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Ventilatorwirkung mit Luftballons messen: Testsets auf der IPM erhältlich

In Produktionsgewächshäusern sind Ventilatoren zu einer unverzichtbaren Inneneinrichtung geworden. Untersuchungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) haben in vielen Praxisbetrieben mit aufwendiger Messtechnik jedoch noch viele kritische Einbauergebnisse gezeigt. Für die Praxis ist der Aufwand ungeeignet. Mitarbeiter der LWK haben daher eine äußerst einfache und anschauliche Methode zur Kontrolle in jedem Gewächshaus erarbeitet – mit normalen Luftballons! 

In jedem Teilabteil des Gewächshauses werden zwölf Ballons kurz über der Pflanzenebene aufgehängt. Die gute Messqualität wird durch den langen Faden (beispielsweise dünne Angelschnur am Unterzug oder Gitterbinder) erreicht, wodurch der Ballon am langen Pendel, ohne Widerstand, jede Luftbewegung mitmacht. In verwinkelten Häusern werden in den kritischen Ecken zusätzliche Ballons aufgehängt.

Nun wird die normale Ventilatorstufe angestellt. Der enorme Vorteil gegenüber Handmessgeräten ist, dass praktisch von einem Standort alle Ballons (Messorte) kontinuierlich beobachtet werden können. Diese Datenqualität wäre mit Thermoanemometern (elektronische Sensoren) nur mit höchstem Datenloggeraufwand möglich. Wir beurteilen die Testanlagen mittlerweile hauptsächlich mit dem „Luftballon-Anemometer“ und können fast ganz auf die teuren Messgeräte verzichten.


Anwendungsbeschreibung und Bewertungsskala

Die Luftballons mit normaler Luft aufblasen und mit einem feinen, leicht beweglichen Faden (Angelschnur) möglichst lang, also hoch aufhängen, sodass der Ballon kurz über den Pflanzen pendeln kann. Die Ventilatoren ausstellen und den Energieschirm schließen. Möglichst alle Türen schließen, damit die Luft „zur Ruhe“ kommen kann. Dann ist es hilfreich, unter den still hängenden Ballons eine Markierung für diesen Ruhepunkt zu legen. Die Ventilatoren wieder in normaler, üblicher Drehzahl einschalten – schon nach sehr kurzer Zeit werden die Ballons leicht schwingen.

Es wird eine Luftgeschwindigkeit, kurz über den Pflanzen von größer 0,05 bis rund 0,2 Meter pro Sekunde angestrebt. Damit bewegen sich die Ballons rund zehn bis 30 Zentimeter um ihren Ruhepunkt. In guten Anlagen schwingen wirklich alle Ballons gleichmäßig, in schlechten Anlagen sind deutliche Schwingungsunterschiede zu erkennen, dann ist vom Installateur Nachbesserung zu fordern.


Testsets mit 20 Luftballons auf IPM in Halle 1a erhältlich
Damit Sie sofort anfangen können, haben wir Ihnen ein Testset mit 20 Luftballons und einer Anleitung in Halle 1a der IPM 2014 am Informationsstand der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bereitgestellt.

Obwohl Luftballon-Anemometer nach Spielerei aussehen, handelt es sich hier um ein ernsthaftes Messverfahren mit besseren Ergebnissen als den reinen Handmessgerätemessungen, nebenbei macht die Messung auch noch richtig Spaß! Hängen Sie beim nächsten „Tag der offenen Tür“ in ihrem Betrieb auch Ballons auf, und eine rege Diskussion ist sicher! Und die örtliche Presse freut sich über ein außergewöhnliches Motiv.
                                (Otto Domke, Fachberater für Technik im Gartenbau der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Straelen)