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VfL Wolfsburg: Hightech unterm Rasen

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Drei Hauptfaktoren setzen dem Stadionrasen zu: Er erhält nicht genug Sonnenlicht, es gibt nicht genug Windbewegung und das Klima ist zu feucht. Zur Behebung dieser schlechten Wachstumsbedingungen hat der Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg eine ganze Reihe innovativer Lösungen angewandt.

Der VfL Wolfsburg steckte viel Geld und Know-how in die Anlage, Pflege und Unterhaltung der Rasenspielfläche. Foto: VfL Wolfsburg

Belüftungssystem unterm Stadionrasen des VfL Wolfsburg

So ist beispielsweise in 23 Zentimeter Tiefe unter dem Rasen ein Belüftungssystem installiert, das über perforierte Schläuche mit einem Druck von 0,4 bar Luft in die Tragschicht leitet, um Faulgase zu eliminieren und die Nährstoffaufnahme der Rasengräser zu verbessern. Des Weiteren liegt eine Rasenheizung in 25 Zentimeter Tiefe, die über Wärmetauscher funktioniert. Die Heizung ist großzügig dimensioniert, damit bei Minustemperaturen schnell reagiert werden kann.

Außerdem wurde 2012 das GrassMaster-Hybridrasen-System des belgischen Herstellers Desso Sports Systems eingebaut, um die Stabilität und Bespielbarkeit der Rasenfläche zu steigern und eine möglichst ebene Spielfläche zu bilden. Um Platz für den Aufbau der Rasentragschicht zu erhalten, wurde das Spielfeld eigens um acht Zentimeter aufgebaut und das Belüftungssystem tiefer gelegt.

Stadionrasen: Netz aus natürlichen Pflanzen und Kunstfasern

In die relativ sandige und durchlässige Rasentragschicht wurden rund 20 Zentimeter lange Kunststofffasern im Abstand von zwei mal zwei Zentimetern eingezogen. Der oberirdische Teil schaut 1,5 Zentimeter heraus. Zwischen die senkrecht stehenden Kunststofffasern werden natürliche Rasenpflanzen eingesät, und zwar Lolium perenne, deren Wurzeln mit den Kunstfasern verwachsen und so eine stabile Narbe bildet.

Horstgräser wie Lolium müssen immer wieder neu nachgesät werden, was in der Wolfsburger Arena alle 14 Tage ganzflächig erfolgt. Mathias Eichner – 2014 als bester Greenkeeper des Jahres 13/14 ausgezeichnet und bis Mitte 2015 Head-Groundsman des VfL Wolfsburg – bevorzugt für die Nachsaat eine eigene Mischung aus drei Lolium-Sorten, die sich aus schnell und bei niedrigen Temperaturen keimenden, sowie aus krankheitsresistenten Gräsern zusammensetzt.

Pflege erfordert viel Manpower

Zum Vorkeimen kommen die Grassamen für vier Stunden in Eimer mit warmem Wasser und in den Heizkeller. Anschließend wird das Saatgut zum Antrocknen ausgebreitet und dann ausgebracht. Nicht nur für diese Arbeit ist relativ viel Manpower erforderlich – in der Pflege braucht der VfL Wolfsburg etwa 1,5 Mann pro Großspielfeld. Neben der Arena stehen den Profimannschaften vier Trainingsplätze zum Rotieren zur Verfügung.

Alle 14 Tage wird gedüngt, abwechselnd flüssig und mit Granulat. Bei der Flüssigdüngung werden Spurennährstoffe, Silicium und Wurzelaktivator zugeführt, und mit dem Granulat Kalium, Stickstoff und Bacillus subtilis.

Assimilationsbeleuchtung gegen zu geringe Besonnung

Um auch noch das Problem der zu geringen Besonnung in den Griff zu bekommen, wurde eine Assimilationsbeleuchtung installiert. Sie ist gewissermaßen der Schlüssel dafür, dass das GrassMaster-Hybridsystem funktioniert, erläutert Eichner. In Großbritannien arbeite man schon seit rund zehn Jahren mit der Vegetationsbelichtung, um die Qualität des Spielfeldrasens noch weiter zu optimieren. In Wolfsburg, einzigartig bisher im Bundesgebiet, wurde 2006 in die Belichtungsmodule investiert, wie sie auch in der Rosenanzucht unter Glas genutzt werden.

Mehr zum Hightech-Stadionrasen des VfL Wolfsburg lesen Sie im aktuellen TASPO GaLaBauReport.