Studie: Neonicotinoide verändern Sozialverhalten von Bienen

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Bienen haben ein sehr komplexes Sozial- und Brutpflege-Verhalten. Forscher wollten jetzt herausfinden, wie sich Pflanzenschutzmittel darauf auswirken. Foto: PollyDot/Pixabay

Neonicotinoide können sich störend auf das Brutpflege-Verhalten und die Larven-Entwicklung von Honigbienen auswirken. Zu diesem Schluss sind Forscher der Goethe-Universität Frankfurt jetzt gekommen, nachdem sie mittels einer neu entwickelten Videotechnik die komplette Entwicklung von Honigbienen im Bienenstock aufgezeichnet hatten.

Forscher filmen Bienenvölker über mehrere Wochen hinweg

Für ihre Studie konstruierten die Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt am Institut für Bienenkunde der Polytechnischen Gesellschaft einen Bienenstock mit einer Glasscheibe, in dem sie mit einem speziellen Kamera-Aufbau Brutzellen von insgesamt vier Bienenvölkern über mehrere Wochen hinweg filmen konnten. Um die Bienen nicht zu stören, nutzten die Forscher dabei Rotlicht und zeichneten alle Bewegungen der Bienen an den Brutzellen auf.

Das besondere Interesse der Wissenschaftler galt dabei dem Brutpflege-Verhalten der sogenannten Ammenbienen. Diese füttern die Bienenlarven nach dem Schlüpfen sechs Tage lang und verschließen dann die Brutzelle mit einem Deckel aus Wachs, sodass sich die Larve in einen Kokon einspinnen und zur ausgewachsenen Biene entwickeln kann. Dem Futter der Ammenbienen – ein Zuckersirup – mischten die Forscher für ihre Studie geringe Mengen an Neonicotinoiden bei. In natürlicher Umgebung gelangen diese Pflanzenschutzmittel durch Nektar und Pollen, den die Bienen sammeln, in das Bienenvolk.

Neonicotinoide im Futter lassen Ammenbienen Brutpflege vernachlässigen

Den Wissenschaftlern der Goethe-Universität zufolge können diese Wirkstoffe das Nervensystem der Insekten beeinflussen, indem sie den Rezeptor für den Nerven-Botenstoff Acetylcholin blockieren. Zudem stellten die Forscher nach Auswertung und Quantifizierung des gefilmten Brutpflege-Verhaltens der Ammenbienen fest, dass bereits geringe Dosen der Neonicotinoide Thiacloprid oder Clothianidin dazu führten, dass die Ammenbienen an einigen Tagen der sechstägigen Larven-Entwicklung weniger häufig und somit kürzer fütterten. Dadurch benötigten die Larven bis zu zehn Stunden länger in ihrer Entwicklung, was wiederum den Befall mit Schädlingen wie der Varroa-Milbe (Varroa destructor) im Bienenstock begünstigen kann.

„Wir konnten erstmals zeigen, dass Neonicotinoide auch das Sozialverhalten der Bienen verändern. Das könnte ein Hinweis auf die von anderen Wissenschaftlern beschriebenen Störungen der Brutentwicklung durch Neonicotinoide sein“, so Dr. Paul Siefert, der in der Arbeitsgruppe von Prof. Bernd Grünewald am Institut für Bienenkunde Oberursel die Experimente durchgeführt hat. Allerdings sei noch zu klären, ob die verzögerte Larven-Entwicklung auf die Verhaltensstörung der brutpflegenden Bienen zurückzuführen sei, oder ob sich die Larven durch veränderten Futtersaft langsamer entwickeln.

Weitere Studien sollen noch mehr Aufschluss geben

„Wir wissen aus anderen Studien aus unserer Arbeitsgruppe, dass sich durch Neonicotinoide die Konzentration von Acetylcholin im Futtersaft verringert. Andererseits haben wir beobachtet, dass sich bei höheren Dosierungen auch die frühe Embryonal-Entwicklung im Ei verlängert – in einem Zeitraum also, in dem noch nicht gefüttert wird“, so Siefert. Weitere Studien müssten nun klären, welche Faktoren hier zusammenwirken.