Grüne Branche

Abwärme für Gurken: Investor nutzt die Wärme für die Gurkenproduktion im Gewächshaus

Felgentreu. Kilometer südlich von Berlin entstand, fast unbemerkt vom Gartenbau, in dem kleinen Ort Felgentreu ein umfänglicher Biogas-Park mit einer mehr als zehn Hektar großen Gewächshausfläche. Es soll dort Gemüse produziert werden. Der ansässige Zierpflanzen-Betrieb, die Gartenbau Felgentreu GbR, ist nicht mit eingebunden, wie eine Nachfrage ergab. Der Biogas-Park wird Strom produzieren, der in das Netz von EON eingespeist wird. Mit der dabei anfallenden Abwärme sollen die Gewächshäuser beheizt werden. Der Biogas-Park ist ein Investment der Steinhoff Familienholding GmbH, die auch den dazugehörigen landwirtschaftlichen Betrieb betreibt, die Tier- und Pflanzenproduktion Felgentreu, so Rolf Dörrenbächer (Westerstede). Dörrenbächer ist Generalbevollmächtigter der Steinhoff-Familienholding. Er erklärt: "Das Projekt besteht aus einem landwirtschaftlichen Betrieb, zehn Biogas-Anlagen und einer 10,2 Hektar großen Gewächshausfläche." Der landwirtschaftliche Betrieb produziert die Substrate für die Biogas-Anlagen und nimmt die Gärreste als Düngeersatz zurück. Die bei der Energieerzeugung entstehende Abwärme wird zur Beheizung der Gewächshäuser genutzt. Zwei vergleichbare Vorhaben sind in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in der Nähe von Berlin, in Gerswalde und Bartow, geplant.

Auf der einen Straßenseite sind zehn Biogas-Anlagen entstanden. Um die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme zu nutzen, kam auf der anderen Straßenseite eine Gewächshausanlage in der Größe von 10,2 Hektar hinzu. Die Gemüseproduktion Felgentreu hat das Gewächshaus gebaut und betreibt es auch. Dahinter stehen als Hauptgesellschafter die Steinhoff Familienholding und die TGE, Thüringer Gartenbau Beteiligungs- und Entwicklungs-GmbH.

Das Projekt ist, so Dörrenbächer, als eine beispielhafte Umsetzung des EEG (Gesetz für erneuerbare Energien) zu sehen. Die Biogas-Anlage erzeugt über Kraft-Wärme-Kopplung aus nachwachsenden Rohstoffen Strom. Die dabei entstehende Abwärme wird ins Gewächshaus geleitet. Das in den Abgasen enthaltene CO2 wird nach Aufbereitung in die Gewächshäuser eingeblasen. Das Gewächshaus soll im November mit der Pflanzenproduktion beginnen. Geplant ist, vorrangig Gurken zu produzieren. Gute Absatzchancen verspricht sich der Betreiber standortbedingt: Im Speckgürtel von Berlin liegend bedeute das kurze Transportwege. Die Produkte werden über den Erzeugergroßmarkt Thüringen-Sachsen-Spreewald EG aus Larsdorf vermarktet.

Für den Betrieb der Gewächshausanlage werden 60 Vollzeit- und 30 Saison-Arbeitsplätze entstehen. Die Gewächshausanlage wurde über die Investitionsbank des Land Brandenburg (ILB) gefördert (www.ilb.de). Das Fördervolumen für die Gewächshausanlage betrug 750.000 Euro als verlorener Zuschuss. Die gesamte Investition für die Gewächshausanlage belief sich auf zwölf Millionen Euro, für die Biogas-Anlage und den landwirtschaftlichen Betrieb waren es zusammen etwa 28 Millionen. Insgesamt war es also ein 40-Millionen-Investment, so Dörrenbächer. Die Steinhoff-Familienholding engagiert sich auch in gewerblichen wie sozialen Immobilien (Altenpflegeheime), seit drei bis vier Jahren außerdem in Landwirtschaft, Biogasanlagen und Gewächshäusern.