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Zahlt sich Nachhaltigkeit im Gartencenter aus?

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Wettbewerbsvorteile durch nachhaltiges Wirtschaften im Gartenmarkt? Nachhaltigkeit als Schlüssel für mehr Wertschöpfung in der Branche? Reine Imagepflege oder Mehrwert, der sich in Zahlen ausdrückt? Dr. Svea Pacyna-Schürheck, Bereichsleiterin Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit bei Landgard, veranschaulichte den spoga+gafa Messebesuchern im Forum Gartencafé, warum ihr Herz besonders für das Thema Nachhaltigkeit schlägt.

Mehrwert Nachhaltigkeit – Genuss mit gutem Gewissen

„Hier gibt es für uns alle unzählige verschiedene Möglichkeiten, uns aktiv für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen“, ist sich Pacyna-Schürheck sicher. Dabei könnte die Branche auch etwas Wichtiges lernen: „nämlich wieder stolz zu sein, auf uns, unsere Arbeit und unsere Produkte.“

Wer es mit der Nachhaltigkeit ernst meint, muss zuerst eine eigene Balance zwischen sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten finden, meint Dr. Axel Kölle vom ZNU. Der Experte vom Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung stellte  in seinem Vortrag die These auf: Nachhaltigkeit ist ein Schlüssel für mehr Wertschöpfung, wenn sich Unternehmen in vielen kleinen Schritten dafür einsetzen. Das bestätigte Christian Dinger, Geschäftsführender Gesellschafter Dinger’s Gartencenter Köln in der anschließenden Frage- und Antwortstunde.

Codecheck: Kunden wollen wissen, was drin ist und woher es kommt

„Hauptsache lecker? Die Zeiten sind vorbei, wo Schokolade nur nach Geschmack gekauft wurde“, betonte Dr. Axel Kölle vom Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU), das herstellende Unternehmen und den Einzelhandel bei der Entwicklung und Durchführung von Nachhaltigkeitsstrategien unterstützt und zertifiziert. Heute beeinflussen Hintergrund-Infos wie Rohstoffgewinnung, Anbau und Handelsmethoden eine Kaufentscheidung zunehmend mit. Konsumenten achten beim Einkauf von Produkten immer stärker auf die sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien.

In einem Unternehmen strahlt Nachhaltigkeit auch auf die internen Strukturen ab, betonte Kölle: „Wenn Nachhaltigkeit in einem Unternehmen eine Rolle spielt, dann nehme ich das Thema als Arbeitnehmer mit nach Hause und freue mich darüber, dass mein Arbeitgeber die Sache ernst nimmt.“ Daher sei es für Hersteller und Lieferanten, den Handel und eigentlich Unternehmen jeder Art heute quasi unverzichtbar, sich einen Weg durch den „Nachhaltigkeits-Dschungel“ zu bahnen, eine gute Balance zwischen den drei Dimensionen von Nachhaltigkeit – den sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten – zu finden und damit eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie aufzubauen.

Green Washing – (k)ein Thema?

Die echte Erkenntnis, sich kümmern zu müssen, sei in Unternehmen inzwischen angekommen, Green Washing, also ein zu PR-Zwecken missbrauchtes „Grüne Gewissen“, eher auf dem Rückzug. „Aber zuerst müssen die Hausaufgaben gemacht werden, bevor man mit dem Thema an die Öffentlichkeit geht“, betont Kölle. „Es geht nicht darum, wer der schnellste und tollste in Sachen Nachhaltigkeit ist“, sagt er, „sondern darum, sich auf den Weg zu machen, mittel- und langfristig zu denken und dann den eigenen Weg schrittweise zu kommunizieren.“

Kunden an das Thema Nachhaltigkeit heranführen

Auf Produkte und Sortimente abzielend bewege man sich immer in dem Spannungsfeld zwischen „Will-ich-haben-Impuls“ und der Bereitschaft, mehr für ein nachhaltiges Produkt zu bezahlen. Immerhin sei der Grundstein beim Konsumenten längst gelegt. Kölle: „Dass der Konsument mehr Nachhaltigkeit möchte, ist unumstritten. Aber wir müssen ihn permanent füttern mit Infos und Aktionen zum Thema. Unser Ziel muss sein, Nachhaltigkeit in den Köpfen als Bedarf zu verankern.“

Ob mit Aktionen und Informationen, mit Handzetteln, Landkarten-Back-Ups, aufmerksamkeitsstarken Regalstoppern oder ähnliches sei individuell zu entwickeln. Um die Kunden an das Thema heranzuführen und zu begeistern, sei es entscheidend, dass Hersteller und Händler gemeinsam herangehen und am POS aufklären und informieren, meint Kölle.

Erfahrungswerte bei Dinger’s Gartencenter

Für ein mittelständisches Unternehmen wie das Dinger’s Gartencenter in Köln lägen Reiz und Chance von Nachhaltigkeit besonders im sozialen Aspekt, nämlich einer kontinuierlichen Unternehmensführung, hob Christian Dinger hervor: „Die wenigsten unserer Mitarbeiter sind unter 15 Jahren bei uns, einige schon 40 Jahre. So nachhaltig wie mit unseren Mitarbeitern versuchen wir auch, mit den Produzenten umzugehen“, so der Geschäftsführer. Nicht unerwähnt ließ er den Spagat, der beim Produkt gemacht werden muss: „Mit unserem Anspruch und Motto, unseren Kunden eine schöne Einkaufswelt zu bieten, holen wir schon auch einmal Dinge ins Sortiment, die schön und beliebt, aber nicht unbedingt nachhaltig sind.“