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Studie: Was Kunden mit Pflanzen anstellen

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Ist es eigentlich sinnvoll, dass die Grüne Branche an immer ausgefeilteren Produktionssystemen und an immer besseren Sorten arbeitet? Wenn man die Ergebnisse der Verbraucherstudie der Hochschule (HS) Geisenheim University betrachtet, könnte man zumindest bei Zierpflanzen zu dem Schluss kommen: „vergebliche Liebesmüh“.

Wie gehen Verbraucher in den eigenen vier Wänden mit ihren Zierpflanzen um? Das versuchten Wissenschaftler der Hochschule Geisenheim herauszufinden. Foto: Pixabay

Ficus ohne Licht, Topfrose neben dem Wasserkocher

Denn was der Kunde anschließend mit grünen und blühenden Zierpflanzen in seinen eigenen vier Wänden veranstaltet, kann einen durchaus erschaudern lassen: Von zurückgeschnittenen Poinsettien mit einem einzigen Blatt oder in die dunkle Abstellkammer gestellt, vom Ficus ohne Licht, aber direkt neben der Heizung, der Topfrose neben dem Wasserkocher und sogar von einer Callune, die – schon längst abgestorben – immer noch als Tischschmuck diente und regelmäßig über ein halbes Jahr weiter gegossen wurde, berichten Dorothee Dietrich und Bernd Wittstock von der HS Geisenheim.

Die beiden hatten im Rahmen eines Forschungsprojekts Verbraucher bei der Pflege ihrer Pflanzen beobachtet: Jeweils fünfmal besuchten sie ein Jahr lang 30 Haushalte, die sie zuvor mit verschiedenen Zierpflanzen versorgt hatten, verfolgten den Umgang und das Gedeihen oder Sterben der Pflanzen und erhoben Messdaten der Standortbedingungen.

Viele Pflanzen enormem Stress ausgesetzt

Die Messdaten ergaben, dass im Schnitt nur fünf Prozent der Tageslichteinstrahlung in den Wohninnenraum gelangen. Viele Pflanzen waren dort enormem Stress ausgesetzt: von hohen Heizungstemperaturen bis zu immensen Luftfeuchtigkeitsschwankungen.

Oft wählt der Verbraucher deren Standort bewusst eher nach Optik („passt dort gut zur Einrichtung“) statt nach Pflanzenfreundlichkeit, viele modernere Häuser verfügen zudem gar nicht mehr über passende Pflanzenstandorte wie Fensterbänke, viele haben einen Kamin, neben dem die eine oder andere Pflanze ihren Platz zugeteilt bekommt – fatal im Winter.

Gegossen wird von den wenigsten Besitzern in einem echten Gießrhythmus – die Gießspannen liegen zwischen zweimal in der Woche bis zweimal im Monat, gedüngt wird so gut wie nie, gleiches gilt fürs Umtopfen. „Die Pflegebereitschaft der Verbraucher ist recht eingeschränkt, Pflanzen sollen eher ,funktionieren‘“, wissen Dietrich und Wittstock.

Manche Verbraucher bauen Beziehung zur Pflanze auf

Ausnahmen gibt es aber auch: Die eine oder andere Pflanze wird über Monate oder sogar Jahre weiter am Leben erhalten. Ein Haushalt pflegte seinen Weihnachtstern so gut, dass er zur großen Grünpflanze wurde, ein anderer hegte und pflegte einen Philodendron schon mehr als 45 Jahre.

Tatsächlich fanden die beiden Wissenschaftler auch heraus, dass einige Verbraucher durchaus eine Beziehung zu ihren Pflanzen entwickeln – besonders gerne, wenn diese zu einem bestimmten Anlass geschenkt wurden. Wegwerfen fällt einigen Kunden sehr schwer.

Welche Rückschlüsse ziehen die beiden jungen Wissenschaftler aus ihren Untersuchungen? „Temperatur und Einstrahlung sind die wesentlichen Faktoren, an die man eine Pflanze schon in der Produktion adaptieren sollte.“ Es sei wichtig, Sorten zu suchen, die besonders robust gegen viele Unbilden des Wohnraumklimas gewappnet sind. Denn der Verbraucher erwarte schon, dass er schöne und robuste Pflanzen bekommt, die möglichst lange gut aussehen und wachsen.

Negative Erfahrungen schrecken vom nächsten Kauf ab

„Negative Erfahrungen, beispielsweise mit einem Weihnachtsstern, sind so tief in den Köpfen, dass im Frühjahr dann auch keine Beet- und Balkonpflanzen gekauft werden“, warnen Dietrich und Wittstock. Kaum ein Endverbraucher wisse Gründe dafür, warum seine Pflanzen nach und nach an Vitalität und Wachstum verlieren, obwohl er doch „alles“ für sie getan habe. „Der Beratungsbedarf beim Verbraucher ist riesig“, sagen beide.