Grüne Branche

2. Hamburger Baumschnack: Austauschen heißt lernen

Bereits zum zweiten Mal veranstalteten die Hamburger Firmen Arbor Artist und Baumpflegeschule Busemann zusammen mit der Stockelsdorfer Firma Kletterdienste den Hamburger Baumschnack auf dem Gelände der Universität Hamburg. Heiß diskutiert wurde unter anderem die Frage nach dem richtigen Schnittzeitpunkt. 

Über 60 Kletterer, Arboristen und Baumbegeisterte folgten der Einladung und bestätigten damit Mitorganisator Niels Martensen (Arbor Artist) in der Richtigkeit seiner Idee, mit dem Baumschnack ein Forum für einen fachlichen Austausch zu bieten.

Martensen, der seit 15 Jahren in Hamburg als Fachunternehmer für die professionelle Baumpflege tätig ist, kennt viele Behördenvertreter und sonstige Entscheidungsträger im Bereich Baumpflege und hält einen Dialog im Sinne einer konstruktiven Zusammenarbeit für so wichtig, dass er bereit war, in diese für die Teilnehmer kostenlose Veranstaltung Zeit und Geld zu investieren.

Durch die intensiveren Kontakte sollte es möglich sein, das Verhältnis der verschiedenen Seiten, die sich mit dem Thema Baumpflege beschäftigen, zu verbessern – so die dahinter stehende Motivation. Während im vergangenen Jahr immerhin noch vier Baumkontrolleure den ersten Hamburger Baumschnack besuchten, war trotz persönlicher Einladung die Resonanz seitens der Behördenvertreter zum Bedauern der Veranstalter in diesem Jahr gleich Null.

Dabei gäbe es Themen genug, bei denen man zu einer Annäherung der verschiedenen Standpunkte kommen könnte. Beispielsweise wird der richtige Schnittzeitpunkt aus baumbiologischer Sicht anders gesehen als es im Bundesnaturschutzgesetz oder der Hamburger Baumschutzsatzung verankert ist, Stichwort Habitatbäume, also Bäume mit besonders reicher Fauna.

Das Ziel innerhalb der Branche ist klar: die Erhaltung eines gesunden Baumbestandes mit Habitatbäumen im urbanen Umfeld. Es gelte einfach, möglichst viele Beteiligte auf den gleichen Weg dorthin zu holen. Die Baumschnack-Initiatoren denken daher an den Aufbau eines Netzwerkes, bei dem alle Beteiligten ihre Meinung überprüfen, gegebenenfalls korrigieren und offene Fragen abklären können.

Gegenseitige Hilfe könnten sich etwa Baumpfleger und Artenschützer geben. Fachleute für Vögel, Insekten und Pilze sind sicher in der Lage, die entscheidenden Erkennungsmerkmale bei der Einstufung eines Baumes als Habitatbaum zu nennen und die Baumkletterer entsprechend zu schulen.

Andererseits fördert es das gegenseitige Verständnis, wenn Artenschützer über die Gründe und Maßnahmen von Baumsicherungen Bescheid wissen. Hier ein System zu entwickeln, das nicht nur überregional, sondern bundesweit umgesetzt werden kann, sei eine gute Idee, hieß es in der Diskussion. Erste Gedanken zur Umsetzung sind bereits vorhanden.

Neben der Theorie im Hörsaal kam auch der Spaß und die praktische Fortbildung nicht zu kurz. Henning Seidenthal, freier Mitarbeiter von Arbor Artist, hatte in drei Platanen auf dem Campusgelände einen Spaßparcours aufgebaut, bei dem die Wettbewerbsteilnehmer ihre Geschicklichkeit und Schnelligkeit unter Beweis stellen konnten. Spektakulär das im Baum verankerte Fahrrad, auf dem man treten musste, um ein Seil zu sich heranzuziehen, das beim Endspurt des Parcours gebraucht wurde.

Dirk Lingens vom Unternehmen Kletterdienste in Stockelsdorf erläuterte, wie man am besten die Höhenrettung am Einfachseil durchführt, ohne den Verletzten und sich selbst zu gefährden. Beim Einsatz von Doppelseilen, der zweiten Technik, könne man jede Aufstiegstechnik nutzen. Wichtig sei, dass der Kletterer und der Verletzte in einem geschlossenen System hingen und das kräfteschonende Waageprinzip genutzt werde.

Außerdem demonstrierte Lingens die Steigeisenrettung an einem Stamm. Es sei wichtig, solche Einsätze bewusst immer wieder zu üben, betonte Lingens, damit man im Ernstfall automatisiert reagieren könne und alle Mitarbeiter auf dem gleichen Stand seien. Ein Baumstamm lasse sich leicht irgendwo auf dem Firmengelände fixieren und könne dann – am besten zu festen Terminen – für Übungszwecke genutzt werden.

Beschlossen wurde, den Hamburger Baumschnack im Sommer 2013 fortzuführen. Helfer für die Durchführung sowie Organisation werden noch gesucht. (jen)