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Pflanzenschutzmittel: Zusatzstoffe verboten

Auf Veröffentlichungen und Proteste gegen den Einsatz tallowaminhaltiger Pflanzenschutzmittel reagierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) jetzt mit einem Anwendungsverbot von sechs Zusatzstoffen. Betroffen davon ist das als Netzmittel verwendete, mehrfach ethoxylierte Talgamin (englisch: polyethoxylated tallow amine), das unter der Abkürzung POEA bekannt ist, zu deutsch auch Tallowamin. Verwendung findet der Zusatzstoff unter anderem im Breitbandherbizid Roundup, welches aus diesem Grund bereits vielfach in den Fokus der Kritik geraten ist.

Wie das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) aktuell dazu mitteilt, können Tallowamine die Toxizität von Pflanzenschutzmitteln erhöhen. Es sei derzeit nicht feststellbar, welche Gefährdungen sich daraus für Mensch und Umwelt ergeben können. Bereits auf der Agrarministerkonferenz im Oktober 2011 hätten einige Konferenzteilnehmer ihre Forderung, die Zulassung der Tallowamine im Pflanzenschutz auszusetzen, gegenüber Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner verdeutlicht.

Unerklärlich sei es, wie tallowaminhaltige Pflanzenschutzmittel überhaupt eine Zulassung erhalten konnten, so NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel. Denn entsprechend dem Pflanzenschutzgesetz müsse bei der Zulassung auch eine Analysemöglichkeit für Rückstände vorgelegt werden, die in diesem Fall fehle. Vor dem Hintergrund der BVL-Entscheidung fordert Remmel jetzt dringend Nachweismethoden, da Tallowamine im Ausland weiterhin zum Einsatz kämen und eine Gefährdung der Verbraucher durch belastete Futter- und Lebensmittel sonst nicht auszuschließen sei.

Für die gärtnerische Praxis stellt das Anwendungsverbot der Zusatzstoffe kein Problem dar, erläuterte Prof. Bernd Böhmer, Leiter des Pflanzenschutzdienstes NRW, gegenüber der TASPO. Denn es gäbe für alle Anwendungsgebiete tallowaminfreie, glyphosathaltige Präparate. Die Pflanzenschutzberatung in NRW habe ihre Informationstätigkeit bereits seit zwei Jahren darauf ausgerichtet.

In der Praxis kommen neben Roundup auch weitere Pflanzenschutzmittel mit tallowaminhaltigen Zusatzstoffen zum Einsatz, bestätigte das BVL auf Anfrage. Demnach haben einige glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel, die POE-Tallowamine direkt als Netzmittel enthalten, weiterhin eine Zulassung. Es handelt sich um fünf Mittel (teilweise werden sie unter verschiedenen Handelsnamen vermarktet). Für alle fünf Mittel hätten die Zulassungsinhaber inzwischen beim BVL Anträge auf Änderung der Rezeptur gestellt, bei der auf Tallowamine verzichtet wird.

Grundsätzlich habe es in der Vergangenheit für die sogenannten Zusatzstoffe keine Rückstandsanalysen gegeben, weil es sich eben nicht um Wirkstoffe handelt und daher kein Gefährdungspotenzial in ihrer Anwendung gesehen wurde. Dass aus Verbrauchersicht hier tiefer ins Detail gegangen werden muss, hat die Gesetzgebung jedoch erkannt und sieht bereits den Erlass einer Verordnung vor, in der die Zulassung von Zusatzstoffen geregelt werden soll. Da es hierfür allerdings keine Fristsetzung gibt, wird der Bereich Zusatzstoffe auch bis auf Weiteres durch den Paragrafen 31 des Pflanzenschutzgesetzes abgedeckt. Dementsprechend müssen Antragsteller nach den EU-weit geltenden Regeln für die Pflanzenschutzmittel-Zulassung nur Analysemethoden für Wirkstoffe, relevante Metaboliten und relevante Verunreinigungen einreichen, nicht jedoch für die Beistoffe, so das BVL. (Kathrin Scheumann)