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Reblaus-Gefahr durch Wurzelechte: Unveredelte Reben im Handel gefunden

Vor unveredelten Weinreben, die kürzlich in einem großen Würzburger Baumarkt entdeckt wurden, hat die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim (LWG) jetzt Verbraucher gewarnt. Anlass gibt die Bayerische Weinrechts-Ausführungsverordnung (BayWeinRAV): Hiernach ist das Anpflanzen wurzelechter Reben in Bayern nur dann erlaubt, wenn das Pflanzgut als nicht für die Wurzelreblaus anfällig gilt. 

Die rechte Rebe im Bild ist veredelt, zu erkennen am dicken Narbengewebe rund um den Stamm. Meist ist diese Stelle, an der auf die amerikanische Unterlage das Edelreis einer europäischen Rebsorte aufgepropft wurde, beim Kauf noch von einer schützenden Wachsschicht umgeben. Die linke Rebe blieb unveredelt. Hier hat man lediglich den Trieb gekürzt, um die Seitenverzweigung anzuregen. Das Pflanzen solcher Reben ist in Bayern streng verboten, der Verkauf leider nicht. Foto: LWG

Die bayerische Ausführungsverordnung richtet sich nach der übergeordneten Verordnung zur Bekämpfung der Reblaus, welche nach Angabe des Julius Kühn-Institutes (JKI) für das gesamte deutsche Bundesgebiet gilt. Die jeweiligen Ausführungsverordnungen sind wiederum Ländersache.

Die im Handel gefundenen Pflanzen erfüllen die aufgeführte Bedingung nicht und dürfen von den Käufern deshalb keinesfalls in den Garten ausgepflanzt werden, hebt Peter Schwappach, Beauftragter für den amtlichen Rebschutz bei der LWG, hervor. Solche Pflanzen würden die Verbreitung der Reblaus fördern, wobei es keine Möglichkeit der direkten Bekämpfung dieses Schädlinges gäbe. Auch die Verwendung im Kübel ist in Bayern untersagt, so die Information der LWG.

Obwohl die Verordnung zwar das Pflanzen, jedoch nicht den Verkauf verbietet, seien die in Würzburg entdeckten wurzelechten Weinstöcke inzwischen aus dem Verkauf genommen worden. „Holland war niemals Weinbauland – hatte also noch nie Probleme mit der Reblaus. Dort verzichtet man deshalb aus Kostengründen auf die Veredelung“, benennt Schwappach eine Quelle unveredelter Ware im deutschen Markt.

Zu erkennen sind wurzelechte Reben an der fehlenden Veredelungsstelle. Meist ragen hier mehrere Triebe aus dem Topf: Stecklinge, die zum Bewurzeln einfach in die Erde gesteckt wurden. Veredelte Weinstöcke hingegen besitzen nur einen reblausresistenten Wurzeltrieb, auf den die Sorte aufgepfropft ist. Wachs soll die Veredelungsstelle schützen.

Vor rund hundert Jahren hat die Massenverbreitung der Wurzelreblaus den Weinbau in Bayern nahezu zum Erliegen gebracht. Erst als man begann, die beliebten europäischen auf amerikanische Sorten zu veredeln, ging es wieder voran. Letztere sind das Saugen an ihren Wurzeln gewohnt. Aus Amerika eingeschleppt, bereitet die Reblaus ihnen keine Probleme.

Der Neuaufbau der Rebflächen habe einen erheblichen Einsatz finanzieller und personeller Mittel – sowohl des Staates als auch der Winzer – gefordert. „Was aber nicht heißt, dass die Reblaus aus Franken verschwunden ist“, so Peter Schwappach. Sie sei nach wie vor in den Böden zu finden, könne sich aber nicht mehr epidemieartig ausbreiten, solange nur veredelte Weinstöcke gepflanzt würden. (ts/jl)