Grüne Branche

15. Pflanzenschutztag: „Neulinge“ bei den Schädlingen

Die Amerikanische Kiefernzapfenwanze, die Marmorierte Baumwanze und die Kirschessigfliege zählen zu jenen Tierchen, die erst in den letzten Jahren in Deutschland und Nachbarländern ein Thema auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes wurden.

Dr. Olaf Zimmermann – Fachreferent für zoologische Diagnostik beim LTZ Augustenberg – erwähnte dieses Trio beim Pflanzenschutztag von Katz Biotech Services in Welzheim.

Neue Schädlinge können sich nach Angabe Zimmermanns vor allem dann schnell etablieren, wenn natürliche Gegenspieler fehlen, hohe Reproduktionsraten vorliegen und ein breites Wirtsspektrum zur Verfügung steht.

Durch den globalen Handel verbreiten sich Lebewesen weltweit und der Klimawandel begünstigt die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Tiere in ihren neuen Regionen.

Natürlich wird versucht, diesen invasiven Schädlingen durch chemische Bekämpfungsmethoden, aber auch durch Nützlinge Herr zu werden.
Manche dieser „Neulinge“ können zunächst als eher harmlos eingestuft werden, doch verändert sich diese Situation möglicherweise. Zum Beispiel wurde die Amerikanische Kiefernzapfenwanze im Jahr 1999 erstmalig in Italien, 2005 dann in Österreich und 2006 erstmals in Süddeutschland – und zwar in Freiburg – festgestellt. Bisher galt diese Wanze eher als „Lästling“, doch wurde 2013 ein sehr auffälliges Auftreten beobachtet.

Offensichtlich etwas anders ist es im Zusammenhang mit der Marmorierten Baumwanze (Halymorpha halys). Sie wurde 2007 erstmalig in der Schweiz und in Bremen, 2012 dann in Konstanz festgestellt. Diese Marmorierte Baumwanze wurde aus Ostasien eingeschleppt, ist seit 1996 in den USA weit verbreitet und besitzt ein sehr breites Wirtsspektrum.

Die Wanzen dieser Art saugen an Blättern und Früchten zahlreicher Obstarten wie Apfel, Birne, Kirsche, Aprikose, Zwetschge, Himbeere, befallen aber auch Spargel, Bohnen, Paprika, Tomaten und zahlreiche Ziergehölze. Wie der Referent anmerkte, wurde ein Befall durch die Marmorierte Baumwanze schon bei über 300 Pflanzenarten beobachtet.

Noch sehr neu in Deutschland ist die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Im Jahr 2011 wurde sie hier erstmals beobachtet. Das Tier stammt aus Ostasien. Seit 2009 breitete es sich in verschiedenen Ländern Europas, aber auch in den USA und in Kanada aus. Es hat ein breites Wirtsspektrum, wobei neben Kirschen vor allem auch Weintrauben und Brombeeren häufig befallen werden.
Ein Weibchen der Kirschessigfliege kann etwa 400 Eier legen. Meist sind es zwei bis drei Eier pro Frucht. Ein Generationswechsel findet etwa im Laufe von zwölf Tagen statt. Daher werden in Deutschland immerhin fünf bis acht Generationen pro Jahr vermutet.

Die Folge des Befalls ist ein großer Fruchtausfall, denn das Populationsmaximum wird im Spätsommer erreicht. Der Schädling befällt übrigens nicht nur die Früchte von Kulturpflanzen, sondern außerdem viele Wildfrüchte.

Zum Schutz der Obstgehölze dienen in diesem Fall außer Insektiziden vor allem auch das Einnetzen der Kulturpflanzen, wobei sich Netze mit 0,8 Millimeter großen Maschen bewährten. Eine gezielte Verwendung natürlicher Gegenspieler muss in diesem Fall erst noch erprobt werden. (gug)