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Wirbel um Motorkettensägen und -sensen: Emissionsgrenzwerte überschritten?

Für Wirbel in der Baumarktbranche sorgte im Februar dieses Jahres – und bis heute andauernd – das Ergebnis eines Abgastests an mobilen, handgeführten Geräten: acht Motorkettensägen und vier Freischneider und Motorsensen. Den Test hatte der TÜV Nord im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) durchgeführt.

Im Test: Motorkettensägen und -sensen, die in Baumärkten vertrieben werden. Foto: DUH

Laut DUH waren die Ergebnisse erschreckend: „Acht der insgesamt zwölf Geräte wie Motorsägen und Freischneider wiesen teilweise erhebliche Überschreitungen der Emissionsgrenzwerte für Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide auf.“

Die DUH forderte von den Bundesländern seit dem Test einen Vertriebsstopp. Inzwischen sind bis auf zwei Motorsägen (Motorkettensäge CMI C/B-KS 37/35–2 und Motorkettensäge Lux Tools B-KS 40, 1/40) alle Geräte mit Grenzwert-Überschreitungen von den Baumärkten aus dem Sortiment genommen worden, lediglich bei Obi sind die betroffenen Motorsägen noch im Sortiment (Stand 10. November 2014).

„Hoher Schadstoffausstoß schädigt die Nutzer der Geräte zum Beispiel durch krebserregende Benzolemissionen und die Umwelt durch hohe Kohlenwasserstoffemissionen, die zu erhöhten Ozonkonzentrationen führen. Auch die Unfallgefahr steigt durch hohe Kohlenmonoxidkonzentrationen“, sagte Axel Friedrich, der den Test als technischer Berater der DUH betreut hatte.

Seit 2004 dürfen mobile Maschinen und Geräte laut einer europäischen Richtlinie bestimmte Schadstoffgrenzwerte nicht überschreiten. Ziel ist es, die Luftqualität zu verbessern und die Gesundheit der Verbraucher zu schützen.

Die DUH kann als klagebefugter Verbraucherschutzverband Verstöße gegen Verbraucherschutzgesetze unterbinden. So hat sie juristische Schritte gegen die Hersteller von handgeführten Maschinen eingeleitet, deren Produkte gegen geltende Grenzwerte verstoßen, und war damit nach eigenen Aussagen auch erfolgreich.

Auch AL-KO war mit der Motorsense BC 4125 II-S im Test der DUH durchgefallen. Diese Motorsense fiel negativ durch die grenzüberschreitenden Emmissionswerte auf.

In Bezug auf dieses Gerät ließ AL-KO in der Zwischenzeit ein zusätzliches Gutachten von der Dekra erstellen und nahm am 4. November Stellung dazu: „Die Dekra bestätigt nach ihrer Prüfung von Motorsensen der Firma AL-KO, dass die Geräte einwandfrei sind und sämtliche geforderten Grenzwerte einhalten.“ Die Dekra widerspreche damit als neutrale Stelle den Ergebnissen der Deutschen Umwelthilfe.

„Bereits im Februar 2014 hatte die Deutsche Umwelthilfe zusammen mit der SWR Sendung ‚Marktcheck‘ Testergebnisse von Motorsensen veröffentlicht. Darin wurde unter anderem die AL-KO Motorsense BC 4125 II-S hinsichtlich der Abgaswerte als bedenklich bewertet. Jetzt wurden diese Ergebnisse erneut mit einer Pressemitteilung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Gartengerätehersteller AL-KO weist die Behauptungen der Deutschen Umwelthilfe entschieden zurück. Jürgen Frank, Sprecher des Bereichs Garten und Hobby beim Familienunternehmen AL-KO: „Die Tests der Abgaswerte sind sehr kompliziert und müssen ganz exakt durchgeführt werden. Deshalb vertrauen wir auf ein starkes und unabhängiges Institut wie die Dekra.“

Auf Nachfrage der TASPO gab die DUH bekannt, dass sie den Dekra-Prüfbericht zur AL-KO Motorsense BC 4125 II-S zurzeit analysiert, „weshalb wir noch keine Aussagen zu den Ergebnissen machen können“, so Daniel Hufeisen, Pressesprecher der DUH.

Den Abgastest der DUH bestanden hatten die folgenden Geräte:

  • Motorsäge Husqvarna 236,
  • Motorsäge Stihl MS 170 D,
  • Motorsäge Dolmar PS-32-C,
  • Motorsense Florabest FBS 43 A1 von Einhell. (Andrea Eggers)