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Niedersachsen: Gärtner starten Protestaktion gegen Ladenöffnungsgesetz

Mit einer Protestaktion wollen sich niedersächsische Gärtner jetzt gegen das Verbot der Adventsausstellungen in ihrer klassischen Form wehren. Hintergrund sind das geltende niedersächsische Ladenöffnungsgesetz, nach dem die traditionell am Totensonntag stattfindenden Adventsausstellungen nur drei Stunden und nicht wie in der Vergangenheit sechs Stunden geöffnet sein dürfen, sowie die Androhung der Ordnungsämter, in diesem Jahr verstärkt auf die Einhaltung der gesetzlichen Regelung zu achten.

Adventsausstellungen sind am Totensonntag nur drei Stunden erlaubt. Werkstücke und Foto: Gärtnerei Unruh, Hankensbüttel

Eines der Hauptargumente der von Uwe Albertzard, Geschäftsführer Vorwerk Pflanzenhandel (Rastede), organisierten Protestaktion ist die durch das Gesetz begründete Benachteiligung Niedersachsens gegenüber den angrenzenden Bundesländern und die damit verbundene Wettbewerbsverzerrung. In Nordrhein-Westfalen etwa dürfen Gärtnereien an Sonn- und Feiertagen generell fünf Stunden öffnen.

Durch die Beschränkung der Adventsausstellungen auf drei Stunden werden zudem Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent befürchtet. Außerdem hätten sich die Adventsschauen in ihrer klassischen Form in den letzten 30 Jahren als Traditionsveranstaltung etabliert. „Über die Drei-Stunden-Regelung sind viele Kunden irritiert, enttäuscht und auch wütend“, so Albertzard.

Entsprechend haben sich binnen kurzer Zeit bereits weit über 3.000 Kunden in die in den teilnehmenden Blumengeschäften, Gartencentern, Gärtnereien und Baumschulen noch bis Weihnachten ausliegenden Protestlisten eingetragen. Während einer ebenfalls von Albertzard organisierten Diskussionsrunde in Rastede am Donnerstag (15. November) wurden die ersten Unterschriftenlisten den eingeladenen Landes- und Kommunalpolitikern übergeben. „Wir erhoffen uns, gemeinsam mit den Politikern eine bessere Lösung zu erarbeiten“, so Albertzard.

Eine Gesetzesänderung sei allerdings nicht „von heute auf morgen“ zu realisieren, sagt Lutz Arnsmeyer, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Gartenbau Niedersachsen. Sein Verband habe bereits mit allen Fraktionsvorsitzenden gesprochen. Jedoch wollen sich diese erst nach der Landtagswahl im Januar mit dem Thema befassen.

Auf „vernünftige Gespräche am runden Tisch“ hofft auch Karin Otten, Vorsitzende der Einzelhandelsgärtner im Wirtschaftsverband Gartenbau Niedersachsen. Bis dahin wird die Adventsausstellung in ihrer eigenen Gärtnerei in Jever im gesetzlichen Rahmen und etwas „gedeckter“ stattfinden. Zudem konzentrieren sie und ihr Team sich erstmals auf den Samstag vor Totensonntag, inklusive einer zwei Stunden längeren Öffnungszeit. Ideen für weitere Aktionen am Samstag gibt es bereits, etwa ein Ladies Late Night-Shopping. „Die jetzige Situation ist auch eine Chance, die Adventsausstellungen in Zukunft ganz neu anzugehen“, ist Karin Otten überzeugt.

Bodo Jaekel, Inhaber der Gärtnerei Unruh (Hankensbüttel), lässt sein Geschäft dieses Jahr am Totensonntag ganz geschlossen und veranstaltet stattdessen einen einwöchigen Adventsmarkt, der am kommenden Montag, 19. November, beginnt. Den Höhepunkt soll die große Adventsausstellung am Freitag und Samstag bilden. Wie seine Kunden auf diese Neuerung reagieren, sei schwer abzuschätzen. „Wir hoffen aber, dass sich der Verzicht auf den Totensonntag nicht so gravierend auf die Umsatzzahlen auswirkt“, so Jaekel.

Ebenfalls gegen eine Öffnung am Totensonntag hat sich Jürgen Weritz, Blumen Weritz (Gifhorn), entschieden. Eine Adventsausstellung am Freitag und Samstag gab es bei ihm schon immer, und als Ersatz für den traditionellen Totensonntag verlängert er die Öffnungszeit am Samstag in diesem Jahr um ganze vier Stunden. An „normalen“ Sonntagen lässt Weritz sein Geschäft bereits seit 2004 geschlossen – nach seiner Erfahrung führt eine Sieben-Tage-Woche zu einem erhöhten Krankenstand, außerdem sei der „Kostenfaktor Sonntagsarbeit“ nicht zu unterschätzen. „Zusätzlich braucht man einen freien Tag in der Woche auch, um den Kopf frei zu bekommen für neue Ideen“, so Weritz.

Und frische Ideen sind gerade jetzt gefragt. So empfiehlt Lutz Arnsmeyer, bei der Verlagerung der Adventsausstellungen besondere Aktionen wie etwa ein „Moonlight-Shopping“ am Samstag bis 24 Uhr. Auf jeden Fall, so Arnsmeyer, sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, „um die Adventsschau an diesen Tagen aufzupeppen.“ (ds)