Segway: „Der Navimow soll intelligente Entscheidungen treffen“

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger

Beim Navimow kann auf Begrenzungskabel verzichtet werden, außerdem soll er der derzeit leiseste Mähroboter auf dem Markt sein, wie Segway-Manager George Ren (Bild unten) betont. Fotos: Segway

Im September 2021 ließ Segway mit der Präsentation seines ersten Rasenmähroboters aufhorchen, ab diesem Jahr soll der Navimow auch im Handel erhältlich sein. Wir sprachen mit George Ren, General Manager bei Segway BU, über die Vorzüge und Funktionsweise des neuen Geräts sowie die weiteren Pläne des Unternehmens im Haus- und Gartenbereich.

Mit dem Namen Segway werden vor allem die von vielen Städtetouren bekannten, selbstbalancierenden Ein-Personen-Fahrzeuge verbunden. Warum wollen Sie jetzt auch den Gartengeräte-Markt erobern?

Segway verfügt bereits über eine umfassende Produktpalette, die sowohl Transportgeräte als auch Roboter umfasst. Roboter-Produkte waren schon immer ein wichtiger Geschäftsschwerpunkt von Segway – wir haben den mobilen Roboter-Begleiter Loomo, Lieferroboter sowie eine Robotic-Mobility-Plattform für Forscher und Entwickler. Wir wollten ein Produkt, das den Menschen mehr Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit bietet, insbesondere in diesen schwierigen Zeiten voller Unwägbarkeiten. Unser Wettbewerbsvorteil sind modernste Mobilitäts- UND Roboter-Technologien. Wenn wir beides kombinieren, sind wir zuversichtlich, dass wir die Leistung unserer Produkte gewährleisten und den Benutzern arbeitssparende und intelligente Lösungen bieten können.

Inwiefern konnten Sie bei der Entwicklung des Navimow auf die Technologie Ihrer bestehenden Produktpalette zurückgreifen?

In gewisser Weise sind alle Segway-Produkte Roboter, die hauptsächlich aus drei Teilen bestehen: dem Aktuator, den fusionierten Sensor-Informationen und dem Steuerungsalgorithmus. Der Navimow sollte wissen, wie er sich bewegt und intelligente Entscheidungen treffen, um in der jeweiligen Umgebung so effizient wie möglich zu arbeiten. Nehmen wir zum Beispiel den Steuerungsalgorithmus für selbstbalancierende Fahrzeuge: Er basiert auf einem umgekehrten Pendelmodell, um das Fahrzeug stets im Gleichgewicht zu halten. Wenn sich das Fahrzeug leicht nach vorne neigt, wird der Motor nach vorne beschleunigt, um der Neigung entgegenzuwirken, und andersherum. Beim Navimow sorgt der Steuerungsalgorithmus außerdem dafür, dass der Roboter bestimmten Strategien folgt und zuverlässig so arbeitet, wie er konzipiert wurde, sodass der Mäher stets die dynamische Stabilität beibehält und sich in einer systematisch geplanten Bahn bewegt.

Was zeichnet den Navimow aus, und wie unterscheidet er sich von anderen Mährobotern, die bereits auf dem Markt sind?

Die EFLS-Technologie ermöglicht es dem Navimow, ohne die Installation von Begrenzungskabeln im Garten zu arbeiten, was für die Kunden eine große Zeitersparnis bedeutet und uns von den meisten Mährobotern auf dem Markt abhebt. Darüber hinaus erhöhen die zentimetergenaue Positionierung und die systematischen Mähmuster die Effizienz und tragen zu perfekt gepflegten Rasenflächen bei. Außerdem liegt der Geräuschpegel des Navimow bei 54 dB und ist damit der niedrigste in der Branche. Er stört weder die Benutzer noch die Nachbarn, egal ob er frühmorgens oder nachts läuft.

Ihr Rasenmähroboter verwendet das von Ihnen erwähnte Exact Fusion Locating System (EFLS). Wie funktioniert dieses genau?

Im Grunde genommen basiert es auf dem RTK-Algorithmus. Wir verwenden das Differential Global Positioning System oder Differential-GPS. An der Ladestation ist eine Antenne installiert, die Signale von Satelliten empfangen kann. Sie fungiert als Basisstation. Eine weitere Antenne ist auf dem Mähroboter installiert. Sie empfängt die Signale von denselben Satelliten. Wie wir alle wissen, kommt es zu Fehlern, wenn sich das Signal durch die Wolken und die Atmosphäre ausbreitet. Wenn wir jedoch Differential-GPS verwenden, können diese Fehler eliminiert werden. Allerdings gehen die GPS-Signale manchmal trotzdem verloren, weil sie durch Bäume oder Gebäude blockiert werden.

Wir verwenden die Technologie der Sensorfusion, um Trägheitsnavigationssensoren, Wegmesser und viele andere Sensoren in den Lokalisierungsalgorithmus zu integrieren. Dadurch kann der Roboter eine Positionsgenauigkeit von zwei bis drei Zentimetern erreichen, selbst wenn das GPS-Signal vorübergehend ausfällt. Wenn wir diese Genauigkeit erreichen, kann der Mäher ferngesteuert werden, um eine virtuelle Grenze zu ziehen. Daher brauchen wir keine Begrenzungskabel. Und da wir eine hochgenaue Positionierung haben, können wir eine digitale Karte erstellen, mit der wir den Mäher auf einem geplanten Z-förmigen Pfad fahren lassen.

Wie kompliziert – oder einfach – ist es, dem Navimow die zu mähende Fläche „beizubringen“?

Die virtuelle Grenze, innerhalb der der Navimow arbeiten soll, lässt sich ganz einfach einrichten, indem Sie den Mähroboter mit dem Smartphone fernsteuern und durch Ihren Garten gehen, woraufhin eine Karte erstellt und gespeichert wird. Diese Karte lässt sich jederzeit ändern oder neu erstellen, wenn sich der Garten verändert und zum Beispiel ein neues Blumenbeet angelegt wird. Dazu muss nur die Navimow-App geöffnet und der Mäher erneut durch den Garten geleitet werden, um eine neue Sperrfläche hinzuzufügen – und das war‘s.

Wie groß dürfen die Rasenflächen generell sein, und reicht eine Akkuladung dafür aus?

Der Navimow ist je nach Modell für Gärten von bis zu 3.000 Quadratmetern geeignet. Das Spitzenmodell kann mit einer vollen Ladung vier Stunden arbeiten, die Ladezeit beträgt sechs Stunden.

Wichtige Aspekte bei Mährobotern sind die Sicherheit und die Verletzungsgefahr, beispielsweise für Kinder oder Haustiere. Wie sieht es hier beim Navimow aus?

Der Navimow ist mit fünf verschiedenen Sensoren ausgestattet. Hindernisse wie Blumentöpfe werden vom Gerät automatisch erkannt und umgangen. Kommen Kinder oder Haustiere zu nahe, schaltet sich sofort die Blade-Stop-Technologie ein und die Messer hören auf, sich zu drehen.

Inwieweit hat das Thema Nachhaltigkeit bei der Entwicklung Ihres Mähroboters eine Rolle gespielt?

Erstens wird der Mähroboter mit Strom betrieben und hat daher im Vergleich zu herkömmlichen dieselbetriebenen Rasenmähern geringere CO2-Emissionen. Außerdem wird durch den Verzicht auf Begrenzungskabel der Materialverbrauch gesenkt, was ebenfalls zu einem geringeren CO2-Ausstoß führt. Die extrem geräuscharme Arbeitsweise ist ebenfalls ein Beitrag zu mehr Umweltfreundlichkeit.

Wann wird Ihr Rasenmähroboter auf dem europäischen und insbesondere dem deutschen Markt erhältlich sein, wie viele verschiedene Modelle wird es geben und was werden sie kosten?

Unser Navimow wird im ersten Halbjahr 2022 auf dem europäischen Markt erhältlich sein. Es gibt derzeit vier verschiedene Modelle mit einem Preis zwischen 1.199 und 2.499 Euro.

Über welche Vertriebskanäle werden Sie die Mähroboter verkaufen?

Der Fachhandel und Amazon sind unsere vorrangigen Vertriebskanäle. Wenn weitere Produkte zur Navimow-Familie hinzukommen, planen wir, einige davon in Baumärkten zu vertreiben.

Wird es in Zukunft noch weitere Mähroboter oder auch andere Gartengeräte von Segway geben?

In den nächsten zwei bis drei Jahren werden wir uns auf Roboter-Rasenmäher konzentrieren. Navimow ist unser erstes Produkt, und wir hoffen, dass es unser bestes wird. Natürlich werden wir mit zunehmender Erfahrung in dieser Branche auch andere Gartengeräte für verschiedene Zwecke entwickeln. Langfristig hoffen wir, den Nutzern weitere hochwertige Produkte für den In- und Outdoor-Bereich anbieten zu können.

Wie wird sich die Robotik im Haus- und Gartenbereich Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Wir glauben, dass die Robotik die Haus- und Gartenbranche kontinuierlich mit KI-Technologien und revolutionären, intelligenten Funktionen ausstatten wird. Nehmen wir den Navimow als Beispiel: Produkte, bei denen Begrenzungskabel verwendet werden müssen und die sich willkürlich bewegen, gehören aus unserer Sicht zur ersten Generation. Der Navimow gehört für uns zur zweiten Generation – hier bietet uns EFLS bereits die Möglichkeit, auf physische Begrenzungskabel zu verzichten. Stattdessen wird hier mit virtuellen Begrenzungen gearbeitet, die Mäher bewegen sich systematisch und schneiden nach einem Muster.

Nun untersuchen wir die nächste Generation: Wir hoffen, Kameras einsetzen zu können, um mittels SLAM (= Simultaneous Localization and Mapping, zu Deutsch: Simultane Lokalisierung und Kartenerstellung) den Rasen und den übrigen Bereich abbilden zu können. Damit kann man den Mäher einfach auf den Rasen stellen, und dieser wird automatisch die Begrenzungen erkennen und eine Karte sowie Wegplanung erstellen.