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43 Klimabäume mit Potenzial

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Bekannte und bewährte Baumarten, die in der Stadt jahrzehntelang funktionierten, können ihre Aufgaben als Klima-Verbesserer und Schattenspender nicht mehr erfüllen. Welche Arten aber sind als Klimabäume zukunftsträchtig?

Bei der Wahl von Bäumen geht es nicht nur um die Standortansprüche, sondern auch um Kriterien wie unter anderem Wuchshöhe, Kronenform, Belaubung, Früchte und Blüten. Foto: Pixabay

Elf Empfehlungslisten mit Klimabäumen verglichen

Dr. Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) hat elf Baumempfehlungslisten nach den häufigsten Mehrfachnennungen untersucht. Als Essenz daraus entstand eine Liste von 43 Bäumen, die aus einem eher statistischen Ansatz hervorgegangen ist.

Schönfeld erinnert sich: „Ich habe schon seit längerem die Hypothese: wenn wir alle Fachleute aus Forschung, Baumschulen und Planung zusammen in einen Raum sperren und sagen würden, jeder schreibt mal eine Liste, was wären Ihre zukunftsträchtigen Bäume? Wird man am Ende bei einem Pool von 30 bis 40 Baumarten landen, zu denen die Fachleute ja sagen?“

So war es auch: Schönfeld hatte insgesamt elf Empfehlungslisten von „Klimabäumen“ untersucht: sechs Listen von Baumschulen, drei aus der Forschung und zwei Empfehlungslisten. Die Gesamtliste aller genannten Bäume umfasste 115 Arten und Sorten – 43 davon wurden über alle Listen hinweg mindestens dreimal genannt.

Viele Klimabäume aus Lebensbereich der Auen- und Ufergehölze

Diese 43 – darunter Acer buergerianum, Cornus mas, Pinus sylvestris, Tilia x euchlora und Ulmus ‘Lobelʼ – bildeten das „Klimabaum-Destillat“, das Schönfeld genauer betrachtete: Woher stammen sie? Was verbindet sie? Gibt es unter Umständen weitere, bisher unbeachtete Arten mit ähnlichen Eigenschaften?

Für den Baumforscher überraschend: Ein relativ großer Anteil der 43 Gewinnerbäume stammt aus dem Lebensbereich der Auen- und Ufergehölze.

„Die Auen- und Ufergehölze sind sehr unterschiedlichen Standortbedingungen ausgesetzt, die können eine Zeit sehr überschwemmt sein, aber auch dann wieder mit sinkendem Wasserstand und trockenem Boden fertig werden. Das sind durchaus Bedingungen, die wir an Straßenstandorten auch haben“, so Schönfelds Erklärung. „Ich würde mir wünschen, dass man dort wissenschaftlich einmal näher hinschaut, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen.“

„Pflanzen nach Schema F führt im Moment nicht zum Erfolg“

Ein Drittel der Bäume stammt aus dem Bereich der Steppengehölze, Trockenwälder und Bäume von potenziell heißen und trockenen Standorten, das überraschte dann weniger.

43 Baumarten, so Schönfelds abschließendes Urteil, sei höchstwahrscheinlich zu wenig, denn es gehe bei der Wahl von Bäumen ja nicht nur um die Standortansprüche, sondern auch um Kriterien wie Wuchshöhe, Kronenform, Belaubung, Früchte, Blüten und vieles mehr. Sicher aber sei: „Pflanzen nach Schema F führt im Moment nicht zum Erfolg. Die Planer sind aufgefordert, sich umzustellen und sich mit neuen Arten zu befassen.“

Aufgabe der Baumschulen: Klimabäume den Kunden näherbringen

Aufgabe der Baumschulen wiederum sei es, die neuen Arten auch den Kunden näher zu bringen, denn es gebe ja durchaus Baumschulen, die schon Bestände haben, die aber von den Kunden noch nicht abgerufen werden, weil sie diese Bäume noch nicht richtig kennen oder sich nicht trauen.

Mehr zum Thema Klimabäume sowie die Liste der 43 Gewinnerbäume finden Sie in der TASPO 09/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.