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Pfälzer Gemüsebautag: Mehr Kontrollen und Hygiene

Als eine der Konsequenzen des EHEC-Ausbruchs werden pflanzliche Lebensmittel künftig vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stärker als bisher auf Salmonellen sowie problematische Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli untersucht. Ab diesem Jahr betrifft dies vor allem die Blattsalate, etwas später auch weitere Gemüsearten. In der Vergangenheit konzentrierten sich diese Monitoring-Maßnahmen auf den Befall tierischer Lebensmittel.

Bei der gewohnt kreativen Bühnendekoration zum Pfälzer Gemüsebautag leuchteten diesmal die Weihnachtssterne über dem Gemüse-Füllhorn. Foto: Edwin Hanselmann

Dr. Heidi Wichmann-Schauer von dem in Berlin ansässigen, auf Ernährung, Chemie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgerichteten Bundesinstitut erwähnte dies bei ihrem Vortrag auf dem Pfälzer Gemüsebautag am 25. November in Mutterstadt.

Die 30. Auflage des Pfälzer Gemüsebautags war mit seinen Schwerpunktthemen „Mikrobielle Risiken und Krisenmanagement“ sowie „Risikomanagement anpassen“ darauf ausgerichtet, ein Fazit der EHEC-Krise zu ziehen. Fast zum gleichen Zeitpunkt – 29. November – gab das BfR bekannt, die Untersuchungen zum EHEC O104:H4-Ausbruch 2011 seien jetzt abgeschlossen. Als Ursache des Ausbruchs sehen die beteiligten Behörden importierte Bockshornkleesamen aus Ägypten an.

Auf Basis einer am 15. November 2011 veröffentlichten Stellungnahme eines Gremiums der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat das BfR seine Handlungsempfehlungen aktualisiert. Hierbei wurde herausgestellt, bei Anbau, Lagerung, Behandlung und Transport von Samen zur Sprossenherstellung müsse auf strenge hygienische Anforderungen geachtet werden.

In ihrem Vortrag beim Pfälzer Gemüsebautag schilderte die Leiterin der BfR-Fachgruppe 44 („Prävention und Aufklärung lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche) detailliert die Chronologie des EHEC-Ausbruchs. Der Fall habe letztlich erfolgreich aufgeklärt werden können. Noch im Gange sei die juristische Aufarbeitung. Weiter verfeinert würden die Untersuchungsmethoden. Wie Wichmann-Schauer ebenfalls erwähnte, hat die Europäische Kommission die Einfuhrbeschränkungen für bestimmte Samen und Bohnen aus Ägypten vorerst bis 31. März 2012 verlängert.

Das BfR hat nach Angabe der Referentin auch ausgewertet, wofür der Bockshornkleesamen gedacht war. Etwa 75 Prozent der Samencharge wurden dementsprechend in kleine Tüten abgepackt. Wie viele davon an Verbraucher verkauft wurden, ist nicht bekannt. Das BfR fordert in seiner aktuellen Handlungsempfehlung daher dazu auf, vor dem 31. Oktober 2011 gekaufte Bockshornkleesamen nicht auszusäen, diese stattdessen am besten zu entsorgen. An die Sprossen-Produktionsbetriebe gingen etwa drei Prozent der Samencharge.
Laut neueren Erkenntnissen kann der humanpathologisch gefährliche Erreger in einer Art Schlafstadium mehrere Jahre auf dem Samen überleben.

Dass die EHEC-Krise den deutschen Gemüsebau nicht nur massiv getroffen hat, sondern den Gemüseproduzenten auch die Bedeutung der Hygiene stärker denn je ins Bewusstsein rückte, stellte Gerhard Schulz heraus.
In seinem Statement (Quelle: Tagungsband) fordert der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Gemüsebau bei künftigen Krisen eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Eine gemeinsame Task Force zur Krisenbewältigung – unter Einbeziehung der Europäischen Union und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit – sollte dauerhaft eingesetzt und in entsprechenden Fällen einziger Absender von offiziellen Erklärungen sein. Zugunsten der Betriebe sei ein zweites Entschädigungsprogramm nötig. Hierbei müssten alle Salatarten – also auch Radicchio, Feldsalat, Chinakohl – einbezogen sein.

In der Diskussion nach den Vorträgen von Wichmann-Schauer und Schulz äußerten Teilnehmer des Pfälzer Gemüsebautages scharfe Kritik an der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Sie habe nach dem Ende der EHEC-Krise nicht laut und eindeutig genug herausgestellt, wie wichtig das Gemüse als Teil einer gesunden Ernährung ist.

Hygiene und Risikomanagement standen beim nachmittäglichen zweiten Teil der Veranstaltung im Blickpunkt. Hierzu an dieser Stelle nur zwei Zitate aus dem Tagungsband:

  • „Ziel des Berufsstandes muss es sein, unsere Wachsamkeit für die mikrobiellen Risiken im Gemüsebau in den Köpfen von Betriebsleitung und sämtlichen Mitarbeitern weiter zu entwickeln.“ (Dr. Joachim Ziegler, DLR Rheinpfalz);
  • „Die Hygienestandards im Gemüsebau sind im Vergleich zu anderen Bereichen der Lebensmittelproduktion unterentwickelt. Die derzeit praktizierten Maßnahmen waren nicht geeignet, den Generalverdacht bei der EHEC-Epidemie zu entkräften.“ (Klaus Strohmeyer, BOLAP). (eh)