TASPO GartenMarkt

Zierpflanzen: Energie einsparen ohne Qualitätsverluste

Die Forschungsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan arbeitet derzeit an der Entwicklung von Regelstrategien für die Temperaturführung im Gewächshaus, beispielsweise bei Hortensien und Beetpflanzen. Die Arbeiten haben das Ziel, den Energiebedarf bei der Produktion gärtnerischer Kulturen zu senken, ohne pflanzenbauliche Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen. Näheres zu diesen Versuchen berichtet die Gärtnerbörse – Das Magazin für den Zierpflanzenbau in ihrer Ausgabe 10/2011.

Keine Qualitätseinbußen: Osteospermum ‘Sunny Mary’ - links die Kontrolle, rechts eine nach dem Weihenstephaner Modell kultivierte Pflanze. Foto: Hans-Peter Haas

Ein wesentlicher Anspruch der Versuche ist, dass die Methode für möglichst viele Produzenten einsetzbar ist, unabhängig von der technischen Ausstattung der Betriebe. Die neue Klimaführungsstrategie, genannt „Weihenstephaner Modell“, orientiert sich weitgehend an der Vorgehensweise von Cool Morning (CM) und Warm Evening (WE) und kombiniert die positiven Effekte beider Strategien. Statt fest eingestellter Temperatursollwerte für den Tag und die Nacht werden in den Morgen- und Abendstunden die Temperaturanforderungen im Gewächshaus so angepasst, dass möglichst viel Energie eingespart werden kann. Das Energiesparkonzept im Laufe eines Tages wird in drei Phasen unterteilt: Energieeinsparung durch Absenken der Heiztemperaturen in den Morgenstunden, Nutzung der Sonneneinstrahlung zur Deckung des Energiebedarfs am frühen Abend durch Heraufsetzen der Lüftungstemperaturen am Spätnachmittag, Einsatz von Energie- und Verdunklungsschirmen zur Reduzierung des zu beheizenden Luftvolumens im Gewächshaus in der Nacht oder bei sehr geringer Einstrahlung.

Mittlerweile liegen mehrjährige Erfahrungen mit der Anwendung des Weihenstephaner Modells vor. So waren beispielsweise bei Hortensien und bei Beetpflanzen keine signifikanten Wachstums- oder Qualitätsunterschiede festzustellen. Die Energieeinsparung beim Weihenstephaner Modell gegenüber der herkömmlichen Kultur betrug im Versuchszeitraum 25 Prozent bei Hortensien und bei Beetpflanzen sogar 80 Prozent. Einige Beetpflanzen-Arten und Sorten zeigten sogar kompakteren Wuchs. Je nach Pflanze könnte so der Hemmstoffeinsatz reduziert werden oder entfallen, hoffen die Weihenstephaner. Ein erhöhtes Kulturrisiko in Bezug auf Pilzkrankheiten oder andere phytopathologische Probleme wurde nicht beobachtet, auch wenn in den Morgenstunden die Luftfeuchte vorübergehend erhöht war. Ein Anstieg der Luftfeuchte auf bis zu 90 Prozent ist möglich, so das Resumée. (gb)