Niederländischer Onlinehändler erneut insolvent

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Der Online-Händler Bakker musste nach Beendigung der Corona-Maßnahmen Konkurs anmelden. Foto: Screenshot/ Youtube

Der niederländische Online-Anbieter von Pflanzen- und Gartenartikeln Bakker.com ist insolvent. Bereits 2018 durchlief das Unternehmen ein Insolvenzverfahren, musste nun aber erneut Konkurs anmelden. Laut Insolvenzverwalter werde aktuell die Möglichkeiten eines Neustarts geprüft.

Bakker bereits 2018 insolvent

2014 wurde bei Bakker.com der Umstieg vom Versandhändler zum Web-Shop eingeleitet, was sich das Unternehmen Medienberichten zufolge Investitionen im zweistelligen Millionenbereich kosten ließ. Das ursprünglich von Piet Bakker als Bakker Hillegom gegründete Unternehmen musste dann allerdings Anfang 2018 beim damals zuständigen Gericht in Den Haag den ersten Insolvenzantrag stellen. Bis dahin galt Bakker als einer der größten Versandhändler für Gartenartikel in Europa. Im Rahmen der ersten Insolvenz kam ein „Asset-Deal“ zustande, bei dem die Wirtschaftsgüter des Unternehmens an einen nicht namentlich genannten Investor veräußert wurden.

Ende der Corona-Maßnahmen sorgt für Umsatzeinbußen

Vier Jahre später machen erneut Medienberichte sowie eine Meldung des Insolvenzverwalters Cees Advocaten N.V. die Runde, in denen von einer abermaligen Insolvenz des Unternehmens berichtet wird. Demnach wurde Bakker.com am 24. Mai 2022 durch das Bezirksgericht Amsterdam als bankrott erklärt und das Insolvenzverfahren eingeleitet. Als Konkursverwalter wurde E.A.H. ten Berge bestellt. Ein Neustart werde demnach aktuell geprüft, auch wurde bereits einiges an Interesse an Bakker.com bekundet. Hier stehen die ersten Gespräche in Kürze an. In finanzielle Schieflage sei man nach der Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen geraten. Verbraucher haben demnach mehr im Gastgewerbe und für Freizeitaktivitäten ausgegeben, als im Einzelhandel. Zudem wurden Einkäufe wieder vermehrt im stationären Handel getätigt. Bei Bakker habe man dadurch „anhaltende und erhebliche Umsatzeinbußen“ zu spüren bekommen. Es ist die Rede von Einbußen in Höhe von rund 50 Prozent.

Hohe Umsätze durch Corona und hohe Investitionen in Transformation

Dabei profitierte Bakker zunächst von der Corona-Pandemie und dem Umstieg hin zu einem reinen Online-Händler. Der Wandel von einem traditionellen Versandhaus zu einem modernen E-Commerce-Unternehmen schien zunächst sehr erfolgreich. Hohe Umsätze in den Corona-Jahren 2020 und 2021 trugen die Kosten der Transformation und der Modernisierung. Durch die Beendigung der Corona-Maßnahmen hätten Verbraucher ihre Online-Ausgaben nun drastisch zurückgeschraubt. Man gehe von einem Rückgang des Online-Einzelhandelsmarktes von 30 bis 35 Prozent aus, der Online-Markt mit Grünpflanzen könnte sogar um 50 Prozent schrumpfen. Die Geschäftstätigkeit von Bakker ist durch die erneute Insolvenz nun zum Erliegen gekommen. Nicht zugestellte Bestellungen können nicht mehr bearbeitet werden, Rückerstattungen können beim Treuhänder geltend gemacht werden. Wie bei einem Konkurs üblich, wird der Treuhänder die Arbeitsverträge mit allen Beschäftigten kündigen. Während der Kündigungsfrist von bis zu sechs Wochen bleiben die Mitarbeiter im Dienst und werden, falls erforderlich weiterhin für Bakker.com arbeiten. Der Konkursverwalter müsse sich nun zunächst einen Überblick über den Umfang der Insolvenzmasse und die Rechte der verschiedenen Gläubiger verschaffen.