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Zukunftsperspektive des Gartenmarktes: „Der Branchenauftritt muss sich erneuern“

Preistransparenz im Internet, abnehmende Bevölkerungszahlen und der Drang in die Städte stellen den Einzelhandel vor neue Herausforderungen. Gewohnheiten haben sich geändert, und die Pflanze muss neue Käuferschichten für sich gewinnen, erklärt IVG-Geschäftsführer Johannes Welsch im druckfrischen Branchenbuch GartenCenter 2015 und fordert in unserem großen Interview zur Zukunftsperspektive des Gartenmarktes: „Der Branchenauftritt muss sich erneuern.“ 

Grundsätzlich würden sich die Menschen nach Grün sehnen, sagt Johannes Welsch, Geschäftsführer des Industrieverbandes Garten (IVG). „Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Es ist jedoch zu beobachten, dass bereits heute die Privatgärten kleiner werden und im ländlichen Raum mancher Garten aus Altersgründen nicht mehr bewirtschaftet werden kann. Darauf muss sich die grüne Branche einstellen und Produkte anbieten, die auch von einer alternden Gesellschaft noch nachgefragt und eingesetzt werden können“, so Welsch. Akkutechnologie oder auch Robotermäher seien bereits Indizien für veränderte Verbrauchergewohnheiten.

Easy Gardening-Sortimente gefragt
Genauso wichtig ist es, dass Gartencenter attraktiv sind für nachwachsende Generationen und neue Zielgruppen. „Jüngere Zielgruppen müssen mit Produkten interessiert werden, die einfaches Gärtnern ermöglichen. Das ist vielleicht erst einmal der kleine dekorative Kräutertopf, mit Basilikum und Petersilie und gleich mit Schere, den man als Convenience-Produkt ohne Umtopfen sofort in der Küche aufstellt“, erklärt Welsch. Für die Zielgruppe Mann gebe es interessante Sortimente zum Beispiel aus den Bereichen Grillen, Motor- oder Akkugeräte, die jedoch laut Welsch bis dato noch eine viel zu geringe Rolle in Gartencentern spielen.

Online-Geschäft mit moderatem Wachstum
Eine weitere Herausforderung für den Einzelhandel ist die zunehmende Digitalisierung. Das Smartphone macht den Kunden selbst zum Point of Sale, per Barcode Scanning stellt er Preisvergleiche an, ordert womöglich vor den Augen des stationären Händlers per Knopfdruck beim Online-Wettbewerb. „Der Anteil des Online-Geschäftes im Gartenmarkt liegt derzeit bei drei Prozent“, so Welsch. „Für die nächsten Jahre wird moderates Wachstum prognostiziert. Sicher gibt es preisorientierte, internetaffine Kunden. Ob das generell gilt, zweifeln wir an.“

Die Emotionalität des Sortiments, die Vielfalt und die Beratung sei für die im grünen Markt vertretenen Sortimente nicht so einfach online zu vermitteln. „Es gibt im grünen Sortiment ein weit geringeres Maß an standardisierten Produkten und bei Lebendem Grün schon gar keine Angebotstransparenz“, erklärt Welsch. „Der Kunde kennt in aller Regel nur einige wenige Pflanzen. Vor Ort entscheidet er anhand des Sortiments, das er vorfindet, und der Kompetenz, mit der ihm die Produkte nahegebracht werden. Auch bei der sogenannten Hartware ist hier noch viel Spielraum. Ein beratendes Gespräch ist auch ein Beitrag dazu, dass der Kunde ein individualisiertes Produkt erwirbt, das sich von einem Online-Produkt deutlich unterscheidet.“ (rve)

Das komplette Interview mit IVG-Geschäftsführer Johannes Welsch lesen Sie im soeben erschienenen Branchenbuch GartenCenter 2015