Vielfältige Lebensräume sichern Fortpflanzung von Bestäubern

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Eine Kolonie der Dunklen Erdhummel mit Brutzellen und bereits geschlüpften Jungköniginnen. Laut einer Studie trägt ein diverses Pollenangebot zu einem besseren Koloniewachstum und mehr Nachkommen bei. Foto: S. Schweiger

Welche Bedeutung haben die Pollen-Nahrung und die Vielfalt von Lebensräumen in Agrarlandschaften auf die Fortpflanzung von Hummeln? Das hat ein Forschungsteam der Universität Göttingen in einer Studie untersucht, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Starker Rückgang von Hummeln und anderen Bestäubern

Hummeln gelten als wichtige Bestäuber, da sie viele Pflanzenarten bestäuben und selbst bei Temperaturen fliegen können, die für andere Bestäuber noch zu kalt sind. Trotz ihrer Robustheit sind Hummeln jedoch wie viele andere Insekten auch stark im Rückgang begriffen, machen die Wissenschaftler der Georg-August-Universität Göttingen deutlich. Vor diesem Hintergrund sei es umso wichtiger zu wissen, was Hummeln für eine erfolgreiche Fortpflanzung benötigen.

Um das herauszufinden, stellte das Forschungsteam nach eigenen Angaben Hummelvölker in Mittel- und Norddeutschland auf und sammelte Pollen von heimkehrenden Hummeln. Auf diese Weise sollte untersucht werden, welche Bedeutung die Pollen-Nahrung und die Vielfältigkeit der Lebensräume in Agrarlandschaften auf die Fortpflanzung der pelzigen Bestäuber haben. Dabei wurde dem Forschungsteam zufolge der Einfluss von Massentrachten mit einem zeitlich begrenzten und einseitigen Blütenangebot analysiert sowie Landschaftselemente, die sich durch ein kontinuierliches und diverses Blütenangebot auszeichnen.

Mehr Nachkommen durch diverses Angebot an Pollen

„Unsere Studie hat gezeigt, dass nicht einzelne Lebensräume, wie zum Beispiel blütenreiche Gärten, oder halbnatürliche Lebensräume, wie Hecken und Blühstreifen, zur erfolgreichen Reproduktion der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) beitragen, sondern die Vielfalt der Lebensräume in der gesamten Untersuchungslandschaft“, erklärt Sandra Schweiger, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen und Erstautorin der in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems and Environment erschienenen Studie. „Es müssen also unterschiedlichste blütenreiche Landschaftselemente vorhanden sein.“ Darüber hinaus könne ein diverses Angebot an Pollen, die von den Hummeln als Eiweißquelle für die Aufzucht ihrer Brut gesammelt werden, zu einem besseren Koloniewachstum und mehr Nachkommen, insbesondere Jungköniginnen, beitragen, so Schweiger weiter.

Vielfältige Nahrung kann negativen Einfluss von Schädlingen mindern

Wie die Studie des Göttinger Forschungsteams zudem zeigte, kann ein vielfältiges Pollen-Nahrungsangebot sogar die negativen Auswirkungen eines Befalls der Kolonien mit parasitären Wachsmottenlarven begrenzen. Diese Schädlinge können den Reproduktionserfolg der Hummeln ernsthaft gefährden, wie Prof. Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen, ergänzt.