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Umweltfreundliche Technologie: Saatgutbeizung ohne Chemie

Im Rahmen einer Veranstaltung der ELBE Saat am 30. und 31. Januar 2013 in Dresden stellten die Nordkorn Saaten GmbH, die BayWa AG und das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) eine umweltfreundliche Technologie zur Behandlung von Saatgut mit Elektronen vor.

Für die Anwendung der E-Pura-Technologie steht eine mobile Saatgut-Behandlungsanlage mit einer Stundenleistung von bis zu 30 Tonnen Saatgut zur Verfügung. Werkfoto

Obwohl die Saatgutbeizung mit chemischen Mitteln als bislang effektivste Methode des Pflanzenschutzes hinsichtlich der benötigten Wirkstoffmenge, der zielgenauen Anwendung und des Anwenderschutzes gilt, gerät auch diese Technologie aktuell in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit.

Hintergrund dazu ist die bereits vor einigen Jahren entbrannte Debatte über den Einsatz von Neonicotinoiden (einer Gruppe hochwirksamer Insektizide) in der Landwirtschaft. Das Ausbringen von gebeiztem Maissaatgut mittels pneumatischen Einzelkornsägeräten hatte im Jahr 2008 zur massiven Schädigung von Bienenpopulationen im Rheintal geführt. Als Ursache dafür war der Wirkstoff Clothianidin ermittelt worden. Die EU-Kommission hat daraufhin die Empfehlung ausgesprochen, den Einsatz der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacioprid und Thiametoxam für zwei Jahre zu verbieten.

Das Thema wird aktuell von Politik, Wissenschaft, Pflanzenschutzmittel-Industrie und Landwirten intensiv diskutiert, da die Saatgutbeizung mit Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Neonikotinoide einen unverzichtbaren Beitrag zur Nachhaltigkeit der europäischen Landwirtschaft leiste, wie der Industrieverband Agrar (IVA) betont. Bedeutend sei darüber hinaus der sozio-ökonomische Wertbeitrag, der sich mittelfristig (fünf Jahre) auf bis zu 17 Milliarden Euro; 50.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft belaufe.

Aber auch unabhängig vom konkreten Schadensfall fordern neue Gesetzgebungen und Richtlinien in Deutschland und der Europäischen Union die nachhaltige Einschränkung der Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel und den Ersatz durch neue, alternative Verfahren und Methoden. Dem kommt eine umweltfreundliche Technologie zur Behandlung von Saatgut mit Elektronen entgegen, die Ende Januar dieses Jahres von der Nordkorn Saaten GmbH, der BayWa AG und dem FEP in Dresden vorgestellt wurde.

Das Verfahren unter der Bezeichnung „E-Pura“ ermöglicht laut Information die Saatgutbeizung ohne Einsatz chemischer Mittel. Demzufolge werde das vorgereinigte Saatgut vereinzelt und durch eine spezielle Behandlungszone geführt, in der niederenergetische Elektronen die Samenkörner von allen anhaftenden Krankheitskeimen befreien.

Der Vorteil des Verfahrens bestehe darin, dass sich die Wirkung der Elektronen auf die Samenschale begrenzen lasse, wobei Endosperm und Embryo des Saatkorns unberührt blieben. Beim Eindringen in das Korn gebe das Elektron einen Großteil seiner Energie ab. Das führe beim Zusammentreffen mit Krankheitserregern, die am Samenkorn haften, wie zum Beispiel Pilzsporen, Bakterien oder Viren, zum Abtöten der Mikroorganismen. Das Saatgut werde dabei nicht erwärmt, wodurch die Keimfähigkeit vollständig erhalten bleibe.

Das physikalische Verfahren, welches mehrfach auch für die ökologische Landwirtschaft empfohlen wurde, liefere eine Vielzahl von Vorteilen für Umwelt und Anwender, so die Information des Fraunhofer-Institutes: Saatgutüberschuss könne problemlos verfüttert werden, Schädlinge könnten zudem keine Resistenzen ausbilden. Darüber hinaus würden Anwender besonders die Vermeidung von Beizstaub, die bessere Fließfähigkeit des Saatguts und den schnelleren Feldaufgang positiv bewerten.

Die Wirksamkeit der Saatgutbehandlung mit Elektronen wurde laut Information von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, in Zusammenarbeit mit dem FEP Dresden, nach jahrelangen Untersuchungen für alle Wintergetreidearten amtlich bestätigt und nachgewiesen.

Demnach konnte eine sehr gute bis mittlere Wirkung gegen Weizensteinbrand (Tilletiacaries), Roggenstängelbrand (Urocystisocculta), Blatt- und Spelzenbräune (Septorianodorum), Streifenkrankheit Gerste (Drechsleragraminea), samenbürtige Fusarium-Arten und Schneeschimmel (samenbürtig; Microdochium nivale) erzielt werden.

In zahlreichen Exakt- und Praxisversuchen zeigte sich eine Gleichwertigkeit von Elektronenbehandlung und chemischer Behandlung. Auch im direkten Ertragsvergleich zwischen den beiden Varianten konnten keine Unterschiede verzeichnet werden.

Auf Anfrage der TASPO bestätigte Frank-Holm Rögner, Abteilungsleiter E-Prozesse am FEP, dass über zehnjährige Versuche zeigen, dass das Verfahren auch für viele Gemüse-Saaten geeignet sei. Nähere Informationen dazu gäben bereits veröffentlichte Broschüren des Julius-Kühn-Institutes. „E-Pura“ werde zwar momentan hauptsächlich im Bereich des Getreidesaatgutes verwendet, jedoch gäbe es regelmäßige Dienstleistungen zur Behandlung von Gemüsesaatgut für etliche Saatgutproduzenten aus diesem Bereich.

Da die vorhandene Anlagentechnik jedoch derzeit noch nicht optimal sei, habe sich das Verfahren bislang nicht großflächig durchsetzen können. Aktuell würden aber Gespräche darüber geführt, wie im Gemüsebereich, sowohl die Anlagen- und Technologieentwicklung als auch den mikrobiologischen Wirknachweis betreffend, Lösungen gefunden werden könnten. Ziel sei es, ein Projektkonsortium zu bilden. (ts/ks)