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Praktiker: Insolvenzverwalter streben Gesamtverkauf an

Die Praktiker-Märkte sollen nur in ihrer Gesamtheit verkauft werden. Auf diese Strategie haben sich die vorläufigen Insolvenzverwalter der Praktiker AG und der acht Konzerngesellschaften verständigt. Wie Udo Gröner, vorläufiger Insolvenzverwalter der Praktiker AG, heute (16. Juli) gegenüber der TASPO erklärte, spreche derzeit vieles für Max Bahr als Investor. 

Ein Gartencenter der Praktiker Baumarktkette. Werkfoto

„Wenn, dann werden alle Märkte verkauft und nicht nur einzelne Standorte“, so Gröner. Ob die Märkte im Falle einer Übernahme durch Max Bahr weiter unter dem Namen Praktiker oder Max Bahr firmieren würden, sei derzeit noch unklar. „Das entscheidet allein der Investor“, erklärte Gröner auf Anfrage der TASPO.

Die Praktiker AG und acht Gesellschaften aus dem Praktiker Konzern hatten vorige Woche nacheinander einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Die Praktiker-Tochter Max Bahr mit ihren 132 Märkten ist nicht von der Insolvenz betroffen. Gleiches gilt den Angaben zufolge für das in der Baumarkt Praktiker International GmbH organisierte Auslandsgeschäft. Die Insolvenzverwalter prüfen nun ein Sanierungskonzept für Praktiker.

Wie Christopher Seagon, vorläufiger Insolvenzverwalter von acht Gesellschaften aus dem Praktiker-Konzern, in einer Pressemitteilung bekannt gab, bleiben die Filialen geöffnet und der Verkauf an den Standorten geht unverändert weiter. Die Löhne und Gehälter der rund 8.600 Beschäftigten sollen über Insolvenzgeld gesichert werden.

Seagon zeigte sich am Dienstag dieser Woche im ARD-Morgenmagazin optimistisch, für Praktiker eine gute Lösung hinzubekommen. Käufer, sogar für das Gesamtpaket, hätten sich schon gemeldet. Aus einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zur Zukunft der beiden Marken geht hervor, dass Max Bahr mit mehr Märkten weiter bestehen, Praktiker aber verschwinden könnte. So wolle das Praktiker-Management alle funktionierenden Praktiker-Filialen in Max Bahr integrieren, was zu 180 bis 200 Märkten führen würde. Ob dies umzusetzen ist, werde aber erst der Verlauf des Insolvenzverfahrens zeigen.

Wie die Praktiker AG deutlich macht, war der Schritt des Insolvenzantrags der acht Gesellschaften wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit notwendig geworden, nachdem die Verhandlungen über weitere Sanierungsfinanzierungen gescheitert waren und kurz zuvor auch der angestrebte Verkauf der Anteile an der luxemburgischen Tochtergesellschaft Bâtiself S.A. nicht abgeschlossen werden konnte.

Der Praktiker Konzern hatte nach eigenen Angaben bereits im Mai 2012 einen harten Restrukturierungskurs eingeschlagen, der im Kern die Umstellung eines Großteils der Praktiker-Baumärkte auf die höher positionierte und ertragsstärkere Marke Max Bahr vorsah. Bis Ende März 2013 hatte das Unternehmen 54 Märkte umgestellt. Für Branchenbeobachter kam dieser Schritt zu spät.

Der historisch lange Winter, lang anhaltend schlechtes Wetter und ein damit verbundener massiver Einbruch der Baumarktkonjunktur hätten im ersten Quartal 2013 allerdings die positiven Effekte der Neuausrichtung des Geschäftsmodells in Deutschland überlagert. Der Konzern sei dadurch in eine angespannte Liquiditätssituation geraten, für die bis Ende Juni eine tragfähige Anschlussfinanzierung nicht zu finden gewesen sei.

Praktiker zählt flächenmäßig zu den drei größten Baumarktketten. Der Hauptgrund für die schon länger anhaltende Schieflage des Unternehmens wird überwiegend in der Billigstrategie der Kette gesehen. (ds/rve)