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Südhessischer Kräutertag: Freilandanbau und Bewässerung

Das im Feldgemüsebau schon etablierte Verfahren der Geisenheimer Bewässerungssteuerung lässt sich auch beim Freilandanbau von Kräutern gut anwenden. Professor Dr. Jana Schaller – die neue Leiterin des Fachgebiets Gemüsebau der Forschungsanstalt Geisenheim – sprach dies bei ihrem Vortrag zum Thema „Bewässerung” auf dem Kräutertag in Geisenheim an.

Als Nachfolgerin von Professor Dr. Peter-Jürgen Paschold leitet Jana Schaller seit Dezember 2010 dieses Fachgebiet.

Bei der Geisenheimer Steuerung wird der Wasserbedarf der Kulturen mit klimatischen Wasserbilanzen bestimmt. Hierbei sind Bewässerungsmengen nach dem Wasserverbrauch der einzelnen Gemüsearten, den Entwicklungsstadien der jeweiligen Kulturen sowie den Bodeneigenschaften festgelegt.

Einbezogen in diese Methode wurden die nach festgelegten Verfahren ermittelte Verdunstung sowie der lokale Niederschlag. Um die Wasserbilanz zu ermitteln, haben die Geisenheimer im Lysimeter sowie mit Feldversuchen für einen großen Teil der Gemüsekulturen sogenannte Korrekturfaktoren (kc-Werte) erarbeitet.

Seit 2009 gibt es solche mit Lysimeterversuchen ermittelten kc-Werte auch für Petersilie und damit für eine erste Kräuterart. Im Lysimeter die kc-Werte für Dill zu ermitteln, zählt zum Versuchsprogramm 2011 in Geisenheim. Außerdem wird das Fachgebiet in diesem Jahr die bekannten kc-Werte bei Petersilie unter Freilandbedingungen evaluieren. Gleiches gilt für die kc-Werte von Erbsen, Bundzwiebeln und Radieschen.


Bewässerungssteuerung

Wie Schaller ausführte, sind die Korrekturwerte hinsichtlich Petersilie wie folgt festgelegt:

-kc-Wert 0,3 vom Stadium des Auflaufens bis zum Vierblattstadium,

-ab fünf Blätter = kc-Wert 0,8,

-nach der ersten Aberntung = kc-Wert 1,2.

Bei dem Versuch mit der Petersiliensorte ‘Grüne Perle’, womit das Geisenheimer Fachgebiet diese Werte ermittelte, wurde die Bewässerungsmenge nach drei Feuchtestufen variiert:

Variante 1 mit dem höchsten Wasserangebot = 60 bis 90 Prozent nutzbare Wasserkapazität, Gesamtwasserverbrauch = 715 Millimeter; diese Variante brachte die höchsten Erträge (6,37 Kilogramm Frischmasse pro Quadratmeter, drei Ernteschnitte).

Variante 2 mit einem mittleren Wasserangebot = 40 bis 70 Prozent nutzbare Wasserkapazität, der Gesamtwasserverbrauch betrug 681 Millimeter; Ertrag = 5,85 Kilogramm Frischmasse pro Quadratmeter und damit etwas weniger als bei Variante 1.

Variante 3 mit dem geringsten Wasserangebot, nämlich nur 20 bis 50 Prozent nutzbare Wassserkapazität; dies führte zu einem Gesamtwasserverbrauch von 613 Millimetern; bei dieser Variante gab es bei den drei Ernteschnitten nur einen Ertrag von 4,56 Kilogramm Frischmasse je Quadratmeter und somit deutlich weniger als bei den Varianten 1 und 2.

Insgesamt gesehen stieg der Wasserbrauch von anfangs einem Millimeter pro Tag ab dem 20. Tag nach dem Auflaufen bis zum 50. Tag fast kontinuierlich an auf etwa sechs Millimeter pro Tag bis zum ersten Erntetermin; nach dem Wiederaustrieb war der Wasserbrauch jeweils vor dem zweiten und dritten Erntetermin auf etwa acht Millimeter pro Tag angestiegen. Der dritte Schnitt erfolgte etwa 150 Tage nach der Aussaat.


Schwimmhydroponik

Für die Kultur von Topfkräutern im Gewächshaus kann die Schwimmhydroponik interessant sein. In ihrem Vortrag beim Kräutertag stellte Professor Dr. Jana Schaller dies am Beispiel des Basilikums heraus.

Ähnlich wie bei der Hydrokultur von Zierpflanzen stehen die Topfkräuter beim Schwimmhydroponik-Verfahren auf einer Nährlösung. Sie kommen in Styroporpaletten, die bei der Produktion dieser Topfkräuter auf einer Nährlösung „schwimmen“.

Nach Geisenheimer Versuchsergebnissen entwickeln sich Basilikum, Dill und Zitronenmelisse während des Sommers in der Schwimmhydroponik sehr gut. Petersilie und Thymian benötigen bei diesem Verfahren ein gut dräniertes Substrat. Dies gilt vor allem bei Verwendung kleiner Töpfe. Die Vernässungsgefahr nimmt mit zunehmender Topfgröße ab.

(Quelle: „Schwimmhydroponik für Topfkräuter“, Poster von Peter-Jürgen Paschold und Norbert Mayer/Forschungsanstalt Geisenheim)

In ihrem Kräutertags-Vortrag erwähnte Jana Schaller ein Versuchsergebnis zu Basilikum in Schwimmhydroponik, verglichen mit Basilikum in Torfsubstrat und mit Anstaubewässerung. In der Variante mit Schwimmhydroponik war die eine Hälfte der Pflanzen in Torfsubstrat, die andere Hälfte in Holzfasersubstrat.

Die Variante Torfsubstrat/Schwimmhydroponik erreichte das beste Ergebnis mit etwa 41 Gramm Frischmasse pro Topf. Etwa gleichauf waren die Varianten Torfsubstrat/Anstau und Holzfasersubstrat/Schwimmhydroponik mit jeweils etwas über 30 Gramm Frischmasse pro Topf.