Grüne Branche

Acht Kilometer grüne Hülle: Vorzeigeprojekt in Düsseldorf

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Mit über 30.000 Hainbuchen wurde im Zentrum von Düsseldorf, nahe der bekannten Königsallee, ein neuer Gebäudekomplex mit Geschäfts- und Büroräumen auf Dach und Fassade begrünt. Als grünes Herz der Stadt bezeichnet, hat das neue Vorzeigeprojekt mit dem Namen „Kö-Bogen 2“ ein großes Ziel: Es soll eine mögliche Antwort für Städte auf den Klimawandel geben.

Kasten an Kasten – insgesamt 30.000 Hainbuchen formen eine acht Kilometer lange grüne Hülle für Düsseldorfs neues grünes Aushängeschild. Foto: Bruns

„Kö-Bogen 2“ verfolgt umfassendes Nachhaltigkeitskonzept

Das Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven Architects beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Projekten über verschiedene Klimazonen und Kontinente hinweg und verfolgt mit diesem Bauwerk ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept. „In einem phytotechnologischen Konzept werden heimische Hainbuchen zu einem integralen Gebäudebestandteil. Als Hecken gepflanzt, verbessern sie das Mikroklima der Stadt, schirmen im Sommer die Sonnenstrahlen ab und reduzieren den innerstädtischen Wärmeeffekt, binden Kohlendioxid, speichern Feuchtigkeit, dämpfen Lärm und fördern Biodiversität“, zeigt Christoph Ingenhoven auf. Der ökologische Nutzen der 30.000 Hainbuchen entspreche dem von rund 80 ausgewachsenen Laubbäumen.

Anzucht und Pflege der Hainbuchen in Bad Zwischenahn

Kasten an Kasten – mit jeweils vier Pflanzen stehen die Hainbuchen in 45 x 48 x 100 Zentimeter großen Gefäßen in einem durchdachten System entlang der Fassade. Während das Augenmerk des Betrachters von unten auf diese Pflanzenfläche fällt, ist von oben oder von gegenüberliegenden Hochhäusern die Dachfläche zu sehen. „Auch diese wurde komplett mit Hainbuchen bepflanzt. Mehr als 20.000 Gehölze umfasst alleine die Flächenpflanzung auf dem Dach“, zeigt Prokurist und Vertriebsleiter Christoph Kluska auf, der die Anzucht und Pflege der Gehölze in der Baumschule Bruns in Bad Zwischenahn betreute.

„Die Jungpflanzen wurden bereits 2016 in unseren Jungpflanzen-Quartieren in der Größe von 20 bis 30 Zentimetern selektiert“, berichtet Kluska. Gewünscht waren laubhaltende Selektionen, die der grünen Fassadenhülle auch im Winter ein ansprechendes Aussehen verleihen. „Dabei haben wir ein Vielfaches an Pflanzen ausgesucht, um später auf eine rund zehnprozentige Reserve zurückgreifen zu können. Für die Pflanzung erhielten wir alle systemrelevanten Komponenten, wie die Gefäße – mit Ersatzgefäßen – das mineralische Substrat als Schüttgut, sowie die Materialien für die Dränage-Aufbauschichten (System Optigrün).“ Dann konnte gepflanzt werden. „Rund 3.000 Gefäße wurden bei uns in der Baumschule auf rund einem Hektar Fläche so aufgestellt, wie sie heute entlang der Fassade hängen“, erinnert sich Kluska. Nach der Pflanzung begann die Pflegephase für die nächsten drei Jahre. Die Kästen wurden bewässert und gedüngt, Pflanzenschutz- und Schnittmaßnahmen wurden durchgeführt.

Pflanzgefäße mit eigener „Hausnummer“

Auch wenn der Landschaftsbau-Betrieb Jakob Leonhards Söhne bereits in der Planungsphase mit im Boot saß, so ging es für die Experten für „Fassaden- und Dachbegrünung“ mit der Lieferung der Gehölze zum „Kö-Bogen 2“ erst so richtig los mit ihrer Arbeit. „Die Anlieferung und der Aufbau erfolgte generalstabsmäßig“, erinnert sich Prokurist Martin Belz, der sich seit vielen Jahren insbesondere mit Großprojekten und Gebäudebegrünungen beschäftigt. 65 Lastwagenladungen kamen Ende 2019 und im Frühjahr 2020 in Düsseldorf an. Jedes Gefäß war einzeln ausgezeichnet und mit einer Bestimmungsnummer versehen. „Die Pflanzgefäße haben sozusagen eine Hausnummer, die den genauen Bestimmungsort an der Fassade kennzeichnete“, erklärt Belz. Nur so ließ sich der geschlossene Heckencharakter realisieren.

Durch die Vorbereitungen in der Baumschule konnte jedes Gehölz in einem optimalen Zustand an der fertigen Fassaden-Installation ins Leben starten. „Die Hainbuchen waren optimal vorbereitet für ihren neuen Bestimmungsort. Sie hatten ihren Lebensraum, der nicht mehr größer wird, bereits während der Kultur in der Baumschule gefunden“, so Belz weiter, der ein Wartungsteam von acht Landschaftsgärtnern zusammengestellt hat, die sich zukünftig um die Pflege und die Bewässerungsanlage in Düsseldorf kümmern.

► Mehr über das Vorzeigeprojekt „Kö-Bogen 2“ erfahren Sie in TASPO 3/2021.

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