TASPO GartenMarkt

„Ohne Obst, Gemüse, Blumen & Pflanzen sind wir alle tot“

, erstellt von

Wie verlief das Geschäftsjahr für Landgard bisher und wie entwickelt sich die genossenschaftliche Vermarktung 4.0? Armin Rehberg, Vorstandsvorsitzender der Landgard eG, resümiert für uns das erste Halbjahr 2018 und wirft einen Blick auf die kommenden Monate.

Nähe ist der entscheidende Erfolgsfaktor, ist Armin Rehberg, Vorstandsvorsitzender der Landgard eG, überzeugt. Foto: Landgard

Zahlenentwicklung von Januar bis Juni

Blicken wir auf die reinen Zahlen, so sehen diese für die Erzeugergenossenschaft Landgard eigentlich sehr gut aus: Insgesamt konnten wir bei Landgard im ersten Halbjahr die Umsätze im Geschäftsfeld Blumen & Pflanzen im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent steigern. Im Geschäftsfeld Obst & Gemüse lagen wir sogar um acht Prozent über 2017.

Diese Entwicklung ist umso erfreulicher, wenn wir die Rahmenbedingungen betrachten. Blicken wir nur auf den Monat März, wird die dramatische Ausgangslage sehr deutlich. Alleine in diesem Monat lag unser konzernweiter Umsatz rund 20 Millionen Euro unter dem Vergleichswert aus dem Jahr 2017, alleine im Geschäftsfeld Blumen & Pflanzen ging der Umsatz um mehr als 24,9 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr im Monat März zurück.

Mit unseren engagierten Mitarbeitern und gemeinsam mit unseren strategischen Kunden und Mitgliedsbetrieben ist uns jedoch eine nahezu unglaubliche Aufholjagd gelungen. Mit vereinten Kräften liegt zum Halbjahresende unser Umsatz auf Konzernebene konsolidiert bei über 1,1 Milliarden Euro, damit mehr als 26 Millionen Euro über dem ersten Halbjahr 2017. Dies trotz erneut sehr herausfordernder Rahmenbedingungen und einem noch einmal gestiegenen Preisdruck in den Märkten Blumen & Pflanzen sowie Obst & Gemüse und niedrigeren Roherträgen.

Durch konsequente Kostenmaßnahmen und das Umsatzwachstum konnten wir die positive stabile Ergebnisentwicklung der Vergangenheit auch zum Halbjahr 2018 fortsetzen und den katastrophalen März bisher im Halbjahr ausgleichen. Unabhängig von der aktuellen Dürreperiode mit verheerenden Auswirkungen für Produktion und Vermarktung, blicken wir nun auf einen hoffentlich starken Herbst 2018.

Insgesamt entwickeln wir uns auch 2018 deutlich besser als der Markt für Blumen & Pflanzen in Deutschland, wo die Segmente Schnittblumen, Zierpflanzen und Gartenpflanzen sich alle im Vergleich zum Vorjahr negativ entwickelt haben, und auch besser als große systemrelevante internationale Wettbewerber.

Die Veiling Rhein-Maas konnte das erste Halbjahr 2018 mit einem Plus von 1,9 Prozent und dem höchsten umgesetzten Warenwert seit Bestehen der Veiling Rhein-Maas von über 200 Millionen Euro im 1. Halbjahr abschließen. Bei Schnittblumen und Gartenpflanzen lag der Uhr-/Tribünenumsatz, also aus unserer Sicht das Kerngeschäft, mit über vier Prozent über Vorjahr und konnte die schwächere Entwicklung von minus 4,1 Prozent bei Zierpflanzen mehr als ausgleichen.

Diese Entwicklung im Kerngeschäft Tribüne ist umso erstaunlicher, wenn wir uns die Entwicklung Klokservice von zwei Prozent zum Vorjahr oder die Entwicklung in den Niederlanden an der Uhr anschauen. Es zeigt, wie speziell das Geschäftsmodell Veiling Rhein-Maas hier in Deutschland ist.

Auf dieser besonderen Entwicklung gilt es jetzt für die Veiling Rhein-Maas aufzubauen, das starke Kerngeschäft Uhr, fachhandelsorientiert digital und international auszubauen mit Stichpunkten wie Neukundenakquise, Uhrverkauf oder Fernkauf. Jetzt gilt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Was sind aktuell die Hauptprojekte und Meilensteine?

Mit der Eröffnung unseres Zukunftsmarkts Landgard Herongen haben wir einen wichtigen Schritt getan, um das Geschäftsmodell Cash & Carry als Herzstück unseres Fachhandelsvertriebs fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen. Dies geht Hand in Hand mit dem sukzessiven Ausbau unserer Digitalisierungsstrategie im Rahmen einer ganzheitlichen genossenschaftlichen Vermarktung 4.0 und der konsequenten Umsetzung unserer unternehmensweiten Nachhaltigkeitsprojekte.

Mit diesem nachhaltigen Engagement setzen wir Maßstäbe in der Grünen Branche, das zeigt unser Doppelerfolg beim Green Product Award 2018. Nachhaltigkeit ist für uns Überzeugung, Herzenssache sowie in und für unsere Welt einfach alternativlos. Darum werden wir uns auch in Zukunft konsequent dafür einsetzen, gemeinsam mit unseren Erzeugern, Kunden und Partnern die Welt ein klein wenig gesünder, schöner und grüner zu machen.

Wenn derzeit viel über Bienenschutz geredet wird, leben wir ihn – zum Beispiel mit unserem erfolgreichen Konzept „Biene Maja“. Ein klares Zeichen für unser Engagement ist hier auch die Einführung des neuen Landgard Nachhaltigkeitslabels „zertifiziertes nachhaltiges Produkt“. Dieses neue Siegel macht einen verbesserten Schutz von Umwelt und natürlichen Ressourcen für Handel und Verbraucher leichter und transparenter – von der zertifizierten Produktion bis zur Vermarktung.

Ein weiteres wichtiges Zukunftsprojekt, das wir intensiv vorantreiben, ist der strategische Ausbau im Bereich Obst & Gemüse. Nach der Region Ost mit dem neuen Lagerumschlagsplatz Berbersdorf, aktuell die Region Nord, hier insbesondere der Ausbau der internationalen Erzeugerstruktur, des Produktportfolios und der Dienstleistungen im Bereich Obst, vor allem in den Märkten Übersee und Asien. Hierfür haben wir mit der neuen Landgard Nord Obst & Gemüse GmbH und dem Lagerneubau in Rade bei Hamburg wichtige Weichen gestellt.

Wie sieht es mit der genossenschaftlichen Vermarktung 4.0 aktuell aus?

Unsere Entwicklungen sind nur möglich auf der Grundlage einer starken Erzeugerbasis. Unsere Mitgliedsbetriebe zu stärken und zu unterstützen, ist daher eine unserer wichtigsten zentralen Aufgaben, sowohl im zurückliegenden Halbjahr als auch mit Blick in die Zukunft. Genau deshalb haben wir mit NEMO unsere Neue Erzeuger Management Organisation gestartet. Erzeuger Management – strategisch, operativ und administrativ. Wir müssen noch näher und besser mit unseren Betrieben zusammenarbeiten.

Angesichts steigender Herausforderungen wie zusätzlichen Aufwendungen durch den Ausbau der Lkw-Maut oder die katastrophalen Rahmenbedingungen mit tropischer Hitze und Jahrhundertdürre ganz aktuell in diesem Sommer wächst der Druck insbesondere auf unsere Erzeuger stetig. Deshalb ist es so wichtig, dass Subventionen und Unterstützungen für unsere Betriebe schnell fließen. Sie müssen zielorientiert und unbürokratisch sein. Es kann nicht um Pauschalhilfe gehen, sondern vielmehr um zielgerichtete Unterstützung in besonderen Fällen, aktuell beispielweise im Hinblick auf erhöhtes Bewässerungsaufkommen.

Die aktuelle Diskussion nach Sinn oder Unsinn ist gerade im Rahmen vergangener staatlicher Unterstützungen mit prominenten Beispielen für einzelne Großunternehmen wie Air Berlin, Opel oder Holzmann völlig unverständlich. Wir sehen hier Verbände und Politik in der Bringschuld. Ohne Obst und Gemüse und Blumen und Pflanzen sind wir alle tot, daran sollten wir uns erinnern.

Wie lautet Ihr Fazit für das 1. Halbjahr 2018: Was macht Landgard anders?

Unser Fazit nach dem ersten Halbjahr fällt demnach verhalten optimistisch aus: Die Entwicklung hat gezeigt, dass wir mit unserer vermarktenden Erzeugergenossenschaft 4.0 die richtige Strategie verfolgen, um auch widrigen Rahmenbedingungen und Umständen effektiv zu begegnen. Wir müssen aber wachsam sein und konsequent agieren und reagieren, um auch in Zukunft gemeinsam mit unseren Mitgliedsbetrieben gesund wachsen zu können.

Hierzu werden wir auch in Zukunft vielfältige Wege gehen, um unsere Fachhandelskunden zielgenau anzusprechen und so die Vermarktung der Produkte aus ersthändigem Warenbezug unserer Mitgliedsbetriebe effektiv voranzutreiben und zielgerichtet als strategischer Partner unserer Kunden im organisierten Handel zu bedienen.

Ein wichtiges Standbein sind hierzu für uns nationale und internationale Leitmessen. Ob die neuen Ordertage in Italien, die spoga+gafa in Köln, unsere zusätzlichen Landgard Herbst-Ordertage am Standort Herongen oder unsere erstmalige Beteiligung an der GaLaBau 2018 in Nürnberg – all diese Messen bieten uns erstklassige Plattformen, um uns gemeinsam mit unseren Erzeugerbetrieben überall dort zu präsentieren, wo die Branche sich trifft und wo unsere Kunden sind.

Dabei werden wir neben den hochwertigen Produkten unserer Landgard Mitgliedsbetriebe und umfassenden Dienstleistungen für die Grüne Branche natürlich auch unsere kreativen Konzepte und Lizenzkooperationen mit starken Partnern vorstellen. Mit erfolgreichen Konzepten wie Eataliano, Deutsche Gärtnerware oder – ganz neu – niederländischer Gärtnerware investieren wir gezielt in die zukunftsfähige Ansprache unserer Kunden und zeigen, dass es zahlreiche spannende Ideen gibt, um Blumen und Pflanzen immer wieder neu erfolgreich in Szene zu setzen.

Zugleich können wir den Produkten damit in der Wahrnehmung der Verbraucher auch eine Heimat geben – regional, national und international. Die Käufer von heute wollen wissen, wo die Produkte herkommen, die sie einkaufen. Wenn andere weniger – siehe Messebeteiligungen – machen, dann machen wir einfach mehr, immer im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber das ist für uns die vermarktende Erzeugergenossenschaft Landgard.

Es gibt für uns keine Patentlösungen, man muss in den aktuell herausfordernden Zeiten einfach das Herz in die Hände nehmen. Als führende Erzeugergenossenschaft wissen wir, dass man alleine nichts erreichen kann und die richtigen Partner braucht. Hier gilt es, offen und wachsam zu sein.

Eins ist aber klar, Trittbrettfahrer werden wir zukünftig nicht mehr akzeptieren und zulassen. Positiv war für uns das Beispiel der neuen Blumenhalle auf der Internationalen Grünen Woche, die wir gemeinsam mit „Blumen – 1000 gute Gründe“ für drei weitere Jahre mit vielen Partnern zum Blühen bringen.

Oder auch unsere generische Werbeinitiative selbst. Nur gemeinsam mit starken Partnern aus der ganzen Branche konnten wir uns von den kleinen Anfängen zur größten Community für Blumen & Pflanzen mit über 150.000 Followern in Deutschland entwickeln.

Egal was wir tun, im Rahmen unserer genossenschaftlichen Ausrichtung ist Nähe der entscheidende Erfolgsfaktor, Nähe zu unseren Mitgliedern, Nähe zu unseren strategischen Kunden, Nähe zum Markt, Nähe zu echten, ehrlichen Partnern. Und diese Nähe geht nur mit unseren Mitarbeitern – offen, ehrlich und erfolgreich.

Das Ziel ist, unseren Mitgliedsbetrieben mit allen Leistungen, insbesondere mit einer nachhaltigen, fairen und wertschöpfenden Vermarktung eine Zukunft zu geben und ganz einfach keine Gebühr ohne Leistung und mit Dienstleistungen mit Mehrwert zu überzeugen.