TASPO GartenMarkt

Schirmtücher: Brandschutz und Testverfahren sorgen für Verwirrung

Neujahr 2015: Eine Feuerwerksrakete trifft das Gewächshaus, die Energieschirme fangen Feuer, und die Gartenbau-Versicherung hat ihren ersten Fall. David Mittendorf beschrieb auf der GKL-Tagung in Osnabrück Brandverhalten und Zertifizierung von Schirmtüchern aus der Sicht des Versicherers. 

In Brandschutzklassen: Tücher zur Verdunkelung, zum Schattieren und als Klimaschirme. Foto: Gabriele Friedrich

Pflicht: schwer entflammbare Schirmtücher

Schwer entflammbare Schirmtücher in Gewächshäusern sind bei Neubauten und Neuinstallationen Pflicht. Auf dem Markt sind fast nur noch schwer entflammbare Materialien verfügbar. Verschiedene Anbieter mit einer Vielzahl verschiedener Materialien aus unterschiedlichen Ländern sind am Markt und damit auch verschiedene Zertifikate zur Brennbarkeit, sagte Mittendorf.

Zurzeit akzeptiere die Gartenbau-Versicherung in Europa vier normierte Zertifizierungsverfahren, wovon drei an in Deutschland verbauten Schirmtüchern Anwendung finden. Die Gefahr der Brandausbreitung und des brennenden Abtropfens haben in den Verfahren unterschiedliche Wichtigkeiten, betonte er.

Verwirrung bei Gärtnern und Behörden

Die verschiedenen Brandschutzklassen, Testverfahren, Zertifizierungen und Kennzeichnungen sorgen für Verwirrung bei Gärtnern und Behörden. Sinnvoll, so Mittendorf, wäre eigentlich eine einheitliche Norm in der Europäischen Union zu haben, hier käme die niederländische am ehesten in Frage.

Die Deutsche Zertifizierung nach DIN4102–1 unterteilt Baustoffe in die Baustoffklasse A für nicht brennbar und B brennbar. Alle am Markt befindlichen Schirmtücher fallen in die Baustoffklasse, die mit einer weiteren Unterteilung von leicht entflammbar (B3) bis schwer entflammbar (B1). An dem senkrecht getesteten Material werden für die Klassifizierung die Brandausbreitung, die Restlänge und die Rauchgastemperatur ermittelt. Andere Punkte wie das brennende Abtropfen werden nur protokolliert.

Europäische Brandschutznorm soll nationale ablösen

Wesentlich feiner und ausführlicher ist die Zertifizierung nach der europäischen Brandschutznorm EN13501–1. Sie soll eigentlich einmal die nationalen ablösen. Sie unterteilt Baustoffe in 16 Klassen von nicht brennbar (Klasse A1) bis leicht entflammbar (Klasse F). Für die Betrachtung von Schirmmaterialien ist nur die Klasse B mit ihren zahlreichen Untergruppen relevant.

Neben der Flammenausbreitung werden hier bei der Klassifizierung auch die Rauchentwicklung und das brennende Abtropfen der senkrecht angeordneten Testmaterialien berücksichtigt. Im Falle eines Feuers ist diese europäische Norm in Bezug auf Schirmtücher eine leichte Verbesserung, so Mittendorf.

Für Schirmtücher: die Niederländische Technische Absprache

Zertifikate nach NTA8825: Die Niederländische Technische Absprache wurde in Zusammenarbeit verschiedener Gruppen speziell für Schirmtücher entwickelt. Bei diesem Testverfahren werden bei der Beurteilung des Brandausbreitungsverhaltens das brennende Abtropfen, die Eigenschaft des Zurückziehens von Kunststoffen bei Flammeneinwirkung sowie die durchhängende und auch zusammengeschobene Anordnung der Materialien im Gewächshaus berücksichtigt.

Die Klassifizierung erfolgt in vier Klassen, wobei die Klasse 1 die bestmögliche Bewertung darstellt. Diese Verfahren sind speziell auf den Gartenbau angepasst, werden von den niederländischen Behörden anerkannt und könnten als einheitliche Norm für Europa gelten. (fri)

Mehr zur GKL-Tagung lesen Sie in der TASPO 20/2015.