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Vom eigenen Garten leben: viel Gemüse auf kleinster Fläche

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Um mit Gartenbau erfolgreich zu werden und gut leben zu können, sind nicht immer große Investitionen und Flächen nötig. Linus Keutzer zeigt, wie man sich auch als Quereinsteiger eine Lebensgrundlage aufbauen kann. Auf kleiner Fläche produziert er eine Vielzahl verschiedener Gemüse und setzt diese über Gemüsekisten und Hofladen ab.

Warum plötzlich Gemüsegärtner werden?

Im oberhessischen Lauterbach, ländlich gelegen im Landkreis Vogelsberg, hat Linus Keutzer sein Hobby zum Beruf gemacht: Nach einem Lebensweg über Lehramtsexamen, Medienpädagoge, Zeitung, Werbung, PR und zuletzt Altenpflege, baut der 39-jährige jetzt auf kompakten 1.500 Quadratmetern Kulturfläche insgesamt über 50 verschiedene Kulturen Gemüse an – und verkauft diese über Gemüsekisten-Abo und Hofladen. 110 Abonnenten hat seine Gemüsekiste für 70 Euro im Monat bereits. „Ich habe einfach gemerkt, dass immer nur am Computer zu sitzen, nichts für mich ist“, erklärt er den Schnitt in seiner Laufbahn. „Ich wollte was Echtes machen und bin zurück in die Altenpflege, die ich während meines Zivildienstes gelernt habe.“

Nebenbei entdeckte er seinen Garten als Hobby – mit Nachtdienst in der Altenpflege blieb ihm die Zeit, sich tagsüber im Garten „auszutoben“. „2018 hatte ich aus meinem Garten so viele Lebensmittel geerntet, dass ich sie schon an Arbeitskollegen und Familie verschenkt habe, diese wollten mich aber dafür bezahlen“, erzählt Keutzer weiter. „Dann kam ich ins Rechnen: Wenn ich meinen Anbau so stabilisiere, dass ich sechs oder sieben Gemüsekisten pro Woche schaffe, könnte ich Stunden in meinem Job reduzieren und hätte mehr Zeit für meine Familie – meine Tochter war ja auf dem Weg.“

Volle Warteliste noch bevor das erste Beet angelegt war

Über Fachliteratur informierte er sich dann weiter über das sogenannte Market Gardening, ein Anbausystem, welches verwandt mit biointensivem Gemüseanbau ist und sich gut für kleine Flächen eignet, und pachtete sich einen Garten am Ortsrand. „Um das Ganze zum Laufen zu bringen, hat eine befreundete Hebamme Werbung für mich gemacht“, erinnert er sich. „In einer Rundmail an junge Mütter mit Kindern, die perfekte Zielgruppe für meine Gemüsekisten, hat sie mein Projekt erwähnt und meine Telefonnummer angehängt.“ Eine Stunde nach der E-Mail kamen die ersten Anrufe, zwei Stunden später musste er bereits eine Warteliste einrichten. „Der Andrang hat mich so beflügelt, dass ich mein ursprüngliches Ziel auf 25 Gemüsekisten gesteigert habe“, berichtet er stolz. Zu diesem Zeitpunkt – im März – hatte er noch nicht mal seine ersten Beete angelegt.

Trotz starken Wachstums: Anbau soll weiter im kleinen Stil erfolgen

Noch in der Saison 2018 steigerte er seinen Absatz auf 40 Gemüsekisten, was ihm erlaubte, die Stundenzahl in seinem Altenpflegejob für 2019 zu reduzieren und ihn, nach weiterem Wachstum, Anfang 2020 ganz zu kündigen – seitdem baut er im Vollerwerb an. Den stetig steigenden Umfang seines Absatzes konnte er bereits 2020 nicht mehr alleine kompensieren: Anfangs hilft ihm noch seine Mutter auf dem Feld aus, für die aktuelle Saison 2021 hat er bereits eine Mitarbeiterin in Vollzeit sowie zwei Aushilfen angestellt. Trotz des starken Wachstums möchte Linus Keutzer in der Zukunft weiter im kleinen Stil anbauen: „Was wir wirklich von unserem Market Garden wollen, ist, damit ein Gehalt zu erwirtschaften, und das funktioniert auch so.“

► Mehr über das Geschäftsmodell von Linus Keutzer und warum er dieses auch als Vorbild für größere, herkömmliche Betriebe sieht, lesen Sie in der TASPO 34/2021.

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