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Neues Stender-Werk: Nach dem Feuer – Ein Traum in Rot

Morgens um halb sieben brach der Brand aus. Ein technischer Defekt im Kompressorenraum. Bis Mittag hatte die Feuerwehr ihn so weit unter Kontrolle, dass die Mitarbeiter bei Stender in Schermbeck wieder an ihre Schreibtische konnten – allerdings nur jene, die im Bürotrakt des Substratherstellers tätig waren.

Denn in der reinen Werkshalle, in der die Erdenmischer und Verpackungsanlagen standen, hatte sich die Isolierung entzündet und das Feuer fraß sich nahezu durch die gesamte über 4.000 Quadratmeter große Halle. Stahlträger knickten ein, die Folien brannten mit hoher Temperatur, und der Feuerwehr blieb nur, die Halle kontrolliert abbrennen zu lassen.

 

Zuallererst stand die Vision

Das ist nun acht Monate her und geschah am Freitag, den 11. Juni 2010. Schon ein halbes Jahr später, nämlich am 28. Januar und damit zur IPM, produzierte das neue Werk wieder am Standort in Schermbeck. „Die haben mich alle für verrückt erklärt, als ich gesagt habe: In einem halben Jahr steht hier ein neues Werk“, sagt Heinrich-Gerhard Hengstermann, der Vorstandsvorsitzende der Stender AG.

Besonders stolz ist er darauf, dass die Belegschaft so engagiert mitzog. Und das war für machen Mitarbeiter wahrlich mit Unannehmlichkeiten verbunden. Hengstermann verlagerte nämlich innerhalb kürzester Zeit die gesamte Produktion aus Schermbeck ins Werk nach Luckau.

Dort wurde nach nur kurzer Unterbrechung das Absacken der Blumenerden und die Aufarbeitung auch loser Erden für das Werk in Schermbeck übernommen. In drei Schichten lief das Werk Luckau durch, die Werksmitarbeiter aus Schermbeck arbeiteten unter der Woche dort und kamen nur am Wochenende nach Hause.

 

Neuaufbau in der Farbe Rot

„Das Schlimmste war der Anblick aus unserem Verwaltungsgebäude“, beschreibt Hengstermann die Situation, „wir schauten monatelang auf einen großen Haufen Schrott. Das war ungeheuer deprimierend. Als dann aber die Fläche frei geräumt war und die ersten neuen Hallenträger standen, merkte man die neue Zuversicht und verspürte den Willen, hier wirklich in einem halben Jahr wieder zu produzieren.“

Dem radikalen Schnitt durch den Brand setzte Hengstermann noch einen optischen obenauf: Nicht mehr forstgrün, sondern knallrot greift nun die neue Halle die Schriftfarbe des Stender-Logos auf.

Froh ist er, dass das Unternehmen in der Zeit nach dem Brand keinen Auftrag verloren habe und die Kunden, Lieferanten und Spediteure zum Unternehmen gehalten hätten. „Wir haben wirklich alles umlagern und damit auffangen können. Die Kunden standen zu uns, auch wenn die Ware dann wirklich mal einen Tag später kam als angekündigt.“

Natürlich sei nicht immer alles glatt gelaufen beim Neubau. Die letzte Betonfläche zum Beispiel wurde im Winter zwischen zwei Frostperioden gegossen: „Da haben wir einfach Glück gehabt, dass das Wetter mitgespielt hat und wir ein frostfreies Wochenende nutzen konnten“, blickt Hengstermann zurück.

 

Planung entstand unter Zeitdruck

Viel lieber allerdings schaut er in die Zukunft, denn mit dem Neubau konnte er nun Investitionen und Ideen, die er eigentlich über die nächsten fünf Jahre verteilen wollte, auf einen Schlag umsetzen. „Aber das mussten wir eben auch“, sagt er angesichts des Zeitdrucks, der durch den Brand entstand, „wir waren gezwungen, uns ganz schnell zu überlegen, wie unsere Arbeitsabläufe in Zukunft aussehen sollen, wie wir noch effektiver arbeiten können.“

Und das ist gelungen, so sein Fazit: „Besonders in den Saisonspitzen können wir nun durch neue Technik und Organisation viel flexibler agieren.“ Damit war der Brand für ihn beides: Fluch und Segen in einem. „Auf jeden Fall hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, wirklich alle vorgeschriebenen Kontrollen einzuhalten und sich ausreichend zu versichern.“

 

Neue Maschinen sind schneller

Effizienter kann Stender nun mit den neuen Maschinen arbeiten, die dem neusten Stand der Technik entsprechen. So muss in der neuen Anlage die Erde nach dem Mischer nicht noch einmal per Radlader in die Absackanlage gefüllt werden, sondern gelangt per Laufband dort hin.

Die Bedienung der Verpackungslinien erfolgt nun zentral per Computer im staubfreien Extraraum und nicht mehr an der Maschine. Und auch die Verpackungsanlagen selbst sind moderner, so dass zurzeit zwei dieser Anlagen die vorherigen drei Verpackungslinien ersetzen. Die moderne Technik und Steuerung sorgen dafür, dass jede einzelne Maschine je nach Sackgröße 1.000 bis 1.500 Säcke in der Stunde befüllen kann.

Verschiedenste Sackgrößen sind möglich, ebenso Spezialanfertigungen und kleine Verpackungen. Ein Beispiel ist der von Stender patentierte Duo-Pack. Hierbei werden beispielsweise eine Rhododendronerde und der dazu passende Dünger in einem Sack aber in unterschiedlichen, in sich abgeschlossenen Kompartments verpackt.


„Ein Traum“ von einem Stapel

Nach dem Absacken werden die Säcke mit Blumenerde automatisch auf Palette gestapelt. Dies übernehmen sogenannte Schachtpalettierer, die dafür sorgen, dass die Säcke sauber und gleichmäßig zu liegen kommen. „Ein Traum“, schwärmt auch Sven Averesch, der die rechte Hand von Hengstermann ist, mit Blick auf einen akkuraten Blumensack-Turm, der nun zur Wickelmaschine rollt und dort seine Transporthülle bekommt.

Passen dann mehr Säcke auf eine Palette? „Nein, das nicht. Hier ist das Gewicht der begrenzende Faktor. Aber die sauber gestapelten Paletten sind standfester und sehen vor allem im Verkauf besser aus“, ist Averesch überzeugt – ein Traum eben. 


Produziert wird rund um die Uhr

Zurzeit steht der Lagerhof in Schermbeck voll mit rund 4.000 solcher Palettentürme. Täglich verlassen jetzt zur anlaufenden Gartensaison 40 bis 60 Lkw den Hof, damit steht die Ware hier maximal 14 Tage. Im Moment arbeiten die Verpackungslinien auf Hochtouren.

Im Schichtsystem kümmern sich die Mitarbeiter um den Nachschub für Gartencenter und Einzelhandelsgärtnereien. Schermbeck produziert neben Sackware auch lose Ware, insgesamt etwa 200.000 Kubikmeter im Jahr. Im größten Werk in Papenburg verarbeitet Stender lose Substrate und Jumbopacks, um hierüber die Profis in Nord und West zu bedienen.

Im zweitgrößten Werk in Luckau wird sowohl lose Erde verarbeitet als auch Sack- und Jumboware für die östlichen und südlichen Regionen. Daneben gibt es noch die kürzlich gekauften Werke von Euflor: Aschhorn, Lichtenmoor und Westerbeck.

 

Devise: große Kundennähe

Rein rechnerisch ist damit Stender von jedem seiner Kunden durchschnittlich maximal 200 bis 280 Kilometer entfernt.

„Wir sind ganz nah dran“, lautet denn auch die Devise von Hengstermann und beschreibt damit schon eine seiner Entwicklungsstränge für die Zukunft. Besonders in Aschhorn will er in die Erneuerungen des Werkes investieren und die bisher über 500 Hektar Torfflächen durch neue erweitern. „Wir wollen kurze Wege zu unseren Kunden besonders in Norddeutschland. Deshalb bauen wir hier die Produktion aus“, ist eines von Hengstermanns erklärten Zielen.

Nach den Bereichen gefragt, in denen er Chancen für die Zukunft sieht, ist für ihn klar: „Baumschule und Bio“. Hier bewegt sich der Markt.

 

Wachstum soll der Export bringen

Klar ist für ihn aber auch, dass Wachstum im Erden-Segment kaum mehr in Deutschland stattfinden kann. „Die Bevölkerung stagniert im besten Fall. Wo soll dann Wachstum herkommen?“, beschreibt er den Verdrängungswettbewerb in der Branche.

Deshalb kümmern sich Hengstermann und Averesch zielstrebig um den Export, beispielsweise in den nordafrikanischen Raum, Tunesien und Marokko etwa. „Hier ist schon eine beachtliche technische Ausstattung im Gartenbau vorhanden“, sagt Averesch, der gerade erst aus diesen beiden Ländern zurück gekommen ist. Im Moment liefert Stender in 60 bis 70 Länder weltweit.

50 Prozent des Umsatzes kommt aus Deutschland, 30 Prozent aus dem europäischen Ausland und rund 20 Prozent werden im außereuropäischen Ausland umgesetzt.

Ziel ist also, neue Abnehmerwege zu erschließen. Um diese dann bedienen zu können, ist schon eine neue, dritte Verpackungslinie in der gerade entstandenen Halle geplant.

 


Preise für Torf stehen unter Druck

Zum Blick in die Zukunft gehört neben den längerfristigen Zielen aber auch der Blick auf die unmittelbar bevorstehende Saison und die Preise. „Wir haben bisher noch preisstabil agieren können“, sagt Hengstermann, aber die gestiegenen Rohölpreise hätten sich sowohl beim Warentransport als auch bei den Preisen für Verpackungsfolien niedergeschlagen. Stärker wirke sich jedoch aus, dass die Ernte im vergangenen Jahr im Baltikum nur ungefähr 20 Prozent der sonst üblichen Erntemengen ausmachte.

Zusammen mit den deutschen Torfflächen schätzt Hengstermann über alles gesehen lag die geerntete Torfmenge bei Stender im vergangenen Jahr 20 bis 40 Prozent unter dem Standard. „Normalerweise haben wir eine ganze Jahres-Torfernte in Reserve liegen. Das ist nun nicht mehr so. Deshalb hoffen wir auf ein gutes Jahr 2011“, formuliert er seine Wünsche.

Im Gartenbau ist immer noch das Wetter ausschlaggebend für eine gute Saison und die läuft in diesem Jahr langsam aber gleichmäßig an und damit vielversprechender als der späte und so plötzliche Saisonstart im vergangenen Jahr.

Mehr unter www.stender.de