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Tulpen unter LED: Familienunternehmen Maatschap Kreuk auf Energiesparkurs

Familienunternehmen Maatschap Kreuk ist auf Energiesparkurs und den Tulpen verfallen. Das Familienunternehmen produziert seine eigenen Zwiebeln, um sie dann in der Treiberei als begehrte Schnittblume ernten zu können. Dabei setzen drei Produktionsebenen im Gewächshaus und LED-Licht neue Standards im Bereich der Energieeinsparung.

Tulpen aus Holland – das ist weltweit ein Symbol. Viele niederländische Betriebe sorgen dafür, dass es dabei auch bleibt und dass der Nachschub an Zwiebeln und Schnittblumen nicht abreißt. Einer dieser Spezialisten ist Niels Kreuk, der sich seit 1993 mitten in einem der großen holländischen Anbaugebiete für Blumenzwiebeln nördlich von Amsterdam und nahe der Nordseeküste auf die Produktion von Tulpenzwiebeln und deren Treiberei konzentriert.

So wie bei Kreuk gibt es nur noch wenige Betriebe, die sich ihre Zwiebeln als Ausgangsmaterial für die Treiberei selbst heranziehen. Rund 17 Hektar stehen dafür zur Verfügung, die sich aufgrund der besseren Grundstücke im Flevoland rund um Lelystad, östlich von Amsterdam befinden. Der Tulpenspezialist konzentriert sich derzeit auf 17 Sorten.

Jedes Jahr wird das Sortiment kritisch beurteilt, um dann im Durchschnitt eine Sorte auszutauschen. Die wird von den entsprechenden Züchtern zugekauft und dann in eigener Regie vermehrt. „Die eigene Zwiebelproduktion ist zwar aufwendig und bedingt durch unkalkulierbare Witterungseinflüsse auch nicht immer effektiv“, erzählt Niels Kreuk, „aber einerseits steht uns die gesamte Technik dafür zur Verfügung und kann genutzt werden, und andererseits können wir exakt die Qualität produzieren, die unsere Treiberei benötigt“.

Die Kriterien für eine gute Sorte stehen dabei natürlich im Zeichen einer Gewinnmaximierung: sie muss ausreichend Zwiebeln produzieren, einfach zu produzieren und gut zu treiben sein. Darüber hinaus muss sie sich in Farbe, Form und Gewicht (danach werden Tulpen gehandelt) gut am Markt verkaufen lassen.

Auffällig ist in Kreuk’s Sortiment der hohe Anteil an weißen Sorten. Von den jährlich fast zehn Millionen produzierten Tulpen sind rund 40 Prozent dieser Farbgruppe zuzuordnen. „Das hat mit unserer Produktionsweise zu tun“, erklärt der Zwiebelspezialist. „Wir treiben die meisten Sorten auf Wasser, welches in einem geschlossenen System zirkuliert, über Spezialfilter gereinigt, mit UV-Licht desinfiziert und permanent kontrolliert wird. Dadurch gibt es keine Probleme mit Fusarium. Und da viele weiße Sorten anfällig für Fusarium sind, haben wir uns vornehmlich darauf konzentriert und nutzen so aufgrund der besseren Preis Vorteile am Markt“.

Mit einem leicht besseren Preis für weiße Tulpen wollte sich Niels Kreuk aber nicht zufrieden geben. Wie seine Kollegen auch spürt er den ständig wachsenden Preisdruck, dem die Tulpentreiberei ausgesetzt ist. Mit einer Temperatur von rund 20 Grad Celsius in der kältesten Jahreszeit etwa von Anfang Dezember bis Mitte April ist der Aufwand an Energie entsprechend hoch. Dazu kommt die Energie für die Trocknung der Zwiebeln und die Kühlung vor der Treiberei bei rund neun Grad Celsius. Das wäre alles kein Problem, wenn für das Endprodukt entsprechende Preise gezahlt werden würden. Aber der Markt für Tulpen ist hart umkämpft und wird von einigen großen Verteilern beeinflusst. Treibtulpen gelten inzwischen als Massenware und werden in Discountern zu Niedrigstpreisen verkauft.

Niels Kreuk stand vor der Wahl: entweder mitmachen und in Technik zur Reduzierung der Kosten investieren oder sich andere Bereiche suchen. Er entschied sich für die Technik und investierte 2010 in ein neues Gewächshaus mit einer dreistöckigen Produktionsfläche plus LED-Licht, einer hochmodernen innerbetrieblichen Logistik, einem Niedertemperatur-Heizkessel und einem neuen Klimatisierungskonzept. Heute verfügt der Unternehmer dadurch weltweit über eine der modernsten Tulpentreibereien.

Am unspektakulärsten ist dabei noch das Gewächshaus selber. Es ist der übliche Venloblock mit normaler Lüftung und Einfachglas. Bemerkenswert ist allerdings die Höhe mit rund sieben Metern (Traufe). Das erforderte schon einige statische Besonderheiten, um vor allem den Windkräften direkt an der Küste standhalten zu können. Die Grundfläche des neuen Gewächshauses beträgt nur 1.500 Quadratmeter – eine für holländische Verhältnisse schon fast lächerliche Dimension. Aber durch die drei Kulturlagen ergibt das eine Netto-Produktionsfläche von 3.400 Quadratmetern, ausreichend für die Treiberei von jährlich zehn Millionen Tulpen. Mit den drei Lagen reduziert sich entsprechend der Energieaufwand, denn geheizt wird ja jeweils nur die Grundfläche.

Drei Produktionsebenen zwingen aber zu weiteren besonderen technischen Maßnahmen. Die Tulpentreiberei erfordert zwar nur einen Bruchteil jenes Lichtangebotes normaler Gewächshauskulturen, ist aber trotzdem auf Licht angewiesen. Niels Kreuk suchte lange Zeit nach entsprechenden Möglichkeiten und hat sich dann für das moderne „Green Power“ LED-Produktionsmodul von Philips entschieden. Diese Module sind speziell für Mehrlagenkulturen konzipiert und werden beispielsweise mit einer Länge von 153 Zentimetern, einer Leistungsaufnahme von 35 Watt und einem Photonenstrom von 62,5 µmol/s je Modul angeboten. Diese können in der genannten Ausführung eine herkömmliche TL-Installation mit zwei 58 Watt Leuchtstoffröhren ersetzen und sparen damit etwa 60 Prozent an Energie.

Für Niels Kreuk stand vor allem der geringe Energieverbrauch, verbunden mit der moderaten Wärmeentwicklung der Lampen im Vordergrund. Aufgrund der geringen Wärmeentwicklung moderner LED-Lampen lassen sich so Mehrschicht-Kultursysteme konstruieren, die beispielsweise in der In-vitro-Kultur oder in der Jungpflanzenanzucht ganz ohne Tageslicht auskommen. Das ermöglicht eine optimale Ausnutzung von Grundflächen mit einer bestmöglichen Isolierung der Systeme gegen Energieverluste.

Niels Kreuk erzählt, dass es im Prinzip auch bei den Tulpen möglich wäre, dass aber die Pflanzenqualität mit Tageslicht doch noch entscheidend besser ist. Deshalb wechselt er in einem ausgeklügelten Schema je nach Entwicklung der Tulpe deren Position, wobei auch hier modernste Technik zum Einsatz kommt. Im Mittelpunkt steht dabei ein Roboter mit Computersteuerung, wie er aus der Hochregal-Lagertechnik bekannt ist.

Wo welches Entwicklungsstadium letztendlich ihren neuen Standort findet, entscheidet nicht nur der Lichtbedarf, sondern auch der Pflegeaufwand. Auf der untersten Ebene befinden sich die Tulpen immer dann, wenn sie bearbeitet werden müssen, zum Beispiel um lose Zwiebelschalen zu entfernen, damit die Blütentriebe nicht hindurch wachsen. Hier kommt auch ein Lampentyp zum Einsatz, der neben dem für den Pflanzenwuchs wichtigen dunkelroten Spektralbereich über weiße LEDs verfügt. Das ist ein Eingeständnis an das menschliche Auge, um unter den Lichtbedingungen gut sehen zu können. Tageslicht erhalten alle Tulpen in ihrem Treibzyklus, um eine optimale Qualität zu erhalten. Erst dann gelangen sie über Förderbänder in die Arbeitshalle und werden dort geerntet, sortiert, gebündelt und verpackt.

Die neuen „Green Power“ LED-Produktionsmodule von Philips sind bei Kreuk seit Ende 2011 im Einsatz. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Lichtfarbe für die Treiberei im Prinzip gut geeignet ist, die Blüten aber unter Tageslicht besser aufgehen oder die Blüten unter dem LED-Licht geschlossener bleiben (was unter Umständen auch auf die höhere Temperatur der obersten Lage direkt unter dem Dach zurückzuführen ist). Niels Kreuk nutzt diesen Effekt, um steuernd auf die Kultur eingehen zu können. Kurz vor der Ernte kommen die Pflanzen wieder unter Kunstlicht, damit sie nicht zu schnell treiben beziehungsweise lässt sie dort, wenn der Handel Bedarf signalisiert.

Interessant sind auch die Beobachtungen mit den LED-Modulen in den lichtarmen Wintermonaten Dezember und Januar. Niels Kreuk berichtet über ein satteres Grün seiner Tulpen unter den LEDs und führt das auf ein höheres Lichtangebot gegenüber dem Tageslicht in der Jahreszeit zurück.

Bleibt noch die Frage, in welcher Größenordnung die moderne Technik dazu beiträgt, Energie einzusparen. Verblüffend zunächst die Antwort von Niels Kreuk darauf, dass der Stromverbrauch durch den Betrieb der LED-Module gestiegen ist (verglichen mit der normalen Kultur nur unter Tageslicht). Dem gegenüber steht aber ein erheblich verminderter Verbrauch an Gas. Auf die einzelne Tulpe umgerechnet, bedeutet das insgesamt eine Reduzierung des Energieeinsatzes von rund 30 Prozent.

„Sicherlich lässt sich auch noch weitere Energie einsparen, indem die Temperatur während der Treibphase von 20 auf 17 Grad Celsius oder auch tiefer gestellt wird“, ergänzt der Unternehmer. „Irgendwann leiden aber Wachstum, Gewicht und Qualität. So bleibt trotz modernster Technik immer der gärtnerische Spürsinn, um die richtige Entscheidung zu treffen.“

Unterstützt werden Kreuk’s Bemühungen zur Energieeinsparung zudem durch mehrere Niedertemperatur-Heizkessel, bei denen die Temperatur nicht über 70 Grad Celsius steigt. Das mindert die Kondensation der Abgase, führt zu einer besseren Nutzung des Energieträgers und erhöht den Wirkungsgrad der Anlage. Darüber hinaus ist das neue Gewächshaus mit einem Energieschirm XLS 10 Revolux und zusätzlich mit einem Verdunklungstuch ausgerüstet. Die Verdunklung ist für die Kultur natürlich nicht notwendig und auch im Sinne der Energieeinsparung Luxus. In den Niederlanden besteht aber nachts von 23 bis 6 Uhr ein Belichtungsverbot, um Beeinträchtigungen durch das Kunstlicht auf Mensch und Natur zu vermeiden. Wird trotzdem Kunstlicht benötigt, bleibt nur eine entsprechende Abdunklung.

Weitere Prozente in der Energieeinsparung hofft Niels Kreuk durch eine bessere Klimatisierung herausholen zu können. Das Haus wird demnächst in drei Temperaturzonen aufgeteilt und über Luftschläuche je nach Bedarf und Entwicklung der Tulpen mit Wärme aus dem Dachbereich oder Kälte von Außen versorgt. Kommentar des findigen Gärtners dazu: „Mir standen die Lüftungsklappen in letzter Zeit zu lange offen – das sind Energieverluste und muss sich noch ändern.“ (EP/Peter Springer)