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Wärmeschutzglas: erstmals Zineg in der Praxis

Der Gartenbaubetrieb Dürbusch in Rheda-Wiedenbrück hat als erster Praxisbetrieb einen Gewächshausneubau errichtet, in dem Technologien des Verbundprojektes Zineg (Zukunftsinitiative Niedrigenergiegewächshaus) Einsatz finden.

Der 1.500 Quadratmeter große Gewächshausblock in Venlobauweise wurde mit hoch effizienter Wärmeschutzverglasung eingedeckt, die bereits das Zineg-Teilprojekt der Hochschule Osnabrück erfolgreich getestet hatte.

Der Wärmeverbrauchskoeffizient dieses Glases lag in Versuchen zwischen 1,1 und 1,2 W/m2K, im Praxisbetrieb Dürbusch ergaben Messungen sogar einen Wert zwischen ein und 1,1 W/m2K. Das ist enorm niedrig: Bei einem Standardgewächshaus, eingedeckt mit Einfachglas und ohne Energieschirm ausgerüstet, liegt der Wärmeverbrauchskoeffizient mit 7,6 W/m2K rund sieben Mal höher.

Der Betrieb Dürbusch hat sich auf die Produktion von besonders großblütigen Paphiopedilum (Frauenschuh-Orchideen) spezialisiert und benötigt entsprechend das ganze Jahr über recht hohe Temperaturen. „20 Grad Heiztemperatur, 22 Grad Lüftungstemperatur, zur Erntezeit drei Monate lang 17 bis 18 Grad Heiztemperatur“, fasst Betriebsinhaber Oliver Dürbusch zusammen. Mit Wärme versorgt wird das neue Gewächshaus über einen neu installierten, 400 kW-Holzhackschnitzelkessel. Die energiesparende Bauweise des Neubaus führt aber dazu, dass sogar jetzt, im Winter, vor allem in vergangenen, recht sonnigen Dezember, wenig geheizt werden und sogar mittags die Lüftung auffahren musste.

Insgesamt liegt der Wärmeverbrauch des neuen Gewächshauses im Vergleich zu einem Standardgewächshaus um beachtliche 75 Prozent niedriger. „Damit dürfte sich die höhere Investition nach sieben bis acht Jahren rechnen“, sagt Dürbusch. Denn wegen des 22 Millimeter starken Wärmeschutzglases musste das Gewächshaus für eine größere, 75 Kilo-Schneelast ausgelegt werden und benötigte eine andere Gewächshauskonstruktion.

Somit lagen die Investitionskosten ohne Grund und Boden bei rund einer halben Millionen Euro, die Kosten allein für das Gewächshaus bei 250.000 Euro. Ein derzeit praxisübliches Gewächshaus hätte etwa die Hälfte gekostet.

Die Familie Dürbusch hatte schon seit Längerem eine Vergrößerung der Anbauflächen ihres alteingesessenen Betriebes geplant. Als sich fünf Minuten vom Stammbetrieb entfernt passende Flächen fanden, entschied sich das Unternehmen nach intensiven Gesprächen mit einem Technikberater und Vertretern des Zineg-Teilprojektes Osnabrück für die energiesparende Bauweise des dortigen Versuchsgewächshauses.

Zuschüsse erhielten Dürbuschs über das Bundesprogramm Energieeffizienz, und zwar für die Gewächshauskonstruktion, die Heizanlage innerhalb des Gewächshauses, den einfachen Energieschirm und den Klimacomputer. Gespräche mit dem Betreiber einer Biogasanlage verliefen erfolglos, so dass die Entscheidung für die Holzhackschnitzelanlage fiel.

Seit Februar 2013 ist das neue Gewächshaus nun im Betrieb. Oliver Dürbusch kann keinerlei Wachstumsunterschiede zu den Pflanzen im Stammbetrieb erkennen, zumal die Lichteinbußen ähnlich den dort mit Agriplus- und Stegdreifachplatten-eingedeckten Häusern sind. „Das macht dem Frauenschuh nichts aus.“ Die oft hohe Luftfeuchte – die kann schon mal bis zu 99 Prozent klettern – bereitet ebenfalls keine Probleme. „Die haben wir durch die gute Eindeckung auch in unseren älteren Gewächshäusern.“ In allen Häusern kommen deshalb Ventilatoren zum Einsatz.

Im neuen Block versorgen Dürbuschs die Pflanzen zudem, den Empfehlungen folgend, mit rund zehn Prozent mehr Dünger, um trotz verminderter Transpiration einer Unterversorgung vorzubeugen. „Auch die Qualität der Pflanzen unterscheidet sich nicht von denen in den anderen Gewächshäusern“, sagt Dürbusch. Der einzige Nachteil, den der Gärtner bisher beobachtet, ist eine stärkere Algenbildung an den Stehwänden im Neubau. „Der müssen wir zu Leibe rücken“, sagt er. Ansonsten gäbe es auch in den neuen Gewächshäusern keine besonderen Pflanzenschutzprobleme, keinen Pilz- oder Fäulnisbefall.

Alles in allem ist Dürbusch sehr zufrieden mit der Entscheidung, ein hoch energieeffizientes Gewächshaus gebaut zu haben. „Wir werden auch, wenn wir weiter ausbauen, wieder diese Bauweise wählen“, ist er nach dem nunmehr ersten Produktionsjahr im neuen Betriebsteil sicher.

Dass er noch weiter expandieren wird, ist sehr wahrscheinlich. Das Geschäft läuft gut. „Wir haben kaum blühende Ware in den Häusern, weil alles schon vorher verkauft ist.“ Besonders auch die Märkte in den USA, Ecuador, Taiwan oder Kanada zeigen sich von den besonders großblütigen Frauenschuh-Orchideen sehr angetan. Das Gros der Ware setzen Dürbuschs aber in Deutschland und über die Niederlande ins europäische Ausland ab. (kla)