TASPO GartenMarkt

VDG-Wintertagung: Erfahrungen mit Bewirtung

Das Gartencenter Höppener (Baesweiler) entschloss sich vor vier Jahren, ein Café einzurichten – und hat es nicht bereut. „Dem Kunden ein Mehr an Erlebniseinkauf durch Kaffee und Kuchen zu bieten – ohne geht es heute nicht mehr“, sagte Dr. Ruth Höppener auf der Wintertagung des Verbandes Deutscher Garten-Center am 15. Januar 2012, im Gartencenter Herde in Dortmund-Sölde. 

Die anfängliche Verpachtung an einen örtlichen Bäcker erwies sich als Misserfolg. Das Café wird heute mit Schwerpunkt Frühstück, Snacks und Salaten selbst betrieben. Der Umsatzanteil von Kaffee und Kuchen liegt im Café bei 60 Prozent, das Frühstück bei 30 Prozent. „Wir bedienen am Tisch, das ist teurer, aber das Feedback der Kunden bestätigt diese Entscheidung.“ Ziel ist, dass das Café eine Zugkraft entwickelt, die Kunden unabhängig vom Gartencenter anzieht. Es soll ein Ausflugsziel werden. Der beauftragte Konditormeister fertigt Spezialitäten für das Café, die es sonst nicht gibt.

Mittags liefert ein Convenience-Anbieter Tiefkühl-Halbfertigware an. Das Anrichten der Speisen wird nicht dem Zufall überlassen, andererseits sollen die Abläufe im Café zunehmend standardisiert werden. „Mit der Leitung des Cafés hatten wir Glück“, so Höppener. Die aus der Gastronomie stammende Mitarbeiterin habe ein Gespür für Dienstleistung und gute Personalführung. So ergab sich eine „tolle Truppe, die Spaß hat, sich um unsere Gäste zu kümmern“. Beworben wird das Café in jeder Anzeige, die für das Gartencenter läuft.

Der Pro-Kopf-Umsatz im Café liegt bei 4,80 Euro, das entspricht, wie Höppener berechnete, 79 Cent pro Gartencenter-Kunde. Das Café verdoppelte seinen Umsatz bereits im zweiten Jahr. Den Erfolg sieht Höppener in der Mischstrategie: keine Niedrigpreise bei Kuchen, dafür aber ein Discount-Frühstück ab 2,49 Euro. Mit den Worten: „Das Café ist inzwischen ein Muss für uns“, ermunterte sie ihre Kollegen, es ihr nachzutun.

Die Gebrüder Roth in Zwönitz entschieden sich für ein Café Bistro und gaben ihm den Namen „Bella Flora“. Es ist an einen Fleischermeister verpachtet, die Finanzierung wurde über eine Unternehmensgründung und einen damit verbundenen Zuschuss erleichtert. Kultverdächtig und Highlight im Café ist eine spezielle Kaffeemaschine aus Florenz. Der Kaffee stammt aus einer regionalen Rösterei (Dresden). Roth führt das Café im Selbstbedienungs-Betrieb, ältere Menschen werden auf Wunsch bedient.

Gut entwickeln sich der Partyservice und Präsentkörbe. Zusatzsortimente wie Weine und Liköre besonderer Herkunft seien in diesem Zusammenhang nützlich, unterstrich Joachim Roth. Zunehmend gibt es Anmeldungen für Geburtstagstafeln, an die die Café-Räume vermietet werden. „Nächste Woche erwarten wir 100 Gäste“, so Roth. Das Café hat maximal 120 Plätze. Aktionen wie Nudelwochen, Schlachtfeste oder Bayerische Spezialitäten runden das kulinarische Angebot im Gartencenter Roth ab.

Das Gartencenter Herde fing mit 40 Plätzen im Café an und hat sie mittlerweile auf das Doppelte erweitert. Dafür gab es Umstrukturierungen im Zimmerpflanzenbereich. Die weitere Sitzecke ist direkt angebunden an die Grünpflanzenabteilung. „Gerade im Winter waren wir froh, dass wir das Bistro haben“, berichtete Dirk Michel. „Es ist rappelvoll.“ Sechs bis sieben Personen, davon zwei Voll-Arbeitskräfte, sind für den Betrieb zuständig. Besonders stark ist die Frühstücks-Nachfrage, gefolgt vom Mittagstisch, aber auch Kaffee und Kuchen gehen bis zum Abend hin gut.

In der Diskussion verwies Heiner Schlößer (Moers) darauf, dass man ein Café als eigenes Profitcenter betreiben kann, wenn die Öffnungszeiten unabhängig vom Gartencenter sind oder sich das Café räumlich unabhängig vom Gartencenter betreiben lässt, etwa für gebuchte Veranstaltungen am Abend.
Eckhard Heinemann, Gartenfachmarkt Grönfingers in Rostock, ergänzte: Besonders in umsatzschwachen Monaten generiert ein Café Zusatzumsätze und Neukunden. Die Zusatzumsätze resultieren nicht nur aus dem Café-Umsatz selbst, sondern aus den Verkäufen im Gartencenter. Ein geschicktes Marketing könne dies noch unterstützen.

Im Restaurant Botanica hat sich die Bedienerlösung durchgesetzt: Die Höhe des Warenbons sprach dafür, so Heinemann. Mit einer besonderen Trinkgeldlösung fördert der Rostocker Gartenfachmarkt das Denken im Team. Durch das Trinkgeld im Restaurant fallen pro Stunde für jede dort tätige Arbeitskraft 1,50 bis zwei Euro an, die unabhängig von den Arbeitsgebieten – einschließlich Küche – gleichmäßig aufgeteilt werden. (rve)