TASPO GartenMarkt

Projekt „Generative Biojungpflanzen-Erzeugung in gärtnerischen Sozialbetrieben“

Von Bio-Betrieben verwendetes Saatgut muss ebenfalls aus Bio-Anbau stammen. Gleiches gilt für Jungpflanzen. Von den meisten Zierpflanzenarten und -sorten gibt es am Markt aber kein oder kaum entsprechendes Ausgangsmaterial.

Die Betriebe können eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Stellt der Bio-Zierpflanzenproduzent beim Abgleich im Internet (www.organicXseeds.de) fest, dass kein Bio-Saatgut der betreffenden Sorte verfügbar ist, kann er ohne Antrag auf Ausnahmegenehmigung konventionelles Saatgut einsetzen. Es darf allerdings nicht chemisch gebeizt sein. Der Betrieb muss dies dokumentieren und seiner Kontrollstelle melden.

Für Stecklinge und andere vegetativ vermehrte Jungpflanzen existiert keine entsprechende „Verfügungsdatenbank“. In vielen Betrieben bereitet es organisatorische Probleme, selbst zu vermehren. Um vegetativ vermehrte Jungpflanzen aus konventioneller Vermehrung zukaufen und einsetzen zu können, muss der Bio-Betrieb eine Ausnahmegenehmigung bei der Kontrollstelle einholen.

Von Bio-Betrieben verwendete, aus generativer Vermehrung entstandene Sämlinge dürfen laut der EU-Verordnung 834/2007 nicht aus konventioneller Produktion stammen.
Zwar sind einige Jungpflanzenbetriebe in dieser Sache engagiert, doch besteht ein Engpass. Vor allem gilt dies für solche Arten und Sorten, von denen nur kleine Stückzahlen gebraucht werden.

Hermann-Josef Schumacher sprach die Saatgut-, Sämlings- und Jungpflanzenproblematik bei der Heidelberger Bio-Zierpflanzenbau-Tagung an und berichtete über eine Projektidee „Generative Biojungpflanzen-Erzeugung in gärtnerischen Sozialbetrieben”. Drei auf die Beschäftigung behinderter Menschen ausgerichtete Sozialbetriebe arbeiten an diesem Projekt mit. Erste Erfahrungen liegen vor.

So kam heraus, dass sich die Sozialbetriebe auf einfach zu vermehrende Sorten beschränken sollten. Das Saatgut darf nicht zu fein sein. Orientierungswert: Das Tausendkorngewicht des Saatguts sollte nicht weniger als 1,5 Gramm betragen. Als „Arbeitsanleiter“ müssen Personen mit Erfahrung in der Jungpflanzenanzucht dabei sein.

Beispielsweise brachten in der Gärtnerei Klosterberghof der Franz Sales Werkstätten Essen bei Coreopsis – Sorte ‘Sunfire’ – 89 Prozent der Saatkörner brauchbare Jungpflanzen und bei Gaillardien waren es 76 Prozent. Als Aussaat-Trays wurden 180er-Platten gewählt.

Mit dem schwierig zu handhabenden, sehr feinen Saatgut von Nepeta faassenii kamen die behinderten Arbeitskräfte im Klosterberghof dagegen nicht zurecht und es gab davon keine einzige brauchbare Jungpflanze.
Die Projektteilnehmer wollen das betreffende Arbeitsfeld auch 2012 testen. Hierbei sind zugleich betriebswirtschaftliche Bewertungen vorgesehen. (eh)