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Vorgaben in der Diskussion: Schneelast erneut Thema für den Gewächshausbau

Schon mehrfach gaben die Verhandlungen zur neuen Gewächshausbaunorm Anlass zur Sorge. Nun stehen erneut die Vorgaben zur Höhe der Schneelasten bei Gewächshäusern in der Diskussion, weil die genormten Schneelasten im gesamten Bauwesen und damit automatisch auch für den Gewächshausbau deutlich erhöht werden sollen. 

Von einer Erhöhung der genormten Schneelasten wäre automatisch auch der Gewächshausbau betroffen. Werkfoto: Kräss

Das Thema Verschlechterung der Vorgaben für den Bau von Gewächshäusern wird somit weiter die Interessenvertretung der deutschen Industrie für den Gartenbau (Indega) und den Zentralverband Gartenbau (ZVG) beschäftigen und deren Einsatz fordern. Dies geschieht wie immer in enger Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro von Prof. Puthli, einem Experten für Normungsfragen. Zu dessen Mitarbeiterin Dr. Ina Pertermann steht Wolfgang Kräss als Fachgruppensprecher Gewächshaustechnik der Indega im ständigen Kontakt.

Zusammen mit dem Ingenieurbüro bitten Indega und ZVG nun Gartenbaubetriebe um Unterstützung beim Sammeln von Argumenten gegen das Heraufsetzen der Schneelasten für Gewächshäuser. Dies hätte nämlich zur Folge, dass deutlich stabilere Konstruktionen zu errichten wären, mit den bekannten Nachteilen Lichtverlust und erhebliche Kostensteigerung. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Gärtner empfindlich treffen. Um hier tätig werden zu können, sind Nachweise zum tatsächlichen Verhalten von Schnee auf geheizten Gewächshäusern nötig.

Laut Pertermann gibt es Signale, dass sich die genormten Schneelasten in Zukunft im Bauwesen drastisch erhöhen könnten,besonders diejenigen für Verwehungen. Damit wäre automatisch auch der Gewächshausbau betroffen. Verwehungen gibt es nach Norm bei großen Dächern, bei aneinandergereihten Sattel- und Sheddächern, bei Dächern mit Höhenunterschied, auf Vordächern und Überdachungen – somit bei allen Gewächshäusern.

Besonders im gemäßigten Klima von Schneelastzone 1 und 2 werden diese Verwehungen allerdings gewaltig überschätzt. Das gilt prinzipiell für alle Bauten. Bei Gewächshäusern kommt hinzu, dass das Abrutschen von Schnee auf glatten Dächern und der Temperatureinfluss beheizter Häuser gar nicht berücksichtigt werden. Sie werden behandelt wie gut isolierte Hallen mit rauer Eindeckung.

Die Schneeverwehungsmodelle im Eurocode sind deshalb nicht zufriedenstellend. Sie stimmen nicht mit den praktischen Erfahrungen überein, die bei den Gewächshausbauern oder der Gartenbau-Versicherung vorliegen. Diese Erfahrungswerte sind allerdings nirgends so dokumentiert, dass sie als schlüssige Argumentation anerkannt werden können. Es fehlen belastbare Daten, die jetzt beschafft werden sollen.

Um entsprechende Untersuchungen zu initiieren und zu unterstützen, sind in einem ersten Schritt Abbildungen von wirklichen Schneeverteilungen auf Gewächshäusern erforderlich.Wichtig ist, dass der genaue Standort und das Datum der Aufnahme, am besten mit Uhrzeit, bekannt gegeben werden.

Gesucht werden deshalb:

  • Bilder von Schnee auf Gewächshausdächern (frisch gefallen, nach einer Stunde, nach zwei bis sechs Stunden, zwölf Stunden, zwei Tagen ...).
  • Für den Gewächshausbau interessant: das Abtau- und Abrutschverhalten auf Warmhäusern.
  • Besonders interessant auch: Kalthäuser, offene Gewächshäuser oder Überdachungen.

Besonders wichtig: Verkaufsgewächshäuser, da hier immer noch der Faktor Personenverkehr unter der Dachfläche erschwerend hinzukommt und sie wie ganz normale Häuser zu behandeln sind, somit kein Abtauen berücksichtigt werden darf. Stattdessen sind bis zu 150 Prozent der Dachschneelast als Verwehung anzusetzen. Als Gegenargument wären Aufnahmen zusammen mit dem Wohnhaus oder einer normalen Halle aussagekräftig, mit der Antwort auf die Frage, wo mehr Schnee liegen bleibt.

Im ersten Schritt geht es darum, möglichst viele Aufnahmen und Daten zu sammeln, aus Archiven oder auch neue Aufnahmen aus dem bevorstehenden Winter. Es geht dabei nicht um extreme, außergewöhnliche Situationen oder Schadenfälle, sondern um die Fälle, die regelmäßig bei normalem, aber durchaus kräftigem Schneefall im Winter auftreten. Der Idealfall wären mehrere Fotos in Zeitabständen vom gleichen Haus (siehe oben), bei denen sich beispielsweise das Abtauverhalten nachvollziehen lässt.

Dem Foto wären, soweit möglich, die folgenden Angaben beizugeben:

  • Ort (näherungsweise, falls Anonymität gewahrt werden soll);
  • Zeitpunkt: Jahr, Tag und Tageszeit;
  • Dacheindeckung (Glas, Kunststoff oder Folie, ein- oder zweilagig, Isolierglas ...);
  • Dachneigung (ungefähr ...);
  • Innentemperatur (Beheizung).

Sammelstelle ist die Geschäftsstelle der Indega. Bitte das Fotomaterial mit den notwendigen Daten und dem Stichwort „Schneelast“ per E-Mail an info(at)indega.de schicken. (ts/ind)