zukunftsformat“ zu betreiben. Unsere Produkte sind gefragt und treffen den Zeitgeist. Gerade die Pflanze – für den Garten, wie für das Haus – ist wieder angesagt, und die Menschen erkennen zunehmend, dass in der Pflanze ein Schlüssel für unsere Zukunft liegt. Der Stellenwert eines Gartens ist in den vergangenen fünf Jahren enorm gestiegen und dieser Trend ist ungebrochen. In diesem besonderen Jahr 2020 kam noch verstärkend hinzu, dass die Menschen viel mehr Zeit zur Verfügung hatten und diese sehr gerne in ihrem Garten verbrachten, als sonst üblich. Daraus formierte sich der Wunsch, in den Garten zu investieren und ihn schön zu machen – sehr zur Freude unserer Branche.

Unsere Gartencenter entwickeln sich mehr und mehr in Richtung eines Erlebniscenters, in dem man Freizeit verbringt und eine schöne Abwechslung vom Alltag findet. All das hat Zukunft in einer ansonsten immer technischer werdenden Welt, in der die Menschen zunehmend mehr Bedarf an Freizeitgestaltung haben. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir uns trotzdem weiterentwickeln müssen. Die Gesellschaft und mit ihr unser Kunde verändern sich. Wir müssen den Spagat schaffen, für die älteren, wie für die jüngeren Käuferschichten attraktiv zu bleiben beziehungsweise zu werden. Wir müssen auf den Altersdurchschnitt unserer Kunden achten und dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft noch erfolgreich sein können. Wir werden uns der Herausforderung stellen müssen, dass wir Umsatzwachstum nicht mehr Jahr für Jahr mit noch mehr Handel erreichen können. Die Menschen werden gebrauchte Waren nutzen, Waren mieten oder teilen. Wir müssen lernen, auch aus diesen Bewegungen Umsatz und schließlich auch Ertrag zu generieren. Und wir müssen zunehmend lernen, unser Geschäft auf verschiedenen Kanälen (Stichwort „Omnichannel“) zu betreiben.

Welche Chancen und Hürden haben sich durch die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten für den VDG und für deutsche Gartencenter ergeben?

Thomas Buchenau: Die Pandemie hat uns alle vor neue und vorher kaum für möglich gehaltene Herausforderungen gestellt. Ich erinnere nur an den Zeitpunkt im Frühjahr, an dem unsere Gartencenter für den Publikumsverkehr schließen mussten und keiner wusste, wann und wie es weitergehen kann. Mit Nachdruck suchten viele nach kurzfristigen Möglichkeiten, Umsatz ohne die stationäre Verkaufsfläche zu generieren. Aus meiner Sicht war dies ein Prozessbeschleuniger für die Zukunft und viele haben erstmalig erkannt, dass sie zur Sicherung ihres Unternehmens ein zweites Standbein, zum Beispiel den E-Commerce oder die Dienstleistung brauchen. Existenzängste machten seinerzeit die Runde, die in dieser Breite wohl noch nie da waren.

In dieser Situation haben unsere Verbandsmitglieder gemerkt, wie wertvoll eine Gemeinschaft sein kann, in der sich gegenseitig geholfen wird. In der VDG Facebook-Gruppe wurde beraten, wurde geholfen, fanden die Mitglieder eine Möglichkeit, ihre Sorgen einmal mit anderen zu teilen. Der VDG konnte Informationen zur Verfügung stellen, die wichtig waren, die Herausforderung zu überstehen. Wir konnten die überparteiliche Plattform stellen, um die Interessen der gesamten Branche zu vertreten. Und diese Erfahrung ermutigt uns, die herausragende Bedeutung eines unabhängigen Verbands der inhabergeführten Gartencenter zu sehen. Sicher sind unsere Möglichkeiten nicht unerschöpflich groß. Was jedoch in unseren Kräften steht, werden wir tun. Und das ist unsere große Chance, die Chance des VDG, gestärkt aus der Pandemie hervorzugehen.

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